Willanders – Rechts vor Links

11. Mai 2018

Trump – der verkannte Bösewicht

Filed under: Geopolitik,politik — willanders @ 16:28
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Zunächst in eigener Sache: Bedingt durch familiäre Angelegenheiten musste ich jetzt eine Weile pausieren; ab sofort werde ich wieder versuchen, dann und wann etwas zu Laptop zu bringen. 

Es geht los mit einem Kommentar auf diese transatlantische Liebeserklärung an Trump, die ich selbstredend nicht so stehen lassen konnte. Allerdings hat sich die Registrierung bei Tichyseinblick etwas zu schwierig gestaltet, und so landet mein Kommentar hier. 

An Ihrem Beitrag, werter Herr Goergen, stimmt so gut wie gar nichts. „Meine“ Freunde in den USA, die mit Trump anfangs zumindest sympathisiert haben, manche haben für ihn gestimmt, sehen das wiederum völlig anders. Das Heer deren, die von Zustimmung oder gar Begeisterung für Trump zur Enttäuschung pendeln, wird größer und größer. Und ich gebe ihnen recht, auch wenn ich kein Amerikaner bin. Auch meine anfängliche Begeisterung ist gewichen und hat einer tiefen Skepsis Platz gemacht.

Trump hat keines seiner Versprechen eingelöst, dafür viele gebrochen. Er hat im Wahlkampf mehrmals hoch und heilig versprochen, sich niemals nie in Nahost militärisch zu engagieren, sich aus all den zahl- und endlosen Konflikten komplett rauszuhalten. Er hat schon vor Jahren und im Wahlkampf erneut, H. Clinton häufig scharf angegriffen für ihre Pläne, nach Irak (Trump war von Anfang an ein Gegner des Irak-Krieges) einen neuen Krieg in Syrien zu starten. Er kritisierte scharf dieses Engagement als „katastrophal teuer“, „stupid and wasteful“, und versprach, dafür die vielen ungelösten inneramerikanischen Probleme zu lösen. Alleine für dieses Versprechen haben ihm Millionen kriegsmüder Amerikaner ihre Stimme gegeben. Und schon kurz nach seiner Wahl vergaß er dieses Versprechen und… bombte Syrien, und vor etwa zwei Wochen erneut.

Der von Trump genannte Grund – Assad’s Einsatz von Chemiewaffen -, diesen Einsatz hat der Verteidigungsminister „mad dog“ Mattis noch Tage zuvor in einer Pressekonferenz als „nicht schlüssig“ genannt. Ja, er hat zugegeben, dass Assad sich nach 2012 strikt an die Abmachung gehalten hatte und alle, aber auch alle, Chemiewaffen an die internationale Behörde zur Vernichtung ausgeliefert hatte. Syrien besitze schlicht keine Chemiewaffen mehr, so Mattis vor zwei Wochen. Und hat die Wahrheit Trump davon abgehalten, Syrien zu bomben? Nein.

Ich warte übrigens immer noch an die ach so perfekt gemein versteckten Chemiearsenale im Irak. Sie werden gewiß noch auftauchen… Und wenn nicht, dann ist das auch egal: Ein völkerrechtswidriger Krieg der Amis mehr oder weniger spielt eh keine Rolle mehr. Irak’s Chemie- und Iran’s angeblich geplante Atomwaffen – wer nochmal hat das jeweils weltgrößte Arsenal an diesen Waffen? Ich komme irgendwie nicht drauf… Und hat nicht Israel geradezu einen gewaltigen Atomwaffenpark? Ach ja! Es gibt auserwählte Völker, die sowas dürfen. Ich vergaß. Im Ernst: mehr Doppelmoral geht nicht.

Warum das 8.000 Kilometer entfernte Syrien eine Gefahr für Washington darstellt? Was hat Amerika dort zu suchen? God only knows… zumal der amerikanische. „Meine“ Freunde haben Trump gewählt, weil er versprochen hatte, eine Mauer an der Mexico-Grenze zu bauen. Und hat er? Noch nicht einmal ein Bauplan existiert, geschweige denn sind die Mittel im Haushalt eingeplant. Er versprach, die Obamacare aufzuheben. Hat er das? Nein. Er versprach, die verrottete Infrastruktur in den USA zu sanieren und dafür ein milliardenschweres Programm zu starten. Und? Keinen Finger krumm gemacht. Er versprach, all die Illegalen über die Grenze zurückzuschicken, wo der Pfeffer wächst. Sie sind alle noch da und täglich kommen mehr.

Er versprach, Städten, die Illegalen Asyl gewähren („sanctuary cities“) alle Bundesmittel zu streichen. Nicht ein Dollar wurde zurückgehalten. Er versprach, die Einwanderung von Mohammedanern zu unterbinden. Und? Fehlanzeige. Er versprach, die billionenschwere Verschuldung des Bundes in den „acht“ Jahren seiner Präsidentschaft auf Null runterzufahren: Diese ist seit seiner Machtübernahme um 1,1 Billionen US-Dollar gestiegen… Er versprach, Chinas „Währungsmanipulationen“ zu beenden. Als Präsident lobte er China für seine weise Währungspolitik. Eine seiner allerersten Entscheidungen als US-Präsident war sein Ausstieg aus der Trans-Pacific-Partnership, und jetzt überlegt er offiziell, diesem Abkommen wieder beizutreten.

Und was Korea angeht, da schmückt sich Trump mit fremden Federn. Alle Welt sieht, dass Beijing alleine Kim Jung-un zum Einlenken zwang. Aber China ist souverän genug, Trump im Rampenlicht stehen zu lassen. Auch in China ist bekannt, dass Eitelkeit und Hochmut selten kluge Ratgeber waren…
Oh nein, Herr Goergen, Trump agiert nicht aus der Position der Stärke. Das Gegenteil ist der Fall. Meinetwegen nennen Sie mich Softie. But I’m not the only one…

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