Willanders – Rechts vor Links

9. Dezember 2009

Warum haben die Europäer die moderne Welt geschaffen?

Ich stelle hierher alle vier Teile von Fjordmans  Why Did Europeans Create the Modern World?

Der Originaltext erschien ab 19. 9. 2009 auf Gates of Vienna.  Übersetzung: BeforeDawn und Deep Roots auf Counterjihad

Teil 1

In diesem Essay werde ich die Arbeiten und Theorien Jared Diamonds, vor allem seinen internationalen Bestseller Arm und Reich: Die Schicksale menschlicher Gesellschaften [engl.: Guns, Germs and Steel: The Fates of Human Societies, 1997 ] und, in geringerem Ausmass, sein 2005 erschienenes Buch Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen [engl.: Collapse: How Societies Choose to Fail or Succeed], mit dem Buch Understanding Human History (2005) des amerikanischen Astrophysikers Michael H. Hart vergleichen. Diamonds Arbeit betont in starkem Maße die Wichtigkeit der Geographie, was in einigen Fällen hilfreiche Perspektiven eröffnet, aber nicht in allen. Hart betont die Unterschiede in der Intelligenz verschiedener ethnischer Gruppen und untersucht diese im Licht der Evolutionslehre. Ich werde auch aus den Büchern anderer Autoren zitieren, um die Bedeutung des Rechts, der Religion, des Bildungssystems, des Kapitalismus usw. einzuschätzen.

Hin und wieder stehe ich Diamonds Schriften kritisch gegenüber, besonders seinen verallgemeinernden Schlussfolgerungen, das heißt aber nicht, dass ich glaube, dass alles falsch ist, was er sagt. Er hat recht, wenn er darauf hinweist, dass Umweltzerstörung weit davon entfernt ist, auf die westliche Zivilisation beschränkt zu sein, und er zögert nicht festzustellen, dass viele Gesellschaften in der ganzen Welt brutale Gewalt praktiziert haben.

Wie auch andere mittelamerikanische Zivilisationen hatten die Maya keine Metallwerkzeuge, keine Segelboote, keine Räder und keine Haustiere, die groß genug gewesen wären, Lasten zu tragen oder einen Pflug zu ziehen, sie hatten aber dennoch vor dem sogenannten klassischen Zusammenbruch der Maya-Kultur nach dem Jahr 800 n. Chr., nach vorindustriellen Maßstäben, eindrucksvoll hohe Bevölkerungsdichten. Nachdem die Entzifferung der Maya-Schriftzeichen am Ende des vorigen Jahrhunderts einen entscheidenden Durchbruch erfahren hat, ist jetzt unser Verständnis ihrer Gesellschaft und Kultur weit größer als es noch vor wenigen Generationen war. Diamond führt in seinem Buch Kollaps aus:

„Archäologen haben lange Zeit geglaubt, die alten Maya seien sanfte und friedliche Menschen gewesen. Wir wissen jetzt, dass die Kriegführung der Maya intensiv und dauerhaft war und kein Ende fand, weil begrenzte Nahrungsmittelressourcen und Transportmöglichkeiten es für alle einzelnen Fürstentümer der Maya unmöglich machten, die gesamte Region in einem Reich zusammenzuschließen, in der Art und Weise, wie die Azteken und die Inkas Zentralmexiko, bzw. die Andenregion, vereint haben. Gefangene wurden in sehr unangenehmer Weise der Folter unterzogen, wie es deutlich auf Monumenten und Wandgemälden dargestellt ist (wie z. B. durch das Herausreißen der Finger aus den Gelenkkapseln, durch das Ziehen von Zähnen, das Abtrennen des Unterkiefers, Abschneiden der Lippen und Fingerspitzen, Herausreißen der Fingernägel und Durchbohren der Lippen mit einem Stift) und die (manchmal Jahre später) in der Opferung der Gefangenen in gleichermaßen unangenehmer Weise gipfelte (wie etwa dadurch, dass die Gefangenen zu einer Kugel zusammengeschnürt und dann als Ball die steilen Steintreppen eines Tempels hinuntergerollt wurden).“

Es ist interessant zu bemerken, dass westliche Beobachter häufig nicht-westlichen Kulturen zu viel guten Willen entgegenbringen und gar nicht, wie oft behauptet wird, „eurozentrisch“ urteilen. Als ich jung war, wurde mir einmal gesagt, dass es in keiner Gesellschaft in der frühen Neuzeit regelmäßig praktizierten Kannibalismus gegeben habe, dies sei eine rassistische, kolonialistische Lüge, die von vorurteilsbeladenen Europäern erfunden worden sei, um andere Völker und Kulturen zu dämonisieren. Ein Beispiel dafür sei der „Freitag“ genannte Kannibale, der in Daniel Defoes Roman Robinson Crusoe (1719) zum Christentum bekehrt wurde. Als ich älter wurde und begann, selbst Nachforschungen anzustellen, erkannte ich klar, wie falsch diese Behauptung war.

In seinem Buch This Horrid Practice: The Myth and Reality of Traditional Maori Cannibalism beschäftigt sich der Neuseeländer Paul Moon mit der in der generell sehr grausamen Gesellschaft der Maori anzutreffenden Tradition, einander aufzuessen. Moon, ein Professor für Geschichte an der University of Technology in Auckland, sagt, der Kannibalismus habe bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts angedauert. Er verschwand erst nach der Ankunft europäischer christlicher Missionare. Auch Tötung von Kindern war verbreitet. Die Stämme brauchten Männer als Krieger, und Mütter töteten oft ihre Töchter, indem sie sie erstickten oder einen Finger in den noch weichen Schädel bohrten. Kannibalismus war Teil der Wut nach einer Schlacht. „Ein Argument war, dass den Feind einfach zu töten, um ihn zu bestrafen, zu wenig ist. Wenn man ihn aber zerhackt und ihn isst, um ihn dann zu Exkrementen werden zu lassen, das ist die größte Erniedrigung, die man ihm antun kann“, sagt Moon. Das Beweismaterial hierfür ist so überwältigend, dass es unangebracht wäre, so zu tun, als hätte es das nicht gegeben. Es ist zu wichtig, um es zu ignorieren.“

Die Leiterin des Maori Studies Department an der Universität in Auckland, Margaret Mutu, sagt, Kannibalismus sei in Neuseeland weit verbreitet gewesen. „Es hat ihn wirklich gegeben. Er ist in vielfältiger Weise in unseren Geschichten und Traditionen anzutreffen, eine Menge Ortsnamen beziehen sich darauf.“ Sie sagt, der Kannibalismus der Maori sei von vielen Historikern nicht erwähnt worden, weil er mit der englischen Kultur nicht vereinbar war.

Man hat uns gesagt, Europäer erfänden negative Stereotype über andere Völker. Man beachte, wie in diesem Fall – und dies ist nicht das einzige Beispiel, das sich hierfür finden lässt – die Europäer in Wirklichkeit die sehr realen Defekte anderer Kulturen herunterspielen, und dies sogar in der Kolonialzeit.

