Willanders – Rechts vor Links

8. Mai 2010

Es war einmal… der Kontinent der Affen

Filed under: eu,freiheit,geschichte,politik,staat — willanders @ 14:44

„Griechenland war der Anfang vom Ende“, der Lehrer hielt inne und sah seine Schüler traurig an. Der matte Schein der einzigen, nackten Sparstrom-Glühbirne im Klassenraum, kämpfte vergebens gegen die kalte Trübheit des nebligen Novembermorgens da draussen. Trotz der grauen Lichtlosigkeit des Klassenraums erkannte er die meisten der ausgemergelten Gesichter der Gymnasiasten, die wie Greise aussahen.

„Ende von was, Herr Funke?“, unterbrach ein Schüler mit zerschlissener Schuluniform leise die Stille. Der in Gedanken versunkene Lehrer reagierte auf die Frage nur zögernd. „Vom Wohlfahrtsstaat… dem sogenannten Wohlfahrtsstaat… von stabilem Wohlstand auf höchstem Niveau und anderen Dingen, die das Leben in Europa der zweiten Hälfte des 20. Jh. so angenehm gemacht haben… Manche behaupten, die Demo…, die sogenannte Demokratie mit all ihren Freiheiten gehörte auch dazu.“

Der Lehrer geriet jetzt in Fahrt. „Stellt euch vor, die Eltern brauchten damals nichts für die Schule ihrer Kinder bezahlen, die war umsonst!“  „Umsonst?“, entfuhr einer mageren Schülerin, die ihre blonden Zöpfe dabei ungläubig schüttelte. „Auch wenn sie krank wurden, wurden sie umsonst behandelt. Genau gesagt, ihre Krankenversicherung hat alle Rechnungen beglichen. Und wenn die Leute keine Arbeit hatten, dann hat eben der Staat all die Rechnungen beglichen.“ Wäre Lehrer Funke durch seine Erinnerungen nicht so aufgewühlt, dann hätte er die vor Staunen weit aufgerissenen Augen seiner Schüler sehen können, die inmitten des allgegenwärtigen Graus glänzten.

„Wie… wie nur konnten all die Sachen einfach so verschwinden? Wie konnte das geschehen?“, enfuhr es einem Schüler, als Herr Funke ein kurze Pause einlegte.

„Tja, wie konnte das geschehen?“, Funke ging drei Schritte zur Seite und blickte dabei abwesend in die Gesichter der Schüler. „Was hat Griechenland zu einem anfangs noch kleinen Defizit von 14 Prozent des BIP gebracht, das dann in der Folgezeit noch gewaltig anwuchs und letztendlich zu dem Staatsbankrott  führte? Und die anderen, die dann folgten: Portugal, Spanien, Irland, Italien, Großbritannien?

Durch den väterlichen Schutz der USA hat Europa nach dem Krieg vergessen für sich zu sorgen, für seine Sicherheit zum Beispiel. Statt dessen wollten die Europäer ein Paradies auf Erden für alle schaffen, und weil sie so viel Mitleid mit allen Armen da draussen hatten, luden sie die Menschen der Welt ein, an dem Fest teilzuhaben. Berauscht von Speis und Trank vergassen sie, irgendwann die Tür zu schliessen oder zumindest den Einlass zur Party zu kontrollieren. Und so kamen sie alle.

Und weil auch sie selber und ihre Gäste krank wurden, wollten sie sich allen die gute Laune durch so was wie Arzrechnungen nicht verderben lassen, und so spendierten sie allen kostenloses Gesundheitssystem, Goldzähne inbegriffen.Und weil man von viel Arbeit zu müde zum Feiern wurde, haben sie ihre Arbeitszeit einfach verkürzt, den Lohn dafür aber nicht – wie soll man ohne Geld feiern? Das geht gar nicht!

Diejenigen die noch arbeiten mussten, wollten aber den auch wieder nicht verlieren – so richtig krachen lassen kann man’s halt nur mit richtig viel Geld – und so begaben sie sich in die Obhut des Papa-Staates, und für die die draussen bleiben mussten, haben sie das Rausschmeissen aus der Firma so gut wie unmöglich gemacht. Und weil man im Alter nicht mehr so lange feiern kann, ohne am nächsten Morgen hundemüde zu sein, haben sie beschlossen, einfach früher mit dem Arbeiten aufzuhören, aber natürlich nicht mit weniger Geld.

Und weil alle sahen, wie gut es den Staatsbediensteten ging, wollten sie alle das gleiche haben. Und so wuchs das Heer der Staatsbediensteten, und wuchs. Gleichzeitig wurden die Menschen, die die Steuer generierten, immer weniger. Obwohl Griechenland sich so etwas am wenigsten leisten konnte, marschierten die Griechen beim diesem Partyumzug vorneweg.

Das Feiern machte so viel Spass, dass sie keine Lust mehr hatten, Kinder zu kriegen und für sie zu sorgen. Dafür hätten sie ihre Party unterbrechen müssen und ihr Spielzeug beiseite legen müssen. Eine Pille rein und schon konnte es weiter gehen. Und wenn man mal die Pille vergessen hatte, kein Problem. Auch die Abtreibung war umsonst. Und das machte so viel Spass, dass jährlich eine Viertel Million Babys getötet wurden.“

Die Miene von Herrn Funke wurde jetzt düster.  „Jetzt aber hörten die Europäer auf, sich zu vermehren. Statt der notwendigen 2,1 Kinder pro Frau, bekamen sie nur noch 1. Auch hier marschierten die Griechen an der Spitze, ihre Geburtenrate lag weit unter der 1, und das mehrere Generationen lang. Kein Wunder: Bei den tollen Stränden, azurblauem Himmel, bei dem Ouzo und Retsina – wer hat da noch Lust zu Hause zu sitzen und Kinder zu hüten. Kann man verstehen.

