Willanders – Rechts vor Links

6. November 2019

Demokratie versus Demokratie

Der TE-Artikel liefert eine zutreffende Beschreibung des Zustands der demokratischen Systeme, die weltweit unter Beschuß seitens des Totalitarismus stehen, der sich als „Volksdemokratie“ oder „Gemeinwohl“ tarnt. Der Autor irrt m.E. jedoch, wenn er meint, wir stehen vor oder am Anfang „einer Art kultureller Bürgerkrieg“ – nein, wir sind im Endstadium eines Kampfes auf Leben und Tod zwischen der Freiheit und ihrem Gegenteil. Der Kampf ist aus meiner Sicht zugunsten der Unfreiheit entschieden; ich sehe da keine Anzeichen, dass die gute alte Demokratie, verstanden als der Wille der Mehrheit einer Gruppe, noch eine Chance erhält. Das demokratische Modell hat sich überlebt, wie ein Baum, der noch steht, aber dessen Zweige und Blätter immer weniger werden, dessen Rinde mehr und mehr abblättert und der sich immer mehr zur Seite neigt.

Die Gründe für ihre Niederlage sind sicherlich vielfältig und -schichtig, aber einfach gesprochen, hat der Egoismus, die Bequemlichkeit und Hybris des Menschen die Demokratie getötet. Wem seine berufliche Karriere, seine Urlaube, teure Wohnungseinrichtung und das neueste Auto wichtiger sind als Kinder und ein Engagement für die Familie, Gemeinde und für das eigene Volk und sein Glaubenssystem, der schafft durch seine Unterlassung ein Vakuum, in das andere, vitalere, sich stärker auf immaterielle Werte stützende Kulturen und Gesellschaften vorstoßen, deren Mitglieder die eigenen Interessen hinter die der Familie, Sippe, Nation und Religionsgemeinschaft selbstverständlich stellen. Diese Kulturen besetzen mit einem für uns tragischen Automatismus die geistigen wie physischen Räume unserer hedonistischen Kultur, die dem Impetus nichts mehr entgegensetzen kann. Die moderne Demokratie mit ihrer tendenziell suizidalen Toleranz war seit ihren Ursprüngen die einzige Gesellschaftsform, die die Bedingungen für ihre eigene Abschaffung bildete. Wer keine Freiheiten einengen möchte, der öffnet Tür und Tor für den Einfall von Gruppen, die diese Schwäche gegen die Demokratie einsetzen.

Wer sich selbst als das Zentrum seines Universums betrachtet, der verliert den Kompaß für das Ganze, der wird das eigene Wohl und das Wohl von Minderheiten – die sich jeweils als das Wichtigste betrachten – höher stellen, als das Wohl des Ganzen. Er versteht nicht, dass diese selbstzentrierte Haltung zu einer Atomisierung der Gesellschaft führt, was wiederum mächtigen Akteuren ein leichtes Spiel mit ihm und seiner Welt ermöglicht. Von seinem Hybrispodest herunter meint er, „seine“ Demokratie zu verteidigen, und sieht sich so im Recht, anderen den Mund verbieten zu dürfen. So ist auch seine Gewissheit zu erklären, dass der politisch Andersdenkende unterdrückt werden muß, um „die“ Demokratie zu bewahren. Dieser andere ist nicht mehr ein – andersmeinender – Teil eines Ganzen, er ist ein Feind. Hat man erst mal die anderen als Demokratiefeinde markiert, ergibt sich deren Bekämpfung als notwendig von ganz allein. Und so kann ein öffentlich-rechtlicher Journalist seine Radiosendung im Jahr 2019 völlig ungestraft „Hassen? Ja, aber das Richtige!“ titulieren.

