Willanders – Rechts vor Links

4. Dezember 2013

Trennung ist das erste Gebot des Feminismus

Filed under: feminismus,frauen,männerdiskriminierung — willanders @ 10:11
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Ein geniales Interview mit Bernhard Lassahn auf Blaue Narzisse. Bin schon gespannt auf den zweiten Teil.

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Einst schrieb er Geschichten für Käpt’n Blaubär. Heute ist Bernhard Lassahn Feminismuskritiker. BN-​Autor André Rebenow sprach mit ihm über die Beweggründe seines publizistischen Kampfes.

Blaue​Narzisse​.de: Seit wann sind Sie Kinderbuchautor?

Bernhard Lassahn: Kinderautor – ohne Buch – war ich schon mit acht Jahren. Zum Kinderbuch bin ich erst durch ein eigenes Kind gekommen, das 1988 geboren wurde. In der Zeit der Schwangerschaft meiner damaligen Frau fing ich an, die fabelhaften Geschichten für das Große Buch der kleinen Tiere zu schreiben, die natürlich in Wirklichkeit von kleinen Menschen handeln und vorweggenommen haben, dass es bald einen kleinen Menschen mehr geben wird. Bei der Gelegenheit bin ich auch wieder in die eigene Kindheit zurückgereist.

Wie viele Bücher haben Sie geschrieben? Welches waren die größten Erfolge?

Die Menge ist nicht unbedingt ein Zeichen für Qualität – manchmal sogar eher nicht. Und Erfolge können sehr unterschiedlich ausfallen. Meine frühen Bücher Du hast noch 1 Jahr Garantie und Land mit lila Kühen waren schon gewisse Szene-​Erfolge, die auch über die Szene hinausragten, aber nicht ins „Offene“ getreten sind und das ganz großes Publikum erreicht haben. Der Tatsachenroman Auf dem schwarzen Schiff, das als „Animal Farm der Friedensbewegung“ bezeichnet wurde, ist womöglich das wichtigste Buch von mir. Besonders gern mag ich (sozusagen meine größten gefühlten Erfolge für mich selbst) Zuckerhut und Flitzebogen und von den Kinderbüchern das erwähnte Buch der kleinen Tiere und Der Schatz der Bananenbieger – auch wenn sich andere Titel besser verkauft haben. Es gibt obendrein Sachbücher und neuerdings die beiden Streitschriften – oder sollte man eher sagen: Denkschriften – Frau ohne Welt und Die Ehe stirbt an vergiftetem Obstsalat und die Kinder bringt der Klapperstorch.

Wie kamen Sie zu den Käpt’n-Blaubär-Geschichten?

Ich kannte Walter Moers, der mit Gutenachtgeschichten für das Sandmännchen die Figur von Käpt’n Blaubär in Fahrt gebracht hatte, weil wir beide für die Satirezeitschrift Kowalski schrieben (wir haben es sogar zu einem gemeinsamen Buch – wenn auch unter Pseudonym – gebracht). Außerdem war ich nun als Kinderbuchautor eingeführt. So wurde ich von der Sendung mit der Maus angeheuert, um zusammen mit einem dritten Mann, Rolf Silber, an einer Serie für das Fernsehen zu schreiben, die den Käpt’n, Hein Blöd und die drei kleinen Bärchen berühmt gemacht haben.

Können Sie in einigen Stichpunkten umreißen, welche Themen Sie in Ihren Kinderbüchern verarbeiten? Welche Ideen und Werte vermitteln Sie in den Kinderbüchern?

Ich habe eine Tochter. Vermutlich ist das der Grund, weshalb bei mir die Mädchenfiguren besonders gut wegkommen. Sie sind die eigentlichen Helden, die heimlichen Strippenzieher, wie beim Kleinen Pirat Riesenbart – oder sie treten wie im Schatz der Bananenbieger im gemischten Doppel als Bruder und Schwester auf.

