Willanders – Rechts vor Links

13. September 2010

Verständnis statt Verstand

Filed under: freiheit,Integration,kultur,meinungsfreiheit,politik,staat,zensur — willanders @ 09:48

Schon Kurt Tucholsky sagte: „In Deutschland ist es wichtiger, Verständnis zu haben als Verstand.“ Irgendwie passt dieser Spruch zu dem hervorragenden Artikel von Volker Zastrow in FAZ, der wohl veröffentlicht wurde, als Schirrmacher auf dem Klo sass. Ich sichere ihn lieber, bevor Schirrmacher ihn in seiner Zeitung findet und sofort löscht. Sicher ist sicher.

Der Fall Sarrazin  –  Körperzellenrock

Von Volker Zastrow  12. September 2010

Was Thilo Sarrazin gesagt hat, ist also nicht „auszuhalten“, seine Beschreibung der Welt „unerträglich“? Das meinen jedenfalls die intellektuellen Lobbyisten und kriegen sich kaum noch ein vor bebender Empörung. Dabei zeigt ihr Meinungskrieg in Schleimsprache nur eins: Wie unreif das deutsche Verhältnis zur Freiheit ist.

Auf dem vergilbten Foto steht ein hagerer alter Mann vor mageren Kühen, er stützt sich auf einen Knotenstock, seine Kleidung ist ärmlich. Er hütet auf irgendeinem Gut im Osten das Hungervieh der Tagelöhner, zu denen er selbst gehört hatte, im Grunde ein Sklavenstand. Einer seiner Söhne schaffte es, Handwerker zu werden, seine Enkel dann Meister oder Beamte, die Urenkel sind Ärzte, Intellektuelle und Wissenschaftler, und soweit es mich betrifft, ist dieser hagere Mann mit den klugen, heiteren Augen im knochigen Gesicht unter der Landarbeitermütze einer meiner Urgroßväter. Ich bezweifle, dass er genetische Defizite hatte, aber andere als er bestimmten über sein Leben, das für ihn vorsah, scheißenden Kühen hinterherzulaufen.

Das nur, um zu beanspruchen, dass ich sehr wohl „ertragen“ kann, was Sarrazin sagt: seine schroffste, schrecklichste These ist ja, dass eine sozial durchlässige Gesellschaft eine genetisch benachteiligte Kohorte geradezu automatisch am unteren Rand chancenlos isoliert – nicht weil die Chancen fehlen, sondern die Begabungs-Chancen, sie zu nutzen. Dass es also Personen gibt, die einfach nicht Ingenieure oder auch nur Mechatroniker werden können, egal wie viel Geld oder Gutscheine man ihnen zukommen lässt. Und weiter: dass diese Unbegabteren sich stärker fortpflanzen und obendrein unter muslimischen Einwanderern klar überrepräsentiert sind.

Warum soll „unerträglich“ sein, dass einer die Welt so beschreibt? Weil sie nicht so ist? Oder weil man er nicht aushält, dass sie so ist? Oder weil sie nicht so sein darf? Warum kann man nicht „ertragen“, dass jemand historische Sachverhalte wie den Zeitpunkt der polnischen Mobilmachung 1939 benennt? Weil daraus falsche Schlüsse gezogen werden könnten? Welche denn? Wer zog sie? Und darf man keine falschen Schlüsse ziehen? Wer zieht sie nicht?

Zu viele Nacktschnecken machen auf der eigenen Schleimspur Karriere

„Ertragen“ ist eines dieser Stichworte, das auch auf Steinbach und andere gemünzt wird in diesen Tagen – von intellektuellen Lobbyisten, die totale Meinungskriege führen. Es sind Wortkriege in Schleimsprache: Man kann nicht „ertragen“, dass einer was sagt oder mit am Tisch sitzt, es ist „nicht hilfreich“, wenn einer ein Buch schreibt. Nicht hilfreich, nicht zu ertragen, so lauten soziale Todesurteile unter den Nacktschnecken, die auf der eigenen Schleimspur Karriere machen, nach oben, ganz oben.

Wie wunderbar schneckisch diese Erklärung des Merkel-Sprechers, es ist gut, einvernehmliche Regelung, endlich in Ruhe, wichtigen Aufgaben. Der Bundespräsident höchstselbst presst einen Bundesbankvorstand aus dem Amt, Rechtsgrundlagen: nicht nötig, zum Schluss wird geschmiert. Es ist nur noch widerlich, würdelos, pflichtvergessen.