Der von der Richtigkeit seiner Demokratieidee total überzeugte Protagonist der Moraldiktatur ist in seiner Verblendung außerstande zu akzeptieren, oder auch nur zu verstehen, daß Ausrichtung und Ziele der Politik durch Mehrheitsentscheidungen legitimiert sein müssen und dass die Minderheit sich dem Willen der Mehrheit zu unterwerfen hat. Statt dieser Demokratie haben wir heute mit Metastasen einer politisch verwahrlosten Wohlstandsgesellschaft zu tun, die durch den wild wuchernden Kulturmarxismus ihre Normen und Werte komplett verloren hat und dadurch den Pöbel an die Macht hat kommen lassen. Und weil der Pöbel per definitionem dumm ist, war es der straff organisierten Kaderschmiede der DDR in Zusammenspiel mit den US-amerikanischen Globalisten ein Leichtes, eine Gestalt wie Merkel an der Spitze der BRD zu installieren.

Die Demokratie war ein funktionierendes Modell für Staaten der weißen Zivilisation in ihrer Blütezeit. Und weil dieses System eine Zeit lang so prächtig gedeihen konnte, hat der Europäer angenommen, die ganze Welt könnte so funktionieren, wie sich das auf Grund der spezifischen Ausnahmesituation über Jahrhunderte in Europa ergeben hat. Der westliche Universalismus funktionierte, als der Westen stark genug war. Dieses Modell erweist sich aber als ein tonnenschwerer Mühlstein um den Hals des Westens, der ihn angesichts der zunehmenden Schwäche unweigerlich in den Abgrund reißt. Es ist höchste Zeit, sich von der Idee der parlamentarischen Demokratie zu verabschieden und sich nach funktionierenden Alternativen umzusehen. Lebte ich noch in der BRD oder einem anderen westlichen Land, wäre mir angst und bange.

26. Oktober 2019

Von Deutschland in den Weltraum

Filed under: Raumfahrt — willanders @ 09:54
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Ergänzend zu dem Artikel über die Fortschritte der anderen Länder in der Weltraumtechnologie hier der Link zu einem wie es mir scheint vernünftigen Beitrag zum angedachten Weltraumbahnhof in Deutschland.

23. Oktober 2019

Wie eine Hose mit einem Beinteil

Nach meinem Kommentar zu Leninthink, habe ich mich gefragt, wie es kommt, dass diese kranke Denke überhaupt Anhänger findet, immer und immer wieder, und nicht in der Versenkung verschwindet, wo sie hingehört, wie viele andere irrationale Irrungen in der Vergangenheit.

Ein Mensch – ein ausgedachter Mensch – in einem Gefängnis geboren, von unschuldig eingekerkerten Eltern, mit keinerlei Aussicht auf Freiheit, von der er aber weis, dass sie draußen existiert, würde gewiss nicht die Geschichte der Gefängnisbauten, ihre architektonischen Feinheiten oder gar die physikalischen Gesetze des Mauerbaus mit Freude studieren, sondern würde schon als Kind einen unbändigen Zorn auf die Erfinder, Erbauer und Betreiber des Gefängnisses entwickeln. Je nach persönlicher Veranlagung würde er darauf aggressiv reagieren oder nach einer Fluchtmöglichkeit Ausschau halten – beides gesunde Reaktionen. Oder er würde resignieren, dann bliebe ihm der Selbstmord oder eine Identifikation mit seinen Unterdrückern – beides bedeutet Tod, beim ersten den physischen, beim letzten den seelischen.

Ich gehörte zu der ersten Kategorie. (more…)

20. Oktober 2019

Gruß an den wahren Spielführer

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Deutschland – England 1938. Beachtenswert auch der Hitlergruß der englischen Spieler.

 

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Damit spricht Olaf Opitz in seinem TE-Artikel eines der beiden Grundprobleme – neben der obszönen Gelder – des Sports, vor allem des Fussballs, an.

 

 

Ein Anywhere

 

Vor den Kriegswirren in Syrien 2015 in die BRD geflohen wurde der sympathische junge Mann von jungen deutschen Mädchen euphorisch empfangen, vom deutschen Steuerzahler rundum versorgt (wahrscheinlich mehrfach dank zahlreicher Identitäten – daraufhin deutet sein offensichtliches körperliches Wohlergehen und seine teure Foto- und Videoausrüstung, deren Anschaffung schwerlich vom Regelsatz abgezweigt werden konnte), durfte sich von all den Strapazen im malerischen Lutherstädtchen Eisleben erholen und ist dabei so richtig schön rund geworden (oder auch nur geblieben), wurde auch noch von christlichen Nonnen mit der Nächstenliebe gepampert.