Wir wissen, dass Kannibalismus bei einer Reihe von Völkern Nord- und Südamerikas praktiziert wurde, dazu gehören höchstwahrscheinlich die prähistorischen Anasazi in den heutigen südwestlichen Vereinigten Staaten. Wie Diamond in seinem Buch Kollaps schreibt: „Das Vorkommen von Kannibalismus außerhalb von Notzeiten ist umstritten. Es wurde aber tatsächlich aus Hunderten von nicht-europäischen Gesellschaften zu der Zeit, als sie zuerst Kontakt mit Europäern hatten, berichtet. Die Praxis hatte zwei Formen: entweder wurden die Körper der im Krieg getöteten Feinde gegessen, oder aber die eigenen Verwandten, nachdem sie eines natürlichen Todes gestorben waren. Neuguineer, mit denen ich in den letzten 40 Jahren gearbeitet habe, haben mir ganz sachlich ihre kannibalistischen Praktiken beschrieben, haben ihren Abscheu über unsere westliche Bestattungsweise ausgedrückt, unsere Verwandten zu beerdigen, ohne ihnen die Ehre zu erweisen, sie zu essen, und einer meiner besten neuguineischen Arbeiter hat 1965 seinen Job bei mir gekündigt, um an dem Verzehr seines gerade gestorbenen künftigen Schwiegersohns teilzunehmen. Es gibt auch viele archäologische Funde von alten menschlichen Knochen in Zusammenhängen, die Kannibalismus annehmen lassen.“

Jared Diamond schreibt in Arm und Reich, dass „… das Virus, das die Lachkrankheit (Kuru) im Hochland Neu Guineas verursacht, von einer Person, die verzehrt worden war, auf andere überging. Es wurde also durch Kannibalismus übertragen, wenn dort Babys den fatalen Fehler machten, sich die Finger abzulecken, nachdem sie mit der rohen Gehirnmasse gespielt hatten, die ihre Mütter gerade aus den toten Kuru-Opfern herausgeschnitten hatten, die aber noch nicht gekocht worden war.“

Diamond, ein Evolutionsbiologe, weist keineswegs die Möglichkeit zurück, dass sich unter den verschiedenen ethnischen Gruppen im Laufe von Tausenden von Jahren ungleiche Intelligenzniveaus entwickelt haben könnten, aber er besteht darauf, dass, wenn es solche Unterschiede gibt, dann die Europäer weniger intelligent seien als andere, da „die natürliche Auslese, soweit sie Intelligenz fördert, wahrscheinlich in Neuguinea weitaus strenger ist als in Gesellschaften mit dichterer Bevölkerung und komplexerer politischer Struktur, in denen die natürliche Auslese stattdessen in stärkerem Maße auf die Körperchemie eingewirkt hat…. Es gibt auch noch einen weiteren Grund, warum die Neuguineer vielleicht cleverer als die Westler sind. Moderne europäische und amerikanische Kinder verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, sich passiv von Fernsehen, Radio und Kino unterhalten zu lassen…. Dies wirkt sich sicherlich als ein zusätzlicher, nicht-genetischer Faktor aus, der die durchschnittlichen mentalen Fähigkeiten der Neuguineer überlegen sein lässt. Das bedeutet also, dass hinsichtlich ihrer geistigen Leistungsfähigkeit die Neuguineer wahrscheinlich den Westlern genetisch überlegen sind.“

Mr. Diamond hat nun gerade festgestellt, dass bei den Neuguineern bis in die jüngste Zeit Kannibalismus eine weitverbreitete Praxis war. Es formuliert dies als eine nüchterne Tatsachenfeststellung und gibt nicht klar zu erkennen, dass er dies missbilligt. Vielmehr scheint es, dass er in seinen Schriften dem Fernsehen kritischer als dem Kannibalismus gegenübersteht. Überdies denkt er, dass es moralisch abzulehnen ist, wenn jene, die gemeinhin als „weiße Suprematisten“ bezeichnet werden, glauben, dass Menschen europäischer Abstammung eine höhere Intelligenz haben könnten als, sagen wir mal, australische Ureinwohner, aber offensichtlich hält er es für in Ordnung zu sagen, dass Neuguineer eine höhere Intelligenz haben als Europäer. Macht ihn das nun zum neuguineischen Suprematisten?

Man kann Spuren des Konzepts „Kannibalismus“ in der heutigen europäischen Kultur finden, zum Beispiel in der Geschichte von Hänsel und Gretel, einem der vielen traditionellen Märchen und volkstümlichen Erzählungen wie Schneewittchen, Dornröschen und Aschenputtel, die im 19. Jahrhundert von den einflussreichen deutschen Gelehrten und Sprachwissenschaftlern Jakob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) gesammelt und verbreitet wurden. Allerdings wird in diesem von den Gebrüdern Grimm adaptierten Märchen die Vorstellung vom Menschenessen dem Bösewicht der Geschichte zugeschrieben, der bösen Hexe, und die Praxis wird als selbstverständlich unmoralisch und nicht hinnehmbar gesehen.

Diamond deutet an, dass er in der Absicht schreibt, den „Eurozentrismus“ aufzulösen, und er behauptet, dass Intelligenztests nur kulturelles Lernen messen, nicht aber angeborene Intelligenz. Untersuchungen haben jedoch zum Beispiel gezeigt, dass Leute mit höherem IQ klügere ökonomische Entscheidungen treffen. Richard Lynn und Tatu Vanhanen argumentieren in ihrem Buch IQ and the Wealth of Nations (2002), dass ein signifikanter Anteil an dem Unterschied im Wohlstand zwischen reichen und armen Ländern auf Unterschiede im nationalen Intelligenzquotienten zurückzuführen sind.

Nach der schwedischen Professorin Annica Dahlström, einer Expertin in den Neurowissenschaften, finden sich Männer häufiger als Frauen an den extremen Enden der Intelligenzskala. Weibliche Genies kommen vor, aber sie sind viel weniger häufig als männliche. Das feministische Establishment behauptet, dass sie ihren Status als Wissenschaftlerin missbraucht habe, um „Geschlechtsstereotypen“ zu bestärken; Dahlström sagt jedoch: „Der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen, hinsichtlich ihrer Biologie und ihres Gehirns, ist größer als wie uns je vorgestellt haben.“ Wir sind jetzt in der Lage, die Gehirnaktivitäten in Echtzeit zu erfassen und zu verfolgen. Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind schon im Alter von drei Jahren klar erkennbar, wenn nicht noch früher. Die Gehirnzentren für verbale Kommunikation, für die Deutung von Mimik und Gestik, sind bei Mädchen schon in diesem frühen Alter weiter entwickelt. Nichtsdestoweniger wurde Larry Summers, Wirtschaftswissenschaftler und Präsident der renommierten Harvard-Universität in den USA, nach einer Rede zum Rücktritt gezwungen, in der er die Annahme nahelegte, dass die Tatsache, dass Frauen in den obersten Rängen der Naturwissenschaftler unterrepresentiert sind, auf „ein unterschiedlich häufiges Vorkommen von Spitzenbegabung“ zurückzuführen sei.