Die Blaubär-​Geschichten kann man leicht zuordnen: Wenn viel gegessen wird, dann gehen sie wahrscheinlich auf Walter Moers zurück. Geschichten mit ausführlicher Rahmenhandlung sind vermutlich von Rolf Silber. Ich wiederum war für die Familienthemen zuständig: Kindergeburtstag, Weihnachtsinsel, Käpt’n Blaubär erfindet die Pommes frites. Es sind nicht nur Seemanns-​, sondern auch Familiengeschichten, aber – das ist das Besondere daran – ohne Papa und Mama. Es gibt nur den Opa und die Enkel. Hein Blöd ist der männliche Trottel. Die Kleinen werden in so einer Szenerie aufgewertet und wissen alles besser.

Ich nicht. Die meisten Geschichten sind sowieso nicht von mir. Ich habe auch selber keinen Überblick mehr über die vielen Nachfolgeerscheinungen. Für das Fernsehen wurden sogar Szenen hinzugenommen, bei der eine echte Frauenfigur (also keine Puppe) dem Käpt’n einen Putzeimer in die Hand drückt, damit er das Deck schrubbt. Nicht etwa weil das auf hoher See so üblich wäre, sondern weil gerade Kinderprogramme einer zwanghaften Feminisierung ausgeliefert sind.

Seit wann sind Sie am Thema Feminismus interessiert und wie sind Sie dazu gekommen?

In den 70er Jahren habe ich in Wohngemeinschaften mit Frauen gelebt, die ich sehr gern mochte und die ganz selbstverständlich mehr oder weniger feministisch gesinnt waren, was mir zunächst sympathisch, wenn auch etwas unheimlich war. Aber eigentlich wussten sie selber nicht, wie ihnen geschieht. Wirrnis gab es allerdings auch an anderen Stellen. Das war eben so im „Dunkel des gelebten Augenblicks“. Ich habe damals Musikveranstaltungen mit politischem Anspruch organisiert – auch welche „nur für Frauen“. Und ich habe mich sogar für ein „Frauen-​Taxi“ engagiert. Allerdings war mir nicht wohl dabei.

Abgeschreckt war ich durch die mindere Qualität – etwa der Frauenlieder, der Frauenbücher aber auch der Argumente, die sich dem Spott und der Kritik entzogen. Man konnte zur Frauenbewegung lediglich eine gönnerhafte oder resignierende Haltung einnehmen. Vielleicht wurde meine Gutwilligkeit auch deshalb so sehr strapaziert, weil ich besonders nah dran war. Schließlich konnte ich über die schrillen Falschheiten nicht mehr so leicht hinwegsehen, wie andere das konnten.

Das gilt besonders für das Kokettieren mit Methoden, die an den Faschismus erinnern, wie man sie etwa an dem Millionenerfolg Tod des Märchenprinzen (feministische Kampfschrift von Svende Merian; Anm. d. Red.) erkennen kann oder an der Drohung, gewaltsam gegen eine Lesung vorzugehen, die ich veranstalten wollte. Da wurde schon früh mutwillig eine rote Linie, wie man heute sagen würde, überschritten. Die Einrichtung von „männerfreien Zonen“, von „Schutzräumen“, insbesondere die Eröffnung eines Frauenbuchladens, bei dem ich aufgrund meines Geschlechtes ausgesperrt werde, erschien mir als kleiner Zivilisationsbruch, als vorsätzliches Verbrennen von Brücken zwischen den Geschlechtern und als Angriff auf das Ideal der Freiheit und dem Willen zur Kommunikation, der mit dem Wert des Buches und dem Traum vom Schreiben verbunden ist.

