Willanders – Rechts vor Links

12. Mai 2016

When will they ever learn?

Manche bezeichnen die Gegenwart als Post-Aufklärung. In der Tat, wenn man heute eine Zeitung aufschlägt oder den Fernseher einschaltet, wird man – abgesehen von rein naturwissenschaftlichen Themen, die aber gefühlt immer weniger werden – selten mit Fakten, Logik oder neutraler Berichterstattung konfrontiert. Wir leben in einer Zeit, in der Nachrichtensprecher vor laufender Kamera schluchzen, in den zahllosen Talkshows pausenlos gebrüllt wird, und die meisterhaft beherrschte Empörungsbereitschaft als die einzige Qualifikation ausreicht, um einen Menschen in der politischen Hierarchie in die obersten Staatsämter hochzuspülen. Unser Kulturraum ist gefangengenommen von Moralmonopolisten und gefüllt mit bunten Schaumträumen wie eine Spielkiste für Kleinkinder bei Ikea, voll mit bunten Bällchen.

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Das erstaunliche dabei ist, dass die linken Moralisten und Träumer von einer Formbarkeit anderer Menschen, die heute die westlichen Medien und den Politikbetrieb beherrschen, oftmals nichts anderes vorzuweisen haben, als ihre unerschütterliche Überzeugung von ihrer moralischen Hochwertigkeit und Überlegenheit. Dieser bloße Glaube macht sie stark und fähig, sich über tradierte Normen, Werte und Überzeugungen der Menschen brutal hinwegzusetzen. In diesem Glauben verankert, nehmen sie sich das Recht, völlig respektlos gegenüber dem anderen, gegenüber seiner Persönlichkeit, seinen Ansichten, Überzeugungen und seiner persönlichen Geschichte zu handeln. Sie nehmen sich das Recht, all dies einfach wegwischen zu können. Sie spielen Gott, indem sie sich all die anderen beliebig zurecht kneten wollen. Was hier als moralisch hochwertig herkommt, ist in Wirklichkeit Ausdruck einer Verachtung für den anderen als Individuum.