Professor Helmuth Nyborgs Forschungen an der Universität in Århus (Dänemark) haben gezeigt, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern in ihrer Intelligenzstruktur gibt. Dies hat massiven Widerstand seitens seiner Kollegen ausgelöst. Er stellt fest, dass „es im Reich der psychologischen Wissenschaft nicht erlaubt ist, über Intelligenz zu reden. Es ist hier praktisch nicht möglich, Intelligenz zu messen, und es ist nicht möglich, Menschen nach ihrem Intelligenzquotienten einzustufen. Das ganze Feld der Intelligenz ist eine sogenannte ´No-go-area´.“ Wenn man sich dennoch weigert, umzukehren, ist man ein böser Mensch. Wenn man auch noch Unterschiede zwischen anderen Kategorien von Menschen, nicht nur zwischen den Geschlechtern, untersucht, ist man unmoralisch und ein „Nazi“. Mit Sicherheit ist dies der Fall für weiße Wissenschaftler, jedoch interessanterweise nicht unbedingt für asiatische.

Das Problem ist nun, dass diese Sichtweise logisch inkonsistent ist. Wenn man glaubt, dass Gott, oder irgendein göttliches Wesen oder eine göttliche Kraft, alle Menschen als gleiche geschaffen hat, dann macht es Sinn, über Rassismus zu reden. Wenn man hingegen glaubt, dass die Menschen das Resultat der Evolution sind, dann ist das ganze Konzept des „Rassismus“ wissenschaftlich bedeutungslos. Der Westen am Beginn des 21. Jahrhunderts wird von Darwinisten beherrscht, die nicht an die Evolutionslehre glauben. Wer glaubt, dass dies ein Widerspruch in sich selbst ist, der möge die Aussage von Reich und Arm betrachten. Der Kern von Diamonds Glaubenssätzen ist, dass die Evolution seit Milliarden von Jahren im Gang ist, von einzelligen Organismen zu Elefanten und Walen geführt hat, dann aber wunderbarerweise vor 50.000 Jahren gestoppt hat; und man ist ein Böser, wenn man suggeriert, dass die Menschen auch danach noch evolutionären Prozessen unterworfen gewesen seien. Dies ist, logisch gesehen, völlig absurd, es ist aber dennoch heutzutage die nicht in Frage gestellte herrschende Ideologie in der Wissenschaft und den Medien des Westens.

Diamond selbst versucht, eine Zusammenfassung seines gesamten Buches in einem Satz zu geben: „Die Geschichte hat für verschiedene Völker verschiedene Verläufe genommen wegen der Unterschiede in der Umwelt dieser Völker, nicht wegen biologischer Unterschiede zwischen den Völkern selbst.“

Ja, aber was ist, wenn Unterschiede in der natürlichen Umwelt auch die Biologie verschiedener menschlicher Gruppen in einer mehr als oberflächlichen Weise verändert haben, also etwas, was anzunehmen die Evolutionslehre auch eigentlich nahelegt?

Der Nahe Osten hat einen Reichtum an nützlichen lokalen Pflanzen und Tieren beherbergt. Vier Arten von großen Säugetieren – Ziege, Schaf, Schwein und Rind – wurden sehr früh im Fruchtbaren Halbmond domestiziert, möglicherweise früher als irgendein anderes Tier irgendwo sonst in der Welt außer dem Hund. Die Landwirtschaft wurde im Fruchtbaren Halbmond durch die Domestizierung von acht „Gründerarten“ von Nahrungspflanzen begonnen, die Getreidearten Emmer, Einkorn, Gerste, die Hülsenfrüchte Linse, Erbse, Kichererbse, Linsenwicke und die Faserpflanze Flachs. Dank dieses Vorhandenseins von brauchbaren wilden Säugetieren und Pflanzen konnten die Menschen in dieser Region sich schnell ein kräftiges und ausgewogenes biologisches Sortiment für eine intensive Nahrungsmittelproduktion zusammenstellen, was wiederum zu komplexen, sozial gestuften Gesellschaften führte, die ein Aufzeichnungs- oder Registrierungssystem und damit eine Bürokratie erforderten. Nach Diamond wurden unabhängig voneinander im Nahen Osten (Mesopotamien), Mexiko und möglicherweise in China Schriftsysteme entwickelt, weil diese die Gegenden waren, in denen sich zuerst landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduktion entwickelte, eine Theorie, die plausibel erscheint. Dieser Teil ist auch der überzeugendste in seinem Werk.

Eurasische Infektionskrankheiten haben bei der europäischen Eroberung beider Amerikas eine enorme Rolle gespielt. Cortez und Pizarro hatten überlegene Waffen und Rüstungen aus Eisen gegenüber Keulen und Wurfschlingen, aber noch vor der militärischen Eroberung der Reiche der Inka und Azteken haben eurasische Krankheiten wie z. B. die Pocken, die zum Teil schon vor der Ankunft der Europäer dort hingelangt waren, die dortigen Bevölkerungen erheblich dezimiert. Diamonds Feststellung ist richtig, dass berittene Soldaten einen enormen militärischen Vorteil über die haben, die ohne Pferde sind. Erst mit der Einführung von motorisierten Fahrzeugen und Panzern im Ersten Weltkrieg wurden Pferde als wichtigstes Hilfsmittel beim Angriff und zum Transport ersetzt.

In dem Zeitraum zwischen 100.000 und 50.000 Jahren vor der Gegenwart hat sich hinsichtlich der geistigen Fähigkeiten der Frühmenschen eine bedeutende Veränderung vollzogen. Diamond nennt dies den „Großen Sprung vorwärts“. Ob dies durch eine Vervollkommnung der sprachlichen Fähigkeiten oder durch eine generelle Veränderung der Organisation des Gehirns verursacht war, ist immer noch eine ungelöste Frage. Vor 40.000 Jahren zog der Cro-Magnon-Mensch in Europa ein und verdrängte nach einigen Jahrtausenden der Koexistenz den Neandertaler. Ungefähr zur gleichen Zeit finden wir die ersten Beweise menschlicher Besiedlung Neuguineas und Australiens über die südostasische Landbrücke. Diamond schreibt:

„Die Entwicklung war zunächst von praktisch nicht wahrnehmbarer Langsamkeit, wenn nämlich Hunderttausende von Jahren vergingen ohne irgendeine feststellbare Veränderung bei den Steinwerkzeugen und ohne eine nachweisbare Verwendung anderer Materialien. Heute geht technologischer Fortschritt so schnell vonstatten, dass in der Tageszeitung über ihn berichtet wird. In dieser langen Geschichte sich beschleunigender Entwicklung lassen sich zwei besonders signifikante Sprünge erkennen. Der erste, der zwischen 100.000 und 50.000 Jahren vor unserer Zeit stattgefunden hat, wurde wahrscheinlich durch genetische Veränderungen in unserem Körperbau verursacht: nämlich durch die Entwicklung hin zur modernen Anatomie, die Sprache und/oder die jetztzeitigen Hirnfunktionen ermöglichte. Dieser Entwicklungssprung führte zu Werkzeugen aus Knochen, spezialisierten Steinwerkzeugen und Vielzweckwerkzeugen. Der zweite Sprung war das Resultat des Übergangs zu einer sesshaften Lebensweise, der in verschiedenen Teilen der Welt zu verschiedenen Zeiten stattfand, schon vor 13.000 Jahren in einigen Gegenden und in anderen heute noch immer nicht. Meistenteils war dieser Übergang verbunden mit dem Beginn der Landwirtschaft, die von den Menschen verlangte, dass sie nahe bei ihren Feldern, Obstgärten und Vorräten blieben. Eine sesshafte Lebensweise war entscheidend für die technologische Entwicklung, denn sie ermöglichte es, nicht transportierbare Besitztümer anzuhäufen.

