Willanders – Rechts vor Links

14. Januar 2010

Öko-Bewegung: Gesinnungsterror und Erziehungsdiktatur

Filed under: umwelt — willanders @ 11:52
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Auf Achgut hat Vince Ebert diese witzige Polemik veröffentlicht:

Rettet die Pocken!

Die Vereinten Nationen haben 2010 zum “Internationalen Jahr der Artenvielfalt” erklärt. Eine schöne Idee. Denn wir müssen alles Menschenmögliche tun, um unsere Natur zu erhalten. Natürlich nicht die Natur in Form von Krätzmilben oder Hakenwürmern. Eher so von Eisbären oder Robben. „Die müssen unbedingt geschützt werden“ „Was aber ist, wenn ein Eisbär eine Robbe jagt?“ Da stutzt der Artenschützer und antwortet: „Jaaa, aber der Eisbär meint das ja nicht so.
Viele sind überzeugt: „Wenn wir nicht entschlossen handeln, werden wir unseren Enkeln eine sehr viel ärmere Welt hinterlassen.“ Wie viel davon ist wissenschaftlich erwiesen und wie viel ist reine Heuchelei? Tatsache ist: Niemand weiß genau, wie viele Tier- und Pflanzenarten es auf der Erde gibt. Schätzungen gehen davon aus, dass 95 Prozent noch gar nicht entdeckt sind. 99 Prozent der Spezies, die jemals auf diesem Planeten gelebt haben, sind inzwischen wieder verschwunden. Zum Beispiel die Dinosaurier. Vor 65 Millionen Jahren schlug ein Meteorit im Einklang mit der Natur auf der Erde ein. Dummerweise genau zu dem Zeitpunkt, als alle Tiere ganz dicht beieinander standen.
Wir verlieren Tierarten schneller als Autoschlüssel, Regenschirme oder Ohrclips. Aber ist uns das wirklich so unangenehm? Sind wir unglücklicher, weil es keinen Tyrannosaurus Rex oder keinen Säbelzahntiger mehr gibt? Gilt eine Tierart, die besonders selten ist, wirklich als schützenswert? Und warum kann ich mich dann an keine einzige Aktion wie etwa „Rettet die Pocken“ erinnern?