Als der Ruf kam, folgte er ihm und machte er sich auf den Weg zurück in seine Heimat, um an den Kriegswirren in Syrien teilzunehmen. Er schloss sich den pro-türkischen Truppen an und ist bei Morden an Kurden zumindest filmend dabei gewesen. Ein kleiner circle of life eines „Anywhere“ unserer Tage:

 

19. Oktober 2019

Lenin – der Teufel und sein Werk

 

verbietetDieser – englischsprachige – Aufsatz bietet einen Einblick in die Denke eines Psychopathen, dem es vergönnt war, seine pathologische Perversion entfesselt auszuleben, und einen Rückblick auf dessen massenmörderisches Wirken. Der Staatsterrorismus namens Sowjetunion war das Ergebnis einer diabolischen Idee, einer Idee jenseits aller, ja aller!, Menschlichkeit. An der SU konnte man sehen, wohin es führt, wenn der Mensch jede transzendente Autorität ablehnt, sich selbst in den Mittelpunkt stellt und zum Maßstab für alle Dinge macht. Der Ex-Kommunist Gary Saul Morson analysiert hier die „Lenindenke“ und zeigt deren „Prinzipien“: grenzenlosen, blinden Terror um des Terrors Willen gegen jeden, in dessen Namen zufällig, nach der Tagesparole ausgeloste Zivilisten einfach so erschossen oder erschlagen wurden, weil ihr Stadtviertel oder ihr Berufsstand eben an diesem Tag „dran war“; den sehr flexiblen Umgang mit der Wahrheit; die Missachtung der marxistisch-leninistischen Ideologie zugunsten der jeweils neuesten Direktiven der Parteiführung, die stets als die einzig richtige Interpretation der Ideologie zu gelten haben – um nur einige der „Prinzipien“ hier zu nennen.

So manches Lenindenkmal in den Köpfen der ewigmorgigen Verehrer wird zerbröseln bei der Betrachtung von Lenins zutiefst primitiver Denke, von einem Lenin, der nie einen Hehl aus seiner Ignoranz gegenüber der marxistischen Theorie machte – der verbreiteten Propaganda zum Trotz -, der andere Ansichten als seine ablehnte ausschließlich mit dem „Argument“, sie seien eben… anders. Unter dem kommunistischen Terror war es nicht nur nicht notwendig, sondern verboten sich mit diesen zu beschäftigen – es war ein Verbrechen. Warum? Weil sie „anders“ waren. Und die Wahrheit? Ach, was ist schon Wahrheit! Wahrheit ist, „was der Partei nützt, Genossen, und sonst nichts“. Und was der Partei heute nutzt, schadet ihr vielleicht morgen, dann wird die Wahrheit eben morgen den neuen Gegebenheiten „angepasst“.

Hier wird der wahre Revolutionsführer aufgedeckt, für den das einzig Relevante an Marx‘ Lehre die „Diktatur der Proletariats“ war. Diese Diktatur definierte Lenin als „nichts anderes als eine total befreite Macht – frei von jedwedem Recht, befreit von allen Regeln, beruhend einzig und alleine auf Gewalt“. Für ihn musste eine revolutionäre Partei ausschließlich aus Berufsrevolutionären bestehen, die sich aus der Intelligenzschicht (!) rekrutieren sollten, und die sich restlos der Parteidisziplin unterwerfen und bereit sein mussten, ausnahmslos alles zu tun, was die Parteiführung von ihnen verlangte, ohne zu hoffen, dass es das Richtige ist. Ein Beispiel von Millionen: Ein hoher Bolschewik Piatakow bat 1936 das Zentralkomitee der Partei, ihn zu „rügen“ dafür, dass er die Verbindung seiner Frau zu den Trotzkisten verschwiegen hatte. Er bot an, gegen sie auszusagen und, nach einer – sicheren – Verurteilung, sie eigenhändig zu erschießen. Letztendlich wurde Piatakow selbst erschossen.