Jared Diamond hält die Annahme, dass größere genetische Veränderungen bis 50.000 v. Chr. stattgefunden haben, für möglich, aber betrachtet es als „abscheulich“ und „rassistisch“, anzunehmen, es könnten sich auch nach diesem Zeitpunkt noch genetische Unterschiede bei verschiedenen menschlichen Gruppen ergeben haben. Die ist nicht aufrechtzuerhalten, wenn man sich die historischen Realitäten ansieht. Verschiedene frühmenschliche Populationen haben Tausende und Zehntausende von Jahren in Afrika, Europa, in verschiedenen Teilen Asiens, in Australien und schließlich in Nord- und Südamerika unter verschiedenen natürlichen Bedingungen gelebt und sich an diese unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten angepasst.

Tatsächlich deuten neueste Forschungen an, dass die menschliche Evolution nicht nur weiterging, sondern sich auch beschleunigte und während der letzten 10.000 Jahre nach dem Beginn der Landwirtschaft und dann städtischer Zivilisationen zu noch größeren Veränderungen führte, als sich nämlich unser Körper neuen Lebensbedingungen, neuen Infektionskrankheiten und einer veränderten Nahrung anpassen musste. Dies ist der theoretische Hintergrund des von Gregory Cochran und Henry Harpending verfassten Titels The 10,000 Year Explosion: How Civilization Accelerated Human Evolution (2009), das ich bislang noch nicht die Gelegenheit hatte zu lesen.

Die Haupttheorie in Michael Hart´s Buch Understanding Human History ist, dass der durchschnittliche IQ der Frühmenschen, als sie Afrika um etwa 60.000 v. Chr. verließen und andere Kontinente besiedelten (er benutzt die Out-of-Africa-Theorie als Ausgangspunkt für seine Hypothesen; die Geschichte der frühen menschlichen Evolution ist jedoch hochkomplex und stark umstritten), etwa um 70 oder niedriger lag, mit Sicherheit aber nicht höher. Es gibt heute Menschen in Afrika, die einen durchschnittlichen IQ von weniger als 70 haben, und es gibt keinen wirklichen Grund anzunehmen, dass die Intelligenz der dortigen Menschen in den letzten 60.000 Jahren abgenommen hat. Dieses Niveau ist in Zehntausenden von Jahren unter dem Auslesedruck allmählich gestiegen (nicht mehr als 1 IQ-Punkt pro Jahrtausend), jedoch in einigen Gegenden schneller als in anderen. Hart unterstützt die „Kalt-Wetter-Hypothese“, die sagt, dass, als das Klima kälter wurde, die Menschen eine höhere Intelligenz entwickelten, um in einer Umgebung zu überleben, die größere Herausforderungen stellt, was im wesentlichen bedeutet, dass der durchschnittliche IQ um so mehr anwächst, je nördlicher man kommt.

Theoretisch sollte es möglich sein, in der Südhemisphäre denselben Trend zu sehen, je südlicher man kommt; jedoch war die Antarktis bis vor kurzem unbewohnt und die einzigen Menschen, die dort heute für eine längere Zeit leben, sind Wissenschaftler. Deswegen lässt sich dieses Prinzip praktisch nur auf die Nordhemisphäre anwenden. Menschen aus Schweden oder Russland sollten dementsprechend höhere Intelligenzquotienten haben als Menschen aus dem Niltal. In ähnlicher Weise sollten Koreaner oder Japaner höhere IQs haben als Menschen aus Südindien. Beide Beispiele entsprechen in etwa der festgestellten Realität.

Veränderungen der menschlichen Anatomie und Physiologie, die zu höherer Intelligenz führen, sind aber nicht umsonst zu haben, denn größere Gehirne erfordern größere Mengen an Energie sowie auch größere Schädel, was wiederum die Muskeln und das Knochengerüst belastet.

Das Altpaläolithikum ist das früheste Stadium der Altsteinzeit, ungefähr 40.000 bis 10.000 vor unserer Zeit. Die sogenannte Altsteinzeitliche Revolution ist der Name für das Phänomen, dass nach 50.000 v. Chr. Homo Sapiens begann, Anzeichen eines neuen Niveaus der geistigen Differenziertheit und des abstrakten Denkens zu zeigen. Die ersten Steinwerkzeuge, die im Zeitraum von mehreren Millionen bis zu einigen Hunderttausenden von Jahren vor der Jetztzeit von den frühen Humanoiden hergestellt wurden, waren sehr grob und sind kaum als menschliche Artefakte zu erkennen. Im Kontrast zu dieser schmerzlich langsamen Fortschrittsrate haben während des Altpaläolithikums schnelle Veränderungen stattgefunden, wie z. B. die Einführung von solchen Neuerungen wie Nähnadeln, frühe Keramik, Pfeil und Bogen, Harpunen, Angelhaken, und als Musikinstrument Flöten. Archäologische Funde deuten bislang an, dass nur wenige oder gar keine dieser Erfindungen von in tropischen Gegenden lebenden Menschengruppen gemacht wurden; sie sind die Erfindungen von Menschen in kühleren Klimata. Michael H. Hart schreibt in Understanding Human History:

Zu welchem genauen Zeitpunkt auch immer die aufgelisteten Erfindungen gemacht sein mögen, es ist offensichtlich, dass die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts im Altpaläolithikum viel, viel höher war als in den vorangegangenen Zeitaltern. Was war der Grund für diesen großen Zuwachs an Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts (die „altsteinzeitliche Revolution“)?