Aber diese Moralisten sind zugleich auch Utopisten. Spätestens seit den 68ern leben wir nämlich wieder in einem utopischen Zeitalter. Die Utopisten wähnen sich im Besitz der Wahrheit und damit auch der moralischen Verpflichtung zur Beseitigung allen Übels der Welt. Mit der felsenfesten Überzeugung, dass die Wahrheit – ihre Wahrheit -, wenn sie nur laut und oft genug verkündet wird, alle Menschen sofort oder zumindest schnell überzeugt, machen sich diese Überbringer der besten Botschaft von allen zunächst auf ihre missionarischen Friedensmärsche. Dass seine Wahrheit „alternativlos“ ist, daran hat der bunte Weltverbesserer keinerlei Zweifel.
Führen seine Bemühungen überraschenderweise nicht flott zum Ziel, so liegt die Schuld allweil bei denen, die so verstockt sind, dass sie sich dieser Wahrheit gegenüber verschließen. Dann sind all jene, die den Träumern nicht folgen eben reaktionär/rechts/rückständig/nazi/AfD, mit einem Wort: böse. Wer sonst kann sich dem absolut Guten nur verschließen! Der steht auf dem Weg ins sozialistische Paradies nur im Weg – weg mit ihm! Der Menschheitsfeind darf dann im Namen des Guten natürlich beseitigt und seinesgleichen mit Stiel und Stumpf gleich mit ausgerottet werden. Bis es soweit ist, kämpfen die gemäßigten Meinungstalibane derweil für die Abschaffung der bösen Meinungsfreiheit; das Ziel – die Beglückung der Menschheit – heiligt schließlich alle Mittel.
Die Etappensiege auf dem Langen Marsch ins Paradies hießen Sowjetunion, Ostblock, China, die Frontleute: Mao, Stalin, Lenin, Pol Pot, Che, und wie die Menschenschlächter alle heißen. Das Ziel – das Glück aller Menschen auf Erden – erreichte keiner von ihnen. Und scheitert ihr Traum am Ende – und das tut er immer! -, dann steht bombenfest, dass nicht er, der Gute, am Scheitern der Utopie schuld ist, sondern immer die anderen. Beschämend und verstörend war es damals, feststellen zu müssen, dass sich bei den unzähligen Protestmärschen und Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg, die es im Westen gab, kaum jemand für die Opfer des verbrecherischen kommunistischen Regimes interessiert hat – und das aus nur einem einzigen belanglosen Grund: weil es nicht ins Weltbild passte.
Die Welt der Utopisten und Moralisten ist und bleibt immer ein Traum. Und der Traum – leicht, phantasievoll, fliegend, alternativ, anti, spontan, anarchisch, multikultibunt – wie jeder andere auch, endet mit dem Aufwachen. Aus dem kunterbunten Traum wird immer eine graue Realität. Und aus all den bunten Che Guevaras, Sandinistas, Chávez, Spontis, Alternativen, Revolutionären und allen sonstigen “bunten Gestalten”, die die linke Ideologie immer wieder irgendwo hervorbringt, solange sie nicht den Beweis für ihre Richtigkeit bringen muß, wird mit schöner Regelmäßigkeit eine graue Riege von vernagelten Funktionären und betonköpfigen Apparatschiks, die über eine ebenso graue, mental und spirituell ausgehungerte, sowie materiell verarmte, und insgesamt ungemütlich enge Welt herrschen wollen. Aus “bunt” wird immer rasant schnell grau – und das immer und immer wieder, bis, ja bis vielleicht die Menschen es irgendwann lernen werden.
But – um Pete Seegers zu paraphrasieren – will they ever learn? Die Chancen dafür stehen schlecht, und werden derzeit ständig mickriger. Der Ideologe ist per se unbelehrbar, denn ohne sein lavaartig erstarrtes Weltbild ist er nicht fähig, die Realität objektiv wahrzunehmen. Seine Ideologie ist die Brille, ohne die er völlig blind dastünde und seinen Weg durchs Leben zu gehen nicht imstande wäre. Seine Dogmen rechtfertigen auch seine Unverantwortlichkeit dem Leben, anderen Menschen und der Welt gegenüber. Sie gestatten ihm auch, die Fiktion seiner Überlegenheit aufrecht zu halten, ohne sie auf die Probe stellen zu müssen. Denn – wie er die Wirklichkeit auch dreht und wendet – die Schuld liegt immer in der Feindseligkeit oder zumindest der Dummheit der Anderen.
Der in Ideologien verfangene Aktivist ist nicht imstande, sein vernageltes Bezugssystem zu verlassen und nach Lösungen in einem neuen Ordnungsrahmen zu suchen. Er bleibt ein Gefangener in seiner Eigenwelt. Die Kritiker da draußen seien entweder Dumme, mit ihren „diffusen Ängsten und Sorgen“ oder noch lieber direkt Nazis. Unbegründet seien ihre Ansichten in jedem Fall, und ihre Kritik „nicht hilfreich“. Da draußen sind jedoch sie diejenigen, die einzig auf Grundlage einer diffusen Gefühligkeit, angereichert mit hochdosierter Pseudo-Moral und festgezurrt mit Politischer Korrektheit argumentieren. Dass die „bösen Rechten“ mit drögen Zahlen, Namen und anderen Fakten kommen, beweise nur noch einmal, wie kalt, unbarmherzig und unchristlich, ja unmenschlich diese doch seien, und in ihren Herzen nichts als Hass und Ressentiments herrschen. Moral braucht keine Fakten. Basta!
Gefangen in seiner bunten Traumwelt freut sich der selbsternannte Elitemensch, dass unser Land, ja unser Kontinent mit all den alten, weißen, überprivilegierten Männern sich mithilfe der vielen „Flüchtlinge“ endlich zu etwas besserem „drastisch“ verändert. Endlich besteht eine reale Chance, die autoritäre Natur die bekanntlich immer schnurgerade nach Auschwitz führt, ein für allemal zu töten, respektive mithilfe der jungen Araber und Afrikaner genetisch zu verändern. In seinem Missionseifer übersieht der Moralist, dass diese „Südländer“ nichts anderes kennen als autoritäres Gehabe, Rassismus, Hass, Intoleranz, – und nichts darauf hindeutet, dass sie bereit sind, davon abzulassen. Er ignoriert auch, dass die Mehrheit hier im Land eigentlich ganz gut findet, wie es ist, dass man diese Art der Veränderung in immer mehr Teilen der Bevölkerung angesichts steigender Zahlen von Gewalt- und Sexualdelikten nicht wirklich als Bereicherung empfindet. Aber so einfach, durch die schnöde Realität, lässt er sich seine moralische Überlegenheit ja nicht wegnehmen. Das wäre ja noch schöner.
Living is easy with eyes closed, haben schon die Beatles gesungen. Würde der linke Moralist nämlich seine Augen aufmachen, dann müsste er feststellen, dass gerade islamische Gesellschaften wahre Wundertüten aus Antisemitismus, Diskriminierung, Homophobie, Intoleranz, Fundamentalismus, Sexismus, Patriarchat, Gewaltverherrlichung, autoritärer Erziehung und so weiter sind. Darum weigert er sich, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Und kommt er mal nicht umhin, den Islam mal zu kritisieren, dann tut er das nicht ohne eine maßlose Denunziation noch verbliebener konservativer Werte und Strukturen in unserer eigenen Gesellschaft. Genauso gut könnte er auf tote Hunde einprügeln.

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