Eine Beschäftigung mit der sozialistischen Praxis ist gerade heute mehr als notwendig, heute, wo so kranke Wünsche nach Diktatur – „Verbietet uns endlich was!“ – leider wieder einen Weg an die frische Luft finden, und wo SED-Spitzel und andere -Verbrecher in dieser real existierenden BRD wieder in Amt und Un-Würden wüten dürfen. Ich finde es sehr wichtig, dass man an Sozial-, Marx-, Kommun-, Lenin- und sonstigem -ismus immer und immer wieder erinnert und ihn so zeigt wie er wirklich war: die Hölle auf Erden. Im Falschen gibt es kein Richtig, da bin ich nicht bereit zu differenzieren. Basta! Ich weiß, wovon ich spreche: Die ersten 18 Jahre meines Lebens war ich gezwungen, in einem kommunistischen Staat zu fristen. Ich kenne dieses Verbrechen namens Sozialismus aus eigener Erfahrung. So ein System bringt das Schlechteste was in einem Individuum drin steckt, zum Vorschein. Bei dem einen mehr, beim anderen weniger; aber etwas Gutes kommt dabei nicht raus.

Den Link und Hinweis zu diesem Artikel gefunden bei: https://seidwalkwordpresscom.wordpress.com/2019/10/19/fundstuecke-lxix/

11. Oktober 2019

Fridays for Future? Fridays against Pentagon!

Die ungleichen Sportphilosophien bringen die Unterschiede zwischen der westlichen und der asiatischen Kultur auf den Punkt. Nehmen wir mal – das westliche – Boxen und – das asiatische – Judo als Beispiel. Während es beim Boxen darum geht, den Gegner möglichst schnell und schmerzvoll endgültig K.O. zu schlagen, so dass er nicht mehr aufstehen kann, ist Schlagen, Treten, Kneifen und sonstiges Schmerzzufügen und Verletzen beim Judo verboten und führt zu einer sofortigen Disqualifikation. Beim Judo geht es darum, die Bewegung des Gegners auszunutzen, um ihn ins Leere laufen zu lassen und ihn so zu Fall zu bringen und schließlich zu besiegen.

Es ist der Unterschied zwischen Eiche und Bambus. Die Eiche als westliches Symbol der Stärke widersteht dem Wind mit aller Härte des Stammes und Tiefe der Wurzel. Der Bambus dagegen gibt nach, verbiegt sich – und steht wieder aufrecht, nachdem der Taifun vorbeigezogen ist. Es ist auch dem stärksten Wind nicht möglich, einen Bambus zu brechen.

Diese Bilder hatte ich vor Augen beim Lesen eines weiteren intelligenten Artikels aus der Tastatur von Caitlin Johnstone auf ihrer Netzseite. Es geht um den schlimmsten Umweltverschmutzer auf dieser Erde: die US-Kriegsmaschine, das Pentagon. Ich bin zwar kein Freund von diesem schwedischen autistischen Kind, der Fridays-for-Future, noch sonstiger PR-Aktionen irgendwelcher klandestinen NGO, aber warum sollte man nicht wie ein Judoka den Impetus dieser globalen Bewegungen aufnehmen und sie in die gewünschte Richtung lenken? Wie ein Judokämpfer, der den heranstürmenden Kontrahenten mit einem sanften Griff ins Handgelenk auf die Tatami schickt.

Man will und muss doch die Welt retten, oder? Und als Freund des Friedens sollte man doch alles versuchen, um den drohenden Vernichtungskrieg abzuwenden, oder? Was soll dabei falsch sein, wenn man mit einer Klatsche zwei Fliegen schlägt, die eine davon mit todbringendem Potential.