Es wird manchmal gesagt, dass der enorme intellektuelle und technologische Fortschritt in den letzten Jahrhunderten hauptsächlich aus der Tatsache resultiert, dass wir auf den Grundlagen aufbauen, die unsere Vorfahren gelegt haben. Während dies vielleicht ein Faktor ist, ist es sicherlich nicht die ganze Wahrheit. Schließlich haben die Menschen die meiste Zeit in der fernen Vergangenheit keinen Fortschritt im Vergleich zu den Errungenschaften früherer Generationen gemacht. Der Hauptgrund für die Beschleunigung der Fortschrittsrate im Altpaläolithikum war einfach, dass die zu der Zeit lebenden Menschen intelligenter waren als es ihre Vorfahren in weit früheren Zeiten gewesen waren. (Ein Aspekt dieser größeren Intelligenz war natürlich ihre größere sprachliche Fähigkeit.) In ähnlicher Weise ist ein wichtiger Grund, warum die Fortschrittsrate in den letzten Jahrtausenden noch größer als im Altpaläolithikum war, das fortdauernde Anwachsen der menschlichen Intelligenz, dass sie also heute größer ist als damals.“

Der technologische Fortschritt beschleunigte sich während des Neolithikums, der Jungsteinzeit. In der neolithischen Revolution entwickelte sich der Ackerbau mehr oder weniger unabhängig voneinander in wenigstens einem halben Dutzend verschiedener Regionen in unterschiedlichen Teilen der Welt, was uns vor eine Reihe schwieriger Fragen stellt: Warum begann diese Entwicklung erst nach 10.000 v. Chr., und warum fand sie damals in mehreren weit voneinander entfernten Orten innerhalb von nur wenigen tausend Jahren statt? Warum wurde die Landwirtschaft nicht schon um 30.000 oder 40.000 v. Chr. erfunden, obwohl doch für die Domestikation geeignete Pflanzen und Tiere auch zu der Zeit schon zur Verfügung standen und Menschen schon, außer in Amerika, in allen größeren Landgebieten lebten?

Für Michael Hart sind nutzbare Pflanzen und Tiere eine notwendiger Faktor für die Entstehung der Landwirtschaft, aber nicht ein hinreichender: ein Mindestniveau an Intelligenz war ebenfalls nötig. Der Grund, warum die Landwirtschaft nicht schon von den Frühmenschen vor 40.000 Jahren erfunden wurde, ist, dass sie noch nicht die notwendige Intelligenz besaßen, um mit Erfolg den begrifflichen Sprung zu machen, der nötig ist, um mit der Produktion von Nahrungsmitteln zu beginnen. Hart glaubt, dass das „Schwellenniveau“, das zur Entwicklung des Ackerbaus selbst in einer Region mit günstigem Klima und entsprechendem Angebot an Pflanzen und Tieren nötig ist, ein durchschnittlicher IQ von fast 90 ist. In der Folge eines Zehntausende von Jahren andauernden Evolutionsdrucks war die durchschnittliche Intelligenz einiger menschlicher Populationen schließlich groß genug, aber der Ackerbau war trotzdem zunächst nicht in weiter nördlich gelegenen, die Intelligenz mehr herausfordernden Klimata eingeführt worden.

Hart beschäftigt sich auch mit der alternativen, sich hinsichtlich der Entwicklung der Zivilisation auf die Geographie konzentrierenden Hypothese, die Prof. Jared Diamond in Die Schicksale menschlicher Gesellschaften vorstellt. Er legt die Annahme nahe, dass die relative Rückständigkeit des präkolonialen Australiens und von Teilen Amerikas im Verhältnis zu den bedeutenderen eurasischen Zivilisationen ausschließlich auf geographische Faktoren, auf das Klima und einen Mangel an brauchbaren Pflanzen und Tieren zurückzuführen ist. Überraschend ist nun, dass er bereit ist, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass es eine genetische Komponente bei der Entwicklung der Intelligenz geben könnte, allerdings nur, wenn die Weißen schlecht dabei wegkommen, was in meiner Sicht so intellektuell unaufrichtig ist, dass es seine Schlussfolgerungen ernsthaft unterminiert.

Michael Hart ist darauf bedacht – und ich denke, zu Recht – nicht pauschal alles von der Hand zu weisen, was Mr. Diamond sagt. Der Nahe Osten hatte zu jener Zeit tatsächlich ein günstiges Klima und auch einen weit größeren lokalen Vorrat an nutzbaren und leicht zu domestizierenden Pflanzen und Tieren als irgendeine andere Region, was aller Wahrscheinlichkeit nach ein sehr wichtiger Grund dafür ist, dass Ackerbau und eine städtische Zivilisation dort so früh sich entwickelten; sowohl Australien als auch das Gebiet der heutigen USA hatten tatsächlich einen erheblichen Mangel an solchen Spezies. Jedoch unterstützen nach Hart diese Tatsachen Diamonds Theorie nicht, wenn sie auf einen Vergleich zwischen dem subsaharischen Afrika (ssA) und Mittelamerika angewendet werden. Was die Fauna betrifft, hatte das ssA einen großen Vorteil über Mittelamerika insofern, als es nicht völlig von den Zivilisationen Eurasiens abgeschnitten war. Einige wichtige Aspekte eurasischer Technologie wie die Töpferei und die Bearbeitung von Bronze und Eisen erreichten das ssA vom Mittleren Osten her, genau so wie die Nutzbarmachung domestizierter Kamele, Schafe und Ziegen:

„Wenn man seine Kriterien berücksichtigt, dann wäre anzunehmen, dass die Zivilisation im ssA eher begonnen hätte als in Mittelamerika und sie dort auch schnellere Fortschritte (noch vor der europäischen Expansion) gemacht hätte. Tatsächlich aber war Mittelamerika um das Jahr 1000 n. Chr. sehr viel weiter entwickelt als das ssA zu der Zeit oder irgendeiner Zeit zuvor. Zum Beispiel hatten die Bewohner Mittelamerikas von anderen unabhängig eine Schrift entwickelt, hatten viele sehr große Steinstrukturen konstruiert und hatten große Städte gebaut (die allem, was es in Europa gab, gleichkamen und weit größer waren als alle Städte im subsaharischen Afrika). Des weiteren stellen die Leistungen der Maya in Mathematik und Astronomie alle intellektuellen Leistungen im ssA in den Schatten. Daraus müssen wir den Schluss ziehen, dass ungeachtet der Tatsache, dass Die Schicksale der menschlichen Gesellschaften ein informatives Buch ist, die unabweisbare Überlegenheit der mittelamerikanischen über die subsaharische Technologie als ein entscheidender Schlag gegen die dort vorgebrachten Argumente erscheint.“

Teil 2

Michael H. Hart bewertet die Errungenschaften verschiedener Zivilisationen. Er behauptet, daß die Beiträge der alten Ägypter ziemlich mager waren. Die Sumerer erfanden als erste die Schrift, was den Ägyptern durchaus bekannt gewesen sein könnte. Sie leisteten keine bedeutenden Beiträge zur astronomischen Theorie, noch zur Physik, Chemie, Biologie oder Geologie. Die politische Struktur Ägyptens war eine absolute Monarchie, was keine originelle Idee war und neuzeitliche Denker nicht beeinflußte. Während die Pyramiden sicherlich visuell beeindruckend sind, ist eine Pyramide streng genommen eine simple architektonische Struktur und großteils keine sehr nützliche. Warum werden die Beiträge der alten Ägypter so überbewertet? Weil das Klima in Ägypten so trocken ist, überdauern die Architektur (und die Mumien), die sie schufen, dort besser als anderswo. Ihre Monumente sind immer noch sichtbar. Hart behauptet in keiner Weise, daß die alten Ägypter Wilde gewesen seien, nur daß ihre Beiträge häufig überbewertet werden.