Auch den immer wieder versuchten Eingriff in die Sprache sah ich als übergriffige, überflüssige und böswillige Zerstörung von einem Kulturgut, das wir alle brauchen. Für mich war es ein Schlüsselerlebnis, dass bei einer Anthologie das „Autorenverzeichnis“ in „Autorinnen und Autoren“ umbenannt wurde. Das mag als Kleinigkeit erscheinen, als nicht wert, sich dagegen aufzulehnen. Aber wenn es nur eine Kleinigkeit ist: warum bestehen Frauen darauf? Sie betonen damit die Trennung der Geschlechter, auch da, wo sie nicht besteht. So wurde an vielen, vielen, vielen Stellen ein kleiner Tropfen einer zersetzenden Säure eingeträufelt. Wenn man an die Wirkung von Sprache glaubt, dann muss man auch annehmen, dass die Dauerberieselung durch Trennungs-​Propaganda unser Denken beeinflusst.

Trennung ist das erste Gebot des Feminismus – nicht nur eine vorläufige, sondern eine grundsätzliche. Damit ist ein großes Nein zu jeder Form von Gemeinsamkeit in die Welt gesetzt, eine Absage an die Liebe – und an die Zukunft. So kommt auch der Eindruck zustande, dass beim Feminismus „immer alles so negativ“ ist, da gibt es nur „Nein“, kein „Ja“. Und wenn schon: Das Ja-​Wort einer Frau hat keine Gültigkeit mehr. Sie kann einen einvernehmlichen Sex nachträglich als Vergewaltigung hinstellen und bei einer profitablen Scheidung so tun, als hätte sie schon beim Ja-​Wort auf dem Standesamt die Finger hinter dem Rücken gekreuzt. So hat sich die Stimmung im Lande geändert. Das ist nun Normalität.

Man findet heute oft den Gedanken, daß der Feminismus im Ursprung Positives bewirken wollte, daß der Kampf der Frauen für eine Gleichberechtigung notwendig gewesen sei. Betrachten Sie den Feminismus als ein Einzelphänomen, ein Merkmal der heutigen Zeit, in der ein ursprünglich positiver Grundgedanke „aus dem Ruder“ gelaufen ist?

Nichts da. Der Feminismus ist der quietschende Ton in einem Konzert, das sowieso auf dem Spielplan stand. Da gab es nichts Notwendiges und nichts Neues. Der Feminismus hat nichts Gutes, das es nicht auch an anderer Stelle gegeben hätte. Das Eigene wiederum, das der Feminismus hat, ist nicht gut. Was sind denn die besonderen Kennzeichen? Jeder verabscheut Gewalt und Unrecht. Es ist nicht so, dass wir erst feministische Stimmen gebraucht hätten, damit uns die „Gleichberechtigung“ (die sowieso nicht das Anliegen des Feminismus ist und die es auch längst gibt) schmackhaft gemacht werden müsste. Von feministischer Seite wurde kein „notwendiger Kampf“ für „Gleichberechtigung“ geführt. Im Gegenteil. Der Feminismus zerstört mit seiner Gleichstellungspolitik die Gleichberechtigung. Vielen ist der Feminismus heute sogar peinlich: Es ist unanständig, sich als Kämpfer für etwas „Positives“ hinzustellen und dabei so zu tun, als wären alle anderen dagegen. Genauso unanständig ist es, sich mit fremden Leiden zu schmücken, um für sich Vorteile herauszuschlagen.

Die Übel des Feminismus, den man heute beim richtigen Namen nennt und als „Verdammungs-​Feminismus“ oder „Schwarz-​Weiß-​Feminismus“ bezeichnet, haben eine enorme Breitenwirkung erzielt. Diese Übel waren indes schon in den Anfängen erkennbar: totale Vereinfachung („die“ Frauen, „die“ Männer), Bestrafung von Unschuldigen, Falschbeschuldigung, Unterstellung von Feindseligkeit und wesenhafter Boshaftigkeit, Korruption, Vorteilsnahme, Maßlosigkeit, Manipulation, Geschichtsfälschung, Zerstörung von Demokratie, Sprache, Kultur und Familie, usw.

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