Ein kleiner Ouzo-Tropfen aber blieb: Die Griechen wurden immer älter. Während sie noch im Jahr 2000 durchschnittlich 38 Jahre alt waren, so waren sie 2050 durchschnittlich 50. Party im Altenheim kann aber auch Spass machen.

Wäre Griechenland eine Firma, dann wäre sie pleite gewesen. Aber es war ein Land. Und so legten die anderen Regierungen das Geld ihrer Bürger zusammen – im ersten Rettungsversuch insgesamt über 100 Mrd. der damaligen Währung Euro.“

„Warum taten sie das?“, fragte das blonde Mädchen in der ersten Reihe wieder.

„Weil die Griechen weiter gefeiert haben, statt zu sparen und ihre Schulden zurück zu zahlen. Es drohte der Verlust aller  ausländischen Gelder in Griechenland. Dann hätten all die europäischen Banken ihre Milliarden verloren, die sie in griechische Anleihen gesteckt hatten. Und weil kein normaler Mensch von den Griechen erwarten konnte, dass sie ihre Schulden zahlen, flossen die Hilfen dorthin sehr schnell. Die Griechen waren nämlich schon bei der kleinsten Bitte der Europäer – bitte, bitte, spart ein wenig, zahlt ein bisschen, wenigstens etwas zurück! – ganz schön böse geworden, und haben zum Beispiel Bankangestellte lebendig verbrannt.“

Der Lehrer schien ausser Puste zu sein, aber einmal in Fahrt gekommen, wollte er die ganze Geschicht zu Ende erzählen. „Und hätten die anderen in Europa gesehen, dass ihr Geld in Griechenland einfach so verbrannt wurde, hätten sie ihr Geld von den anderen Schwächlingen – Portugal, Spanien… s.o. – zurückgefordert. Und das hätte diese Länder schnell zu Fall gebracht, und in einer Dominoreaktion all die anderen Länder auch. Und statt auch hier Bürgerkrieg zu riskieren, haben die anderen hier geholfen.

Und so hatte die damalige deutsche Kanzlerin recht, als sie sagte: ‚Davon hängt das Schicksal Europas ab‘. Und sie sagte, zu so einer Hilfe gäbe es keine Alternative. Aber die gab es, beispielsweise einen Staatsbankrott. Warum auch nicht. Den Gläubigern Griechenlands wäre es ähnlich ergangen, wie allen anderen Gläubigern weltweit auch, zum Beispiel denen von Lehman Brothers kurze Zeit zuvor.

Nun ja, die Griechen waren auch nach mehrmaliger Hilfe immer noch nicht bereit, das Feiern einzuschränken und länger zu arbeiten, später in Rente zu gehen und kleinere Renten zu akzeptieren – und so ihre Schulden den ausländischen Freunden zurück zu zahlen.

Wie bei einer Rattenplage –  man kann eine Ratte wegjagen, aber die kommt wieder und bringt noch ein paar Freunde mit – kamen weitere Krisen hinterher, und die wurden noch heftiger. Weil die Griechen und die anderen weiter gefeiert hatten, krochen die ausländischen Freunde irgendwann selbst auf dem Zahnfleisch, mit ihren eigenen älternden und kinderlosen Partygästen. Weil die Griechen sich weigerten zu sparen, mussten die anderen eben Lehrer in ihren Ländern entlassen, die Schwerverbrecher aber auch (die Gefängnisplatze wurden unbezahlbar), und sie haben die Pensionen und Gehälter der eigenen Leute gekürzt. “

Der Lehrer setzte sich und machte eine längere Pause. In seinem viel zu grossen grauen Anzug machte er einen leeren Eindruck.

„Ja, und so ging die Party in Europa zu Ende. Zuerst in den anderen Ländern, zum Schluss in Griechenland, als die ausländischen Freunde kein Geld mehr schickten. Der… sogenannte Wohlfahrtsstaat wurde unfinanzierbar, der vermeintliche Wohlstand ging zu Ende in all seinen angenehmen Erscheinungsformen. Die selben Demokratien, die weltweit Applaus gesammelt hatten in Zeiten, in denen sie scheinbar mühelos jeden Wunsch ihrer Bürger erfüllen konnten, die selben Demokratien konnten nun den Unmut ihrer Völker über die schmerzlichen Einschränkungen nicht mehr eindämmen…“

Funke sprang plötzlich auf, seine Stimme überschlug sich nun fast. “ Und weil die Menschen sich dann sehr unvernünftig verhalten haben, musste unsere geliebte EU-Räteregierung die notwendigen Massnahmen ergreifen, um die öffentliche Ordnung wiederherzustellen.“

Zum bleiernen Schweigen der Schüler lieferte jetzt das Trommeln des Regens auf die Fensterbänke die passende Musik.

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3 Kommentare »

  1. Bravo!

    Kommentar von vallartina — 20. Mai 2010 @ 09:23 | Antwort

  2. ZDS-Interview mit Dr. Werner Ratnikow bei Bewusst.tv

    Der Pressesprecher des Zentralrats deutscher Staatsbürger Dr. Werner Ratnikow spricht mit Jo Conrad über juristische Fragen der BRD.
    http://bewusst.tv/themen/thema4-politik/104-zdsr.html

    Informiert Euch, Bürger!
    http://www.zds-dzfmr.de

    Wir wurden zulange: VerKOHLt, durchgeSCHRÖDERt und bis zum Letzten ausgeMERKELt.

    Kommentar von Dieterle — 12. Mai 2010 @ 17:06 | Antwort

  3. Interessanter Artikel. Und genauso wird es wohl kommen….

    Kommentar von Ralf Kunter — 10. Mai 2010 @ 14:27 | Antwort


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