Ich persönlich denke, daß er die Ägypter etwas mißachtet. Es ist wahr, daß sie wissenschaftlich nicht sehr fortgeschritten waren, und daß die griechische Kunst während der hellenischen und hellenistischen Periode so lebensecht war, wie es die ägyptische niemals war, aber die Griechen waren von der ägyptischen Tempelarchitektur und von ihren Studien der Proportionen des menschlichen Körpers inspiriert. Wie der Kunsthistoriker Gombrich sagt, “gingen die griechischen Meister bei den Ägyptern in die Schule, und wir sind alle die Schüler der Griechen.” Der amerikanische Autor Lawrence Auster drückt es so aus:

“Denken wir daran, den Ägyptern das Verdienst für die erste Entwicklung der schönen menschlichen Form zuzubilligen, welche die Griechen dann übernahmen und lebendiger machten. Camille Paglia ist höchst albern, aber lesen Sie doch das erste Kapitel ihres Buches Sexual Personae (dt. “Die Masken der Sexualität), wo sie die ägyptische Schöpfung der klaren, perfekten, ‘apollonischen’ Form behandelt, welche die Grundlage der westlichen Kunst wurde… . Für die Griechen vermittelt die natürliche Form das Göttliche. Daher waren sie nicht einfach nur ‘naturalistisch’, d. h. naturgetreu. Sie sahen die Natur als so schön, weil sie die Natur als von einer perfekten Harmonie erfüllt sahen. Von daher kommt die unglaubliche Sensibilität der athenischen Skulpturen des fünften Jahrhunderts. In einer Weise drückten die Künstler des athenischen Goldenen Zeitalters in Stein aus, was Homer Jahrhunderte früher durch Poesie ausgedrückt hatte: jene besonderen Momente im Leben, in denen der Held ‘mehr zu sein scheint als ein Mensch.’ Oder wie die Szene in der Ilias (Buch III, 156-58), wo die alten Männer auf den Mauern Trojas Helena kommen sehen und zueinander sagen: ‘Man kann den Trojanern und den stark gerüsteten Achäern sicherlich keinen Vorwurf machen, wenn sie über lange Zeit Härten auf sich nehmen für eine Frau wie diese. Schrecklich ist die Ähnlichkeit ihres Gesichts mit unsterblichen Göttinnen.’“

In der Wissenschaft übertrafen die alten Griechen die Ägypter mit Leichtigkeit. Die griechische deduktive Geometrie erwies sich als unverzichtbares Vorspiel zur Ankunft der modernen Wissenschaft, und abgesehen von Mathematik und Astronomie leisteten sie große Beiträge zur Dichtkunst, Geschichte, Drama und Mythologie, brachten elegante Architektur wie den Parthenon in Athen hervor sowie auch große Bildhauer und Maler. Die Werke von Plato und Aristoteles gehören zu den ältesten analytischen Schriften über politische Theorie. Wenn Menschen im einundzwanzigsten Jahrhundert Aristoteles’ Politik lesen, um zu sehen, was darin über Demokratie steht, dann nicht bloß aus historischer Neugier, sondern weil dies für heute als relevant betrachtet wird. Im Gegensatz dazu liest buchstäblich niemand “pharaonische” Politiktheorie.

Warum hatten die alten Griechen soviel erreicht? Möglicherweise machte die Geographie Griechenlands sie zu einer Seefahrernation und brachte sie dazu, sich mit Erforschung und Handel zu befassen. Und doch gab es viele andere Völker, die auch einen ähnlichen geographischen Vorteil genossen, und während die Phönizier große Seefahrer und Händler waren, schufen sie gemäß der historischen Beweislage nichts, das den wissenschaftlichen Errungenschaften der Griechen nahekam. Hart glaubt, daß Wissenschaft, obwohl andere Europäer einen mindestens so hohen Intelligenzquotienten hatten wie die Griechen, vor allem die Schöpfung städtischer, schriftkundiger Kulturen ist, und in der Weise profitierten die Griechen vom frühen Kontakt mit den schriftkundigen Zivilisationen des Nahen Ostens:

“Die beste Erklärung für das griechische Phänomen liegt in einer Kombination genetischer und geographischer Faktoren. Die Völker, die in den kalten Regionen Europas lebten, hatten über einen Zeitraum vieler Jahrtausende eine höhere durchschnittliche Intelligenz entwickelt als die Völker, die im Nahen Osten lebten. Wegen des milden Klimas und der Verfügbarkeit einer großen Auswahl brauchbarer domestizierbarer Pflanzen und Tiere entwickelten die Bewohner des Nahen Ostens jedoch lange vor den Völkern Nordeuropas die Landwirtschaft. Das frühe Entstehen von Landwirtschaft und Städten im Nahen Osten befähigte sie während der Jungsteinzeit und der frühhistorischen Zeit zu größerem Fortschritt und zu einem großen Vorsprung vor dem Rest der Welt in Technologie und intellektuellen Angelegenheiten. Mit der Zeit befähigte ihre überlegene genetische Ausstattung die Europäer zur Überwindung dieses Vorsprungs. Unter den europäischen Gruppen würde jedoch diejenigte am wahrscheinlichsten als erste Fortschritte machen, welche die früheste Gelegenheit hatte, von den Zivilisationen des Nahen Ostens und Ägyptens zu lernen. Wegen ihrer geographischen Lage waren die Griechen das erste europäische Volk, das in Kontakt mit jenen Zivilisationen kam.”

In Understanding Human History bewertet Michael H. Hart auch die islamische Welt. Er sagt richtigerweise, daß nichtmoslemische Dhimmis unter islamischer Herrschaft kaum überhaupt Bürger zweiter Klasse waren, sondern eher Nicht-Bürger, denen viele grundlegende Bürgerrechte fehlten. Zum Beispiel konnten sie vor Gericht nicht gegen einen Moslem aussagen. Er bestreitet, daß die Bekehrung zum Islam immer “freiwillig” war, angesichts der vielfältigen Erniedrigungen, des Drucks und der Steuern, denen Nichtmoslems ständig ausgesetzt waren, nur weil sie Nichtmoslems waren. Hinsichtlich kultureller Errungenschaften erwähnt er einige beachtenswerte Gelehrte und Gestalten. Eine ist der marokkanisch-berberische Forscher und Schriftsteller Ibn Batutta (1304-1369), der im vierzehnten Jahrhundert von Westafrika über Südosteuropa und Indien nach China reiste und seine Erfahrungen in seinem Buch Rihlah (Reisen) niederschrieb.

