Willanders – Rechts vor Links

27. April 2013

Eine schrecklich nette Familie

Eine andere Frage, die den Westen seit Jahrzehnten beschäftigt und von keinem der Lautsprecher in den westlichen Medien und in der Politik bislang beantwortet wurde, hat heute eine echte Expertin endgültig beantwortet. Noch gestern fragten sich unzählige talking heads in den amerikanischen Medien, warum die beiden Brüder den Bombenanschlag auf zufällig anwesende Marathonzuschauer in Boston verübt hätten. Die berühmt-berüchtigte Frage „WARUM?“, die immer nach solchen und ähnlichen Ereignissen gestellt wird, wurde auch von routiniert ratlos und besorgt dreinblickenden Journalisten, Reportern und Vertretern der verschiedenen Behörden auf CNN gestellt. Heute wurde die Mutter der beiden Massenmördern zu Hause im Bombanistan interviewt. Zuerst meinte sie, dieser Bombenanschlag hätte in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden, das wäre alles Hollywood, das Blut sei nur rote Farbe gewesen, und die angeblichen Toten und Verletzten nur Komparsen. Und das alles sei von der US-Regierung nur inszeniert worden, um die Mohamedaner wieder in Verruf zu bringen. Nachdem sie die zu erwartenden Hasstiraden gegen den Westen rausgekotzt hatte – während ihre mit einem Dreckslappen umhüllte Fratze mit der Zeit immer mehr diabolische Züge annahm – und mal Luft holen musste, preschte der CNN-Reporter mit der Warum-Frage dazwischen. Die Teufelin blickte ihn ratlos aus ihren Eisspray-Augen an und überlegte kurz, ob dieser Gottlose sich einen Scherz erlaube. Dann sammelte sie sich und erklärte stolz in die Kamera blickend, dass sie seit kurzem wahre Mohamedaner seien, sie und ihre Söhne, nachdem „Misha“ sie vor zwei Jahren besucht und den echten Islam erklärt hatte. Sie hätten ihr Leben lang zwar behauptet, sie seien Mohamedaner, wie es sich gehört, gingen auch regelmässig in die Moschee, aber vom wahren Islam hatten sie keine Ahnung gehabt. Erst Misha zeigte ihnen die Stellen im Koran, in denen erklärt wird, wie ein richtiger Moslem sich zu verhalten habe. Er machte ihnen auch deutlich, wie der Islam vom Westen bedroht werde und wie die Mohamedaner von der Ausrottung durch die Christen stünden. Ihre Söhne hätten sich als vorbildliche Mohamedaner erwiesen und nur nach den Anweisungen aus dem Koran gehandelt. Sonst nichts. Wer recht hat, der hat recht. Die Oma der beiden Bestien meinte noch, sie sei sehr glücklich gewesen, als sie festgestellt hat, dass die beiden Jungen nach der Übersiedlung nach Amerika nicht anfingen zu trinken und keine Drogen nahmen. Na dann.

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Das Erbe der 68er: Betreutes Denken

Tschernobyl jährt sich heute wieder. Anlass genug für die Frage nach dem Verbleib der Ideale der 68er. Zu Fragen: Was ist aus diesen Idealen geworden, ist falsch, denn von ihnen ist nichts übrig geblieben. Im Gegenteil: freedom hat sich längst in einen unkündbaren Beamtenjob als Fahrradbeauftragte bei der Stadtverwaltung verwandelt, rock`n`roll verdammt lang her in BAP, Onkel Ho in Jürgen TrittIhn! und die Mao-Bibel in die taz. Die schütter gewordene Mähne wird nun mit vitaminhaltigem Shampoo mit Aloe-Vera-Extrakten gewaschen. Der Sex hat sich rein biologisch erledigt und wird nicht mehr auf dem Küchentisch konsumiert, sondern am Esstisch kompensiert. Wie konnte das alles passieren!

Vielleicht war Tschernobyl eine der Weichen, vielleicht die wichtigste, die eine Rechtfertigung für die Umkehr von allen alten Idealen endlich erlaubte. Nach den unhygienischen Verhältnissen in den schäbigen Kinderläden und später in Woodstock hat der Unfall im ukrainischen AKW den 68ern den Rest gegeben. Der Muff unter den Talaren war nicht der einzige unangenehme Stoff, wie sich nun schockartig herausstellte. Der Revolutionär entdeckte nun in sich nicht nur das innere Kind, sondern auch eine Sehnsucht nach Sauberkeit und Ordnung. Nach Tschernobyl dürfte man als Revolutionär endlich Feierabend machen. Es war in der letzten Zeit schliesslich zu anstrengend geworden, den widerborstigen Arbeitern ihre aussichtlose Lage angesichts der ausbeuterischen Kapitalisten klar zu machen. Statt zuzuhören stiegen die undankbaren Proletarier in ihren Mercedes und fuhren auf dem Weg in ihr Eigenheim noch an der Getränkehalle vorbei und luden das Auto mit Bier und Kartoffelchips voll für den Fussballabend auf dem heimischen Sofa. Nee, so ging das nicht weiter. Was anderes musste her. (more…)

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