Willanders – Rechts vor Links

21. Januar 2010

Verrückt!

Filed under: islam,kultur,terror — willanders @ 16:40
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Früher war Kultur, wenn man aus einem abgesägten menschlichen Schädel eine Blumenvase machte und Zivilisation, wenn man dafür ins Gefängnis kam. Heute ist Zivilisation, wenn man für einen Mord im Gefängnis landet, und Kultur – wenn man mit dem Schädel dicke Kohle macht.

In der kommenden Woche wird der Journalistenkiller und Papst-Fast-Mörder Ali Agca nach fast 30 Jahren aus der Haft entlassen. Erst einmal will er in Urlaub fahren, erst danach will er sich die vielen lukrativen Film- und Buchangebote aus aller Welt durch den Kopf gehen lassen. Zwischendurch schneit er beim Benedikt in Rom rein und wird dem Papst bei der Gelegenheit das „perfekte Christentum“ erklären. Die Dreifaltigkeit widerlegt, den baldigen Weltuntergang angekündigt und sich selbst zum Messias ernannt – das alles hat er schon.

Fast 30 Jahre nach seinen Schüssen auf Papst Johannes Paul II. ist Agca auf dem Weg vom Mörder zum Medienstar. Für ein Interview hat Agca zwei Millionen Dollar gefordert, für einen Buchvertrag über zwei Werke will er ein Honorar von fünf Millionen Dollar. Wofür auch immer, einen Geldregen wird es für ihn geben. Und je dicker die Geldbündel, desto bizarrer werden seine „Enthüllungen” ausfallen. Das ist sicher wie das Amen in der Kirche.

Wir, das Millionenpublikum, werden dafür sorgen, dass Bücher und Filme von und mit dem Mörder hohe Gewinne abwerfen werden und dieser Terrorist schon bald ein Luxusleben führen kann.

Agca ist ein perfekter Held unserer Zeit, ein Held nach Maß. Die Faszination, die von Verbrechern ausgeht, ist allerdings nichts neues. In früheren Zeiten verehrte das gemeine Volk allerdings Helden, die für Ideale eintraten. David wird für die Tötung Goliaths bis heute als Held verehrt; Robin Hood, der Räuberhauptmann im mittelalterlichen England, für seine frühkommunistische Umverteilungspolitik, die heutigen Erben Robin Hoods heissen Merkel, Brown und Obama, und diese werden von Millionen Menschen immerhin gewählt. Im 20. Jahrhundert konnten sich Massenmörder wie Mao Zedong oder Ernesto Guevara den Mantel des Volksbefreiers umhängen, deren Konterfei heute etliche Kleidungsstücke der jungen Leute im Westen ziert.

Im späteren 20. Jahrhundert, das am Popularitätssyndrom erkrankte, mussten die Verbrecher nicht mehr so tun als ob sie für irgendwelche Ideale kämpfen. Viele der Serienmörder gaben zu Protokoll, ihre Morde wegen der Publicity begangen zu haben, um es auf die Titelseiten der bunten Medien zu schaffen. Irgendwann verlor die Öffentlichkeit allerdings ihr Interesse an den vielen Haarmanns, Theodore Robert Bundys, Charles Cullens, Jeffrey Lionel Dahmers, Richard Kuklinskis und ihren Kollegen.

Und dann kam Ali Agca, der Papstattentäter. Ob Terrorist, ob Auftragskiller, ob „nur” Verrückter – lässt sich heute nicht sagen. Wir alle erinnern uns an sein Treffen im Gefängnis mit Johannes Paul II, bei dem der Papst ihm vergab. Dies hat allerdings, was im Medienrumel unterging, den türkischen Mohammedaner zu keinerlei Reue oder auch nur Bedauern veranlasst. Im Gegensatz zu manchen Medienberichten handelt es sich bei Agca nicht um einen „bekehrten Sünder”. In Wirklichkeit ist er ein zynischer Manipulator, der aus Angst um sein Leben den weltberühmten Verrückten mimt. Diese angebliche Verrücktheit ist nichts als eine Marketingmasche im Dienste seiner Geschäftemacherei.

Einen einigermassen normalen Zeitgenossen verwundert allerdings die Zuneigung, die solche Verbrecher geniessen. Wie der belgische pädophile Vergewaltiger und Mörder Marc Dutroux und viele andere Mörder und andere Schwerverbrecher wurde auch Agca von Liebesbriefen seiner Verehrerinnen im Gefängnis überhäuft. Noch mehr allerdings verwundert die Haltung der Medien, die für den Agca-Irrsinn Millionen ausgeben wollen. Niemand, der bei Trost ist, wird erwarten, dass der Türke das Bedürfnis verspürt, sein Gewissen zu erleichtern und plötzlich anfängt, die volle Wahrheit zu sagen. Wer ist hier nicht bei Trost?

Indes kommt seine Marketingmaschine auf Touren. „Echte” Autobiografien und andere Bücher, Interviews, Talkshows, Filme sind angekündigt – für alles winken dicke Geldbündel. Der Mensch, der einen Journalisten auf dem Gewissen hat und der auf den Papst geschossen hat, wird zur Celebrity wie Paris Hilton. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er bei stern-tv mit Günter Jauch locker plaudert,  bei „Wetten dass“ mit Thomas Gottschalk Händchen hält und gemeinsam mit Reinhold Beckmann über die unglückliche Kindheit weint – stets sein neuestes Buch in die Kamera haltend.

Der grosse polnische Aphoristiker Stanislaw Jerzy Lec schrieb in seinen Neuen Unfrisierten Gedanken: „Die Welt ist gar nicht verrückt: nur ungeeignet für normale (…) Menschen“. Im Umkehrschluss muss sie dann wohl für Nichtnormale Menschen geeignet sein. Und für Verrückte muss sie dann ein Paradies sein.

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