Auch Bakterien sind immens wichtig, haben aber meines Wissens keinerlei Lobby. Ohne sie gäbe es kein Bier, kein Brot und keine Verdauung. Außerdem sind Bakterien die einzige Kultur, die viele Menschen haben.
Offenbar gilt die Sache mit dem Artenschutz immer nur dann, wenn sie uns in den Kram passt. Zum Beispiel möchten wir gerne norwegischen und japanischen Fischern verbieten, Wale zu schlachten. Nicht unbedingt deswegen, weil Wale selten sind, sondern, weil wir sie aus irgendeinem Grund als „heilig“ erachten. Was aber wäre, wenn uns die Inder aus dem gleichen Grund verbieten würden, Rinder umzubringen? Immerhin hat Indien als Atommacht ein paar sehr gute Argumente.
Fraglos haben wir der Natur eine Menge zu verdanken. Im Amazonasdelta gibt es eine Schlangenart, deren Gift eine blutdrucksenkende Wirkung hat. 5 mg davon und der Blutdruck ist weg.
Auch Termiten sind nicht so ganz ohne. Man schätzt, dass etwa 200 Billionen dieser kleinen Nager durch ihre Fürze für 30 Prozent der gesamten treibhausschädigenden Methanproduktion verantwortlich sind. Deswegen stehen Termiten auch nicht im Washingtoner Artenschutzabkommen. Ich habe nachgeguckt. Nur Eisvögel, Großtrappen und Meeresschildkröten. Und natürlich der Pandabär. Ein eingebildeter kleiner Schnösel, der ganz bewusst seine Fortpflanzung eingestellt hat, weil er seine Topposition auf der Roten Liste nicht gefährden will.
Noch vor gar nicht so langer Zeit war Ökologie eine echte Wissenschaft. Ein Teilgebiet der Biologie, das sich der Erforschung der Wechselbeziehungen zwischen Organismen untereinander und mit ihrer Umwelt widmete. Heute ist sie zu einer ideologischen Grundhaltung verkommen, die mit Wissenschaft so viel zu tun hat, wie die Jungfrauengeburt mit Gynäkologie. Weil das Christentum aus der Mode gekommen ist, beschäftigt man sich lieber mit der Rettung von Lurchen und Pandas, der Luft und des Bodens – eben unserem ganzen Planeten. Dieses Ziel ist begrüßenswert und durchaus ehrenwert, wenn es nur halbwegs durchdacht wäre. Bei vielen Umweltschützern jedoch habe ich den leisen Verdacht, ihnen ist es wichtiger, dass Umweltprobleme böse sind, als dass sie reduziert werden. Die kindische Verehrung der Natur erlaubt es ihnen, sich selbst als etwas Besseres zu fühlen als Leute, die einfach nur sagen, dass ein Ölfilm auf dem Wasser Seevögeln nicht besonders guttut.
Das alles wäre ja noch recht lustig, wenn Umweltaktivisten inzwischen nicht so soviel Macht besäßen. Trotz weltweiter Milliardenumsätze sind diese Organisationen selten Gegenstand von Gesetzen, die für Transparenz, Auskunftspflicht, wahrheitswidrige Werbung und Haftung gewinnorientierter Gesellschaften gelten. Da sie in der Regel gemeinnützige Vereine sind, gelten für sie weder die ethischen Standards noch die Gesetze nach denen sich gewinnorientierte Firmen zu richten haben. Während Konzerne verpflichtet sind, Informationen über Vorstandgehälter, interne Geschäfte mit Mitgliedern oder des Aufsichtsrates ihren Aktionären und Behörden vorzulegen, müssen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) dies nicht tun. Und das, obwohl ihre ethische Leistungsbilanz ganz anders aussieht. Im Dezember 2008 veröffentlichte der SPIEGEL eine Studie nach der fast die Hälfte aller EU-Betrugsermittlungen den Kreis der NGOs betreffen. Darunter über 100 Fälle von eindeutigem kriminellem Verhalten. Diejenigen, die am lautstärksten moralisches Verhalten fordern, verhalten sich anscheinend am miesesten.
Gleichzeitig zweifelt kaum jemand an der grundsätzlichen Redlichkeit der Ökobewegung. Menschen, die keinem Großkonzern über den Weg trauen, glauben ungefragt und ohne irgendeinen Einwand alles, sofern es nur von Robin Wood, Greenpeace, Friends of the Earth oder dem BUND Naturschutz kommt. Wenn einer ihrer Pressesprecher morgen verkünden würde: „Die Erde ist eine Scheibe!“ würden viele nicht mehr zur Arbeit fahren, aus Angst hinter der Ortsgrenze über die Kante zu rutschen.
Natürlich sind keineswegs alle Maßnahmen von Umweltverbänden effekthascherisch, kriminell oder ineffektiv. Und natürlich können selbst die sinnvollsten Umweltschutzprogramme versagen. Das ist allein noch keine Schande. Im Leben versagen viele Dinge, wie jeder weiß, der über vierzig ist und Körperteile hat. Doch das permanente Appellieren der Ökobewegung an das gute Gewissen ist Quatsch, weil es sich eben oft viel mehr auszahlt, sich unmoralisch zu verhalten. Deswegen wäre der Sache wesentlich mehr gedient, wenn es gelänge, dass Umweltschutz keine moralische Frage mehr ist, sondern nach einem marktwirtschaftlichen Anreizsystem funktioniert. Statt die Überfischung der Nordsee anzuprangern, wäre es viel sinnvoller, der Fischhauskette Nordsee die gesamte Nordsee zu verpachten. Der Konzern würde dann automatisch darauf achten, dass sich dort die Fischbestände erholen, weil es langfristig unrentabel wäre, sich seiner Existenzgrundlange zu entledigen.
Indem Umweltschützer unsere Natur als unschätzbar darstellen, berauben sie sie ihres Preises. Aber jeder halbwegs fundierte Ökonom kann ihnen erklären, was zu erwarten ist, wenn der Preis eines seltenen oder wertvollen Rohstoffs mit „Null“ angegeben wird. Was nix kostet, ist nix wert.
Die Parolen der Ökoszene, es existiere etwas höheres, übermenschlich Gutes, das man zu schützen hat, ist daher nichts weiter als ein Vorwand. In Wirklichkeit geht es um die Vorherrschaft einiger „wissender“ Auserwählter über den Rest der Welt, um die Durchsetzung einer einzig wahren Weltanschauung – nämlich der ihren. Das heißt, es geht schlicht und einfach um Macht.
Der zwanghafte Versuch in der Natur Orientierung zu finden ist das Symptom einer fundamentalen Orientierungslosigkeit, die man mit Frömmelei und Scheinheiligkeit zu kaschieren sucht. Herausgekommen ist eine Mischung aus Gesinnungsterror und Erziehungsdiktatur. Früher haben wir Deutsche die rassistische Überlegenheit in Anspruch genommen. Heute haben wir die moralische Überlegenheit für uns entdeckt. Jeder möchte die Welt retten, aber wenn Mutti zum Müll runtertragen ruft, ist keiner da.

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3 Kommentare »

  1. am kommentar von jürgen witz – nomen est omen!!

    Kommentar von ich — 16. April 2010 @ 22:17 | Antwort

  2. da ist so ziemlich alles falsch..

    Kommentar von ich — 16. April 2010 @ 22:16 | Antwort

  3. Polemik = ja/ witzig = nein.
    Heutiges menschenverschuldetes Artensterben um der Gier nach mehr und noch mehr Geld und Macht nachzukommen sollte nicht mit einem Artensterben aus Gründen, die die Menschheit nicht zu vertreten hat im Kontext genannt werden – witzig ist dies schon mal gar nicht.
    Leider wurde Ökologie nie als echte Wissenschaft gesehen – und wenn es so wäre, dann sicher nicht als Teilgebiet der Biologie, wie es so manche Pseudowissenschaftler gerne hätten.
    Rational und lgisch gesehen wäre der umgekehrte Fall richtig, Biologie als Teilbereich der Ökologie.
    Von diesem Irrtum abgesehen ist die „Weltsicht“ des Verfassers weitgehend richtig. Ökologie wird als Begriff für viele Vorkommnisse mißbraucht und es ist für einen normal (un)informierten Menschen fast unmöglich, die Zusammenhänge wahrzunehmen und erkennen.
    Auch hier gilt wie überall, nur wer am lautesten schreit, wird in der Öffentlichkeit und den Medien präsentiert.

    Kommentar von Jürgen Wirtz — 14. Januar 2010 @ 19:54 | Antwort


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