Im Milieu der Schnecken sind Säure und Seife nicht artgerecht, was ätzt oder klärt, wirkt schleimlösend. Aber wie immer ist es zu einfach, alles auf die Politik zu schieben. Deutschland hat kein Verhältnis zur Freiheit. Es straft Meinungen mit Berufsverboten, mit der öffentlichen Todesstrafe, dem Ruf-Mord. Schon vor Jahrzehnten, am Bundestagspräsidenten Jenninger, wurde demonstriert, dass nicht zählt, was einer gemeint hat, sondern ob man es ihm erfolgreich verdrehen kann, gern bis ins Gegenteil über allen Anstand hinaus. Dazu passt, dass nahezu jeder, bis ins Privateste, mit der Überzeugung durch die Gegend zu kriechen scheint, seine Gefühle seien Heiliges, das nie und nimmer verletzt werden dürfe – der heilige Schleim. Wir lieben es nicht, das offene Wort, den Freimut, die Ehrlichkeit. Nicht privat, und öffentlich erst echt nicht. Da gilt Null Toleranz. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, aber bitte ph-neutral.

An die Stelle von Autoritäten ist Konformitätsdruck getreten

Wie kommt das eigentlich? Die Gesellschaft ist froh, jede ihrer Körperzellen ist glücklich, sie scheint toleranter als je, jedenfalls gegen Verletzungen der Scham, übles Benehmen, Rücksichtslosigkeiten aller Art, aggressive Egonauten, offensiven Sex, Verrohen und Verderben der Kinder – aber wenn einer mal nicht „ficken“ sagt, sondern „Kopftuchmädchen“, will man ihn am liebsten vom Antlitz der Erde tilgen. Es gibt, seit der Kulturrevolution der Sechziger, keine legitimationsfreien Autoritäten mehr. Gut. An deren Stelle ist aber Konformitätsdruck getreten. Dem liegt ein Bedürfnis zugrunde: Gedanken-Sharing. Der Druck bleibt die Ausnahme, ihn fühlt nur, wer Unliebsames ahnt oder gar ausspricht, die Sarrazins, die Gehetzten, die sich die Hetzmeute als Hetzer vorstellt.

Wobei freilich ein wachsender Teil der Gesellschaft ins Schweigen oder Grummeln driftet, Nichtwähler und Nichtschnecken, Stumpfe und Stolze. Bei der Meinungsfreiheit geht es ja nicht um Abstraktes. Sondern um Macht. Darum, wer anderen das Maul verbieten kann – schon klar, nicht verbieten, nur verdreschen – und wer es verboten, verdroschen kriegt. Diese Macht haben und nutzen die Lobbyisten und Meinungszüchtiger, die Mönchskrieger der öffentlichen Sprach- und Denkwirtschaft. Und natürlich die Nacktschnecken in ihrer weltanschaulich gefestigten Neutralität. Sie wirken, laut Artikel 21 GG, an der politischen Willensbildung des Volkes mit.

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5 Kommentare »

  1. Ein hervorragender Beitrag. Vielen Dank!!!!!!

    Warum in den Niederlanden die Wahl einer Rechtspartei möglich war, liegt doch auf der Hand. Weil dort eben niemand mit der Nazikeule auf das Volk einschlägt, wie das in Deutschland der Fall ist. Hier muß es noch viel, ja sehr viel schlimmer kommen, bevor endlich jemand aufsteht. Proteste allein nützen da offenbar gar nichts, denn die werden im Keime erstickt, Dank der Links-geförderten und tolerierten Schlägertrupps der Regierung, Gewerkschaft und krimineller Deutsch-Pass-Besitzer.

    Kommentar von Hans — 6. Oktober 2010 @ 00:10 | Antwort

  2. In den Niederlanden hat der Anteil muslimischer Migranten die mehr Last (weil Transferempfänger) als Gast sind die Kritische Masse erreicht. Hierdurch wurde der notwendig ruck nach rechts ausgelöst der politisch von der bisherigen Regierungspartei zu verantworten ist, weil diese nicht auf Volkes-Stimme hörte. Gleiches geschieht in kürze in der BRD. Der Deutsche macht viel mit und ist enorm leidensfähig, aber wehe er wird mal böse. Die Zeichen stehen auf Sturm, was von den Gutmenschen und Multikultifuzzis (noch) gekommt ignoriert wird. Leute wie Sarrazin die das ansprechen was faktisch im Volk erlebt wird, werden zu unrecht in die rechte Ecke gestellt und diffamiert.

    Kommentar von Lou Ciffer — 4. Oktober 2010 @ 18:40 | Antwort

  3. Ich verstehe die ganze Debatten nicht, wieso kann man Sarrazin nicht so akzeptieren wie er ist

    Kommentar von Dalton — 4. Oktober 2010 @ 04:43 | Antwort

  4. ja, fast schon wieder vergessen – das war der beste Artikel im Zusammenhang mit Dr. Thilo Sarrazins‘ Buch, an den wir uns erinnern können.

    Kommentar von westphal — 3. Oktober 2010 @ 22:58 | Antwort

  5. Deutschland ist ein Minenfeld, manche gehen ohne Berührung los.

    Kommentar von jackdaw — 15. September 2010 @ 05:35 | Antwort


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