Ibn Khaldun könnte wegen seines historiographisches Werkes erwähnt werden, obwohl er die Geringschätzung für alle nichtmoslemischen Kulturen teilte, die das Wachstum der Archäologie und vergleichenden Sprachwissenschaft in der islamischen Welt hemmte. Moslemische Gelehrte studierten andere Kulturen nicht ernsthaft und mit Neugier und beschrieben sie nicht fair, wobei die Schriften des persischen Universalgelehrten al-Biruni (973-1048) über Hinduismus und Indien eine der sehr wenigen Ausnahmen von dieser Regel sind. Er hatte sich die Mühe gemacht, genug Sanskrit zu lernen, um in beide Richtungen zwischen dieser Sprache und Arabisch (das für ihn auch eine erlernte Sprache war) zu übersetzen. Wie der Autor John Keay in seinem Buch India: A History schreibt, wurden die Moslems von den Indern als bloß eine weitere Gruppe von Ausländern gesehen, vielleicht lästig, aber im wesentlichen marginal. Dies war ein großer Fehler:

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“Es gibt keinen Beweis dafür, daß die Inder die globale Bedrohung erkannten, die sie darstellten; und die eigenartige Natur ihrer Mission – eine neue monotheistische Orthodoxie durch militärische Eroberung und politische Herrschaft durchzusetzen – war für die indische Tradition so fremd, daß sie unverstanden blieb. Kein Zweifel, daß eine gewisse Selbstzufriedenheit zu dieser Gleichgültigkeit beigetragen hat. Wie al-Biruni (Alberuni), der große islamische Gelehrte des elften Jahrhunderts, es ausdrückte, ‘glauben die Hindus, daß es kein Land außer ihrem gibt, keine Wissenschaft wie ihre.’…seine wissenschaftliche Prominenz in der arabischen Welt verdankte viel seiner Beherrschung des Sanskrit und dem Zugang zu indischer Gelehrsamkeit…. Anders als Alexanders Griechen waren sich die moslemischen Invasoren sehr wohl über Indiens immense Größe im Klaren und mächtig erregt über seine Ressourcen…. Seit mindestens römischer Zeit scheint der indische Subkontinent eine günstige Zahlungsbilanz genossen zu haben…. Der fromme Moslem, wenn er auch angeblich auf die Bekehrung der Ungläubigen aus war, würde seinen Eifer großzügig belohnt finden.”

Ich persönlich würde nicht sagen, daß in der mittelalterlichen islamischen Welt absolut keine Errungenschaften gemacht worden sind, nur daß sie heute aus politischen Gründen weitgehend übertrieben werden. Unterteilen wir Gelehrte in drei Kategorien: Kategorie 1 besteht aus jenen, die geringere Beiträge leisten, Kategorie 2 mittlere. Kategorie 3 besteht aus Gelehrten, die größere, grundlegende Beiträge zu einem bedeutenden Wissenschaftszweig leisten. Selbst in den besten Zeiten ist nicht ein einziger Gelehrter dieses Formats von der islamischen Welt hervorgebracht worden. Irgendwelche moslemische Gelehrte zu finden, die geringere Beiträge zu Mathematik, Medizin oder Alchimie geleistet haben, ist nicht schwer, und ich kann wahrscheinlich ein halbes Dutzend Individuen aufzählen, die sich für Kategorie 2 qualifizieren, zum Beispiel al-Khwarizmi, Omar Khayyam, Rhazes, Geber und vielleicht Avicenna und Averroes.

Hart sagt, daß Alhazen “wahrscheinlich der größte” aller Gelehrten in der islamischen Welt war, wozu ich zustimme, aber selbst er war ein guter Gelehrter der Kategorie 2, nicht 3. Originale moslemische Beiträge zum Ingenieurswesen waren gering und scheinen den Errungenschaften der Römer nicht gleichgekommen zu sein. Er merkt an, daß die mittelmäßigen Beiträge der Nahostbewohner umso auffälliger sind angesichts ihrer günstigen geographishen Lage, die ihnen die einzigartige Gelegenheit gab, Wissen von allen größeren eurasischen Zivilisationen gleichzeitig zu erwerben.

Hart zufolge machten nahöstliche Gelehrte wenige größere Entdeckungen in Mathematik und Wissenschaft, Medizin oder Ingenieurswesen, gewiß nichts, das dem Buchdruck und dem Schießpulver im frühmittelalterlichen China oder Brillen und mechanischen Uhren in Westeuropa während des Hochmittelalters vergleichbar wäre. Während sie in der Tat eine Zeitlang eine Anzahl Gelehrter hervorbrachten, die geringfügige Beiträge leisteten und eine Handvoll oder zwei, die Beiträge mittleren Ranges leisteten, brachten sie niemals wahrhaft große Genies wie Aristoteles, Kopernikus, Galileo, Kepler oder Newton hervor. Hart schreibt dies primär ihrem im Vergleich zu Europäern geringerem Intelligenzquotienten zu, obwohl ich persönlich genauso die repressive Atmosphäre als mitwirkenden Faktor hinzufügen würde, die von islamischer Orthodoxie geschaffen wird. Ideen haben Konsequenzen.

Michael H. Hart schreibt über Indien, womit er den gesamten Subkontinent meint, das von mehreren menschlichen Migrationen/Invasionen von Nordwesten betroffen worden ist. Zu ihrem Höhepunkt zwischen 2.500 und 2.000 v. Chr. war die Industal- oder Harappazivilisation nahe dem sumerischen Mesopotamien im Nordwesten größer und fortschrittlicher als alles, was wir aus China in derselben Zeitperiode kennen. Es verdient festgehalten zu werden, daß die Zivilisation im fernen Norden Indiens ihren Orsprung hatte, in einer Region, die geographisch und vielleicht genetisch näher mit den Zivilisationen des Nahen Ostens verbunden war als mit Südindien, das lange Zeit rückständiger blieb als Nordindien. Hart glaubt, daß das besondere Kastensystem in Indien ursprünglich eine rassische Komponente hatte und bis auf die indoeuropäische Invasion hellhäutigerer Völker aus dem Norden und Nordwesten zurückgeht. Die einzigen großen Reiche, die von eingeborenen Indern beherrscht wurden, waren das Maurya- und das Gupta-Reich, und diese überdauerten zusammengenommen weniger als 400 Jahre.

Hart widmet beträchtlichen Raum der Kunst und Literatur. Der Rigveda ist eine Sammlung von Hymnen, die zwischen 1.500 und 1.200 v. Chr. komponiert wurden; die Upanishaden von ungefähr 900-500 v. Chr. sind Prosakommentare zu den Veden. Die beiden berühmtesten Werke epischer Dichtkunst sind das Ramayana und das Mahabharata. Indien hat eine große Menge an lyrischer Dichtung hervorgebracht, und das Theater ist dort viele Jahrhunderte lang eine bedeutende Kunstform gewesen, wie im alten Griechenland; Kalidasa aus dem fünften nachchristlichen Jahrhundert hat in der Sanskrit-Literatur eine Position vergleichbar der Shakespeares in der englischen Literatur. Indien hat eine lange Tradition verfeinerter Musik und Musiktheorie, der Malerei und vor allem Bildhauerei, aber indische Musik und Literatur wird anderswo in der Welt nicht in verbreitet beachtet, zumindest außerhalb Südostasiens. Indien war stark in den Künsten, aber schwächer in Wissenschaft und Technologie, mit der teilweisen Ausnahme der Mathematik.