Das Team von Rubikon.news hat den Artikel dankenswerterweise übersetzt. Hier das Intro:

Ihr wollt die Umwelt retten? Dann entzieht dem Pentagon die Mittel!

von Caitlin Johnstone

Was verteidigt eigentlich ein Verteidigungsministerum? Vor allem wohl die Machtgelüste der Politiker im eigenen Land und die Bankkonten der Kriegsprofiteure. Forderungen zum Klimaschutz zu stellen und dabei den schlimmsten Umweltsünder zu „vergessen“, ist die blanke Schizophrenie. Keine Einrichtung weltweit verursacht mehr Umweltschäden als das Pentagon. Zum Beispiel durch Sprengstoffe, Schwermetalle und radioaktive Verseuchung, die eine permanente Kriegsführung gegen Flora und Fauna, ja letztlich gegen den Menschen selbst darstellen. Setzen wir auch die Umweltverbrechen des US-amerikanischen Militärs auf die Tagesordnung! Die Verantwortlichen können schwerlich gegen eine drastische Reduzierung der Mittel für das Pentagon argumentieren, ohne sich selbst dabei zu entlarven.

Weiter auf Rubikon,news.

Das Original:

https://caitlinjohnstone.com/2019/09/28/want-to-save-the-environment-de-fund-the-pentagon/#

Und hier noch Links zu anderen Artikeln zum gleichen Thema:

https://theconversation.com/us-military-is-a-bigger-polluter-than-as-many-as-140-countries-shrinking-this-war-machine-is-a-must-119269

On Earth Day, Remembering the US Military’s Toxic Legacy

The military is the largest emitter in the US Gov’t — in fact, it’s the world 55th largest polluter

View at Medium.com

10. Oktober 2019

Das Kernproblem der Autokratie – und eine antike Lösung

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Man fragt sich bisweilen, wie es dazu kommt, dass der ehedem in vielerlei Hinsicht hochentwickelte Westen verfällt, und zwar in zunehmendem Tempo. Dazu braucht man nur die Nachrichtenportale aufschlagen, Kinder im Schulalter haben oder einfach abends über den Marktplatz einer beliebigen europäischen Stadt gehen. Überall hat sich der Staat der Schutzpflicht gegenüber seinen Bürgern, sprich: Steuerzahlern entledigt, die offiziellen Medien verbreiten nur noch Propaganda, Terror auf Schulhöfen, rechtsfreie Räume und Situationen allerorten. Ich könnte die Liste der Verfallserscheinungen noch lange fortsetzen, aber jedem dürfte klar sein, was gemeint ist.

Ich habe lange geglaubt an „die Demokratie“, die „wir haben“ – das sagen sie doch alle im Fernsehen und in den Zeitungen: Wir leben doch in einer Demokratie, oder? Bin auch brav zu jeder Wahl gegangen und habe gewählt mit der Erwartung, die nächste Regierung wird gezwungenermaßen besser, denn so schlimm wie diese kann keine zweite werden. Und dann erlebte ich jedesmal eine Enttäuschung: Jede nachfolgende BRD-Regierung war schlechter als ihre Vorgängerin. Wie kommt so etwas zustande? (more…)

26. September 2019

Von Schildkröten und anderen Weisen

Filed under: kultur — willanders @ 17:41
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Vorbemerkung:

Vor wenigen Wochen hat sich ein guter Freund das Leben genommen. Auch wenn er seinen Selbstmord vor langem ankündigte, war es nichtsdestoweniger ein Schock zu erleben, dass jemand beileibe seinem Leben durch die eigene Hand ein Ende setzt. Dieses – noch sehr frische – Ereignis hat mich veranlasst, über das Leben selbst und seinen Sinn, über Gott, die Zeit und ihre Läufte, und über den ganzen Rest abermals zu meditieren.