Der Buddhismus war bis ungefähr 250 v. Chr. eine lokale Religion, als der Imperator Ashoka (304-232 v. Chr.) konvertierte und die Ausbreitung dieser Religion in Indien und weit darüber hinaus förderte. Der Buddhismus war in globaler Perspektive von begrenzter Bedeutung, aber er hatte einen großen Einfluß in Asien und stach mit Leichtigkeit alle Ideologien aus, die in China entwickelt wurden. Chinesische Philosophien wie Konfuzianismus und Taoismus hatten eine gewisse Wirkung unter Chinas unmittlbaren Nachbarn, den Koreanern, den Japanern und Vietnamesen, aber wenig in anderen Regionen. Die Chinesen werden zweifellos sagen, daß dies deshalb sei, weil sie ihre Art nicht anderen aufzwingen, aber angesichts Chinas Größe und der Tatsache, daß es jahrhundertelang die größte Volkswirtschaft der Welt war, muß der ideologische Einfluß Chinas im Ausland als überraschend begrenzt beschrieben werden. Laut Thomas T. Allsen in Culture and Conquest in Mongol Eurasia, “haben fast alle der größeren religiösen Bewegungen, die ihren Ursprung im Nahen Osten hatten – Zoroastrismus, Judentum, Christentum, Manichäismus und Islam — China erreicht, während chinesische Ideologiesysteme keine Vorstöße in den Westen machten. Dieses verblüffende und beständige Muster, das niemals erklärt worden ist, hatte sich anscheinend recht früh etabliert.”

Michael H. Hart faßt zusammen: “Keine andere nichteuropäische Zivilisation hat annähernd die Vielfalt hochwertiger Literatur, Musik und Malerei geschaffen wie Indien. Das mathematische Wissen der alten Griechen wurde mit der Zeit nach Indien übertragen. Jedoch war der einzige wichtige Fortschritt, der von Hindu-Mathematikern gemacht wurde, die Erfindung der Stellenschreibweise, die arithmetische Operationen sehr vereinfacht. Die Stellenschreibweise wurde wahrscheinlich im Jahr 700 n. Chr. erfunden; die erste vollständige Beschreibung stammt jedoch von Bhaskara um 1150. Vor der Neuzeit scheinen Inder keine bedeutenden Beiträge zur Wissenschaft geleistet zu haben, noch kamen irgendwelche wichtigen Erfindungen aus Indien. Der indische Subkontinent brachte eine blühende Zivilisation hervor, und in vormodernen Zeiten war seine Kultur unvergleichlich verfeinerter als die rückständiger Regionen wie Australien oder das sub-saharische Afrika.”

Betrachten wir den Fall China. Die Chinesen waren von ihrer Überlegenheit gegenüber allen anderen Nationen überzeugt und führten sorgfältige historische Aufzeichnungen. Der gefeiertste chinesische Historiker alter Zeiten war der Palasteunuch Sima Qian (ca. 145-86 v. Chr.) während der Han-Dynastie, der einen enormen Eifluß auf die spätere chinesische Geschichtsschreibung hatte und darauf, wie die Chinesen ihre eigene Zivilisation sehen. Sein großes Werk Shi Ji -Geschichtsaufzeichnungen wird laut Hart “allgemein als allem überlegen betrachtet, was europäische Historiker vor der Neuzeit geschrieben haben.”

Wie Bruce G. Trigger in seinem ausgezeichneten Werk A History of Archaeological Thought, zweite Ausgabe, feststellt, hoben die konfuzianischen Gelehrten in China die Vergangenheit als Anleitung für moralisches Verhalten hervor und machten historische Studien zu einem wichtigen Bestandteil der sich vereinigenden chinesischen Kultur. Bronzegefäße und Jadeschnitzereien aus der alten Shang-Dynastie wurden in gleicher Weise als Prestigeobjekte geschätzt wie antike Vasen oder Statuen im klassischen Mittelmeerraum. Und doch entwickelten die Chinesen kein mit der europäischen Archäologie vergleichbares spezifisches Repertoire an Techniken für Bergung und Studium solcher Artefakte. Selbst die Griechen und Römer taten das nicht; sie konnten antike Kunstwerke sammeln, aber sie entwickelten keine systematische Wissenschaft, die dem Studium physischer Überbleibsel aus der Vergangenheit gewidmet war. Laut Trigger

“bewunderten wohlhabende Römer die Werke talentierter griechischer Künstler und waren bestrebt, die Originale oder gute Kopien davon zu kaufen. Dieses Interesse inspirierte den historischen Bericht des römischen Autors Plinius des Älteren (23-79 v. Chr.) über griechische Kunst und Künstler. Und doch machten die Gelehrten trotz eines wachsenden Interesses an antiken Kunstwerken keine Anstrengungen, solche Artefakte systematisch zu bergen oder zu sammeln, noch wurden Artefakte – mit der bemerkenswerten Ausnahme weniger Werke wie das von Plinius über die Kunst – zu einem speziellen Gegenstand der Analyse…. Gebildete Griechen und Römer waren sich bewußt, daß die Kultur der fernen Vergangenheit anders gewesen war als die der Gegenwart, und schätzten die feinen Kunstwerke aus früheren Zeiten als Sammlerstücke. Und doch entwickelten sie keinen Sinn dafür, daß diese Objekte eine Basis dafür sein könnten, mehr über die Vergangenheit zu lernen, da schriftliche Aufzeichnungen und mündliche Überlieferungen verwendet wurden.”

Es gab in der griechischen Wissenschaft eine allgemeine Lücke zwischen Theorie und Praxis und eine starke Abneigung unter Intellektuellen gegen das Studium weltlicher Objekte. Die Archäologie wurde im frühneuzeitlichen Europa geschaffen, angefangen mit dem Wachstum der Antiquare von der Renaissance bis zur Aufklärung. Der einflußreiche deutsche Antiquar Johann Winckelmann (1717-1768) studierte sorgfältig die griechisch-römische Kunst und wird manchmal als “der erste Archäologe” bezeichnet. Während jedoch sein vergleichendes Werk einen großen Schritt vorwärts beim systematischen Studium der Vergangenheit darstellte, war er nicht am Alltagsleben der Alten interessiert und studierte die Objekte abgesondert von ihrem archäologischen Zusammenhang. “Daher mag in vieler Weise die Behauptung, daß er der Begründer der Kunsthistorie gewesen sei, sogar noch angemessener sein als die, daß er der Vater der klassischen Archäologie war. Winckelmann war eindeutig verantwortlich für die Etablierung einer engen und dauerhaften Beziehung zwischen den klassischen Studien und dem, was die separate Disziplin der Geschichte werden sollte.”

Das achtzehnte Jahrhundert erlebte mehr systematische archäologische Ausgrabungen, besonders an den verschütteten römischen Orten Herculaneum und Pompeii nahe Neapel, aber die prähistorische Archäologie wurde in den frühen 1800ern durch den Gelehrten Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) aus Dänemark geboren. Obwohl er von früheren Ideen und den Idealen der Aufklärung inspiriert war, war es Thomsen, der das höchst einflußreiche System der drei Zeitalter entwickelte (Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit). Während der Napoleonischen Kriege war die dänische Flotte von den Briten zerstört worden, daher brauchten die Dänen nationalen Trost und