 

***

Ich lebe seit rund einem Dutzend Jahren in Asien. Während meines neuerlichen, den ersten nach fast zehn Jahren, Besuches in Deutschland fiel mir besonders das hohe Lebenstempo dort auf. Meine Langsamkeit wiederum hat die Verwandten und Freunde mehr oder weniger irritiert. Ich habe beispielsweise nicht geschafft, jeden der es wollte, zu besuchen, was natürlich zur Enttäuschung führte. Ich habe nicht geschafft, „schneller“ dort zu leben. Ich muss auf sie einen fürchterlich einschläfernden Eindruck gemacht haben. Mir wiederum fiel auf, wie abhetzt meine Gastgeber waren, wie sie über Schlaflosigkeit, Gereiztheit und „Burn-out“ klagten und wie selbstverständlich sie sich über entsprechende Medikation austauschten. Die Erinnerung an die unterschiedlichen Lebensgeschwindigkeiten hat mich auch nach meiner Rückkehr nach Hause in Asien nicht losgelassen. Ich kam mir in Deutschland vor wie jemand, der vor einer Weile von einem sich schnell drehenden Karussell runter fiel und es nicht mehr schafft, wieder drauf zu springen.

Seitdem beschäftigt mich – etwas weiter gefasst – auch die Frage nach dem unterschiedlichen Lebenstempo in verschiedenen Kulturen und nach den Auswirkungen auf die Lebensqualität. Ich sehe, dass die Menschen in den entwickelten Ländern mit dem Wahnsinnstempo der technologischen Entwicklung der Medien und der persönlichen Kommunikationsmittel Schritt halten wollen. Ich sehe auch, wie schädlich dieses Verhalten für mich ist, wie ungeeignet ich bin, mit der allgemeinen Geschwindigkeit Schritt zu halten. Ich habe zunehmend das Bedürfnis nach einer Entschleunigung und versuche, eine persönliche Reflexion abzuhalten über die Schnelligkeit, die inzwischen alle Bereiche des Lebens im Westen – den technischen, sozialen, und den inneren: spirituellen, emotionalen und mentalen – beherrschen. Mir scheint es, als ob die Schnelligkeit uns wie ein Virus infiziert hat – unsere Gedanken, Gefühle, und Seelen –, wir aber haben kein Mittel dagegen, wir wissen nicht mehr, wie wir dazu kommen, wieder in einem gemächlicheren Tempo zu leben. Wir können nicht entschleunigen.

Ich lebe in einem tropischen Land, oben an einem Berg. (more…)

23. September 2019

Amerikas Privileg

Filed under: Geopolitik,staat,terror — willanders @ 18:59
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Ein wunderbarer Text über das Privileg, USA zu sein. Ich empfehle bei der Gelegenheit auch die Netzseite von Caitlin Johnstone von Down Under – vielleicht muss man wirklich einen Kopfstand machen, um die Welt wieder so sehen zu können wie sie sein sollte. Hier meine Übersetzung des Aufsatzes:

Amerikas Privileg

von Caitlin Johnstone, 14.09.2019

cars

Amerikas Linke reden ständig über weiße Privilegien, männliche Privilegien, Hetero-Privilegien usw., aber über eines höre ich sie nie reden: Amerikas Privilegien. Über die Macht also, die ihnen ihre Nationalität verleiht, mit dem Rest der Menschheit Beziehungen zu unterhalten, die wir anderen nicht haben.

Amerikas Privileg macht es möglich, sich ausschließlich auf die vielen internen Probleme zu konzentrieren, ohne sich um die Billionen Dollar zu kümmern, die die Kriegsmaschinerie eurer Regierung ausgibt, um die Welt zu terrorisieren und den Planeten mit Militärbasen einzukreisen.

Amerikas Privileg erlaubt es dem potentiellen Oberbefehlshaber, wenn auch schweren Herzens, in euren TV-Debatten anlässlich des Präsidentschaftswahlkampfs ganze acht Minuten der Außenpolitik zu opfern, während das Militär eures Landes im Grunde die Angelegenheiten der restlichen Welt diktiert.

Amerikas Privileg macht es möglich, gegen Sturmgewehre zu argumentieren, weil sie „Kriegswaffen“ seien, gleichzeitig diese gut zu heißen, solange sie dazu benutzt werden, Kinder in anderen Ländern zu töten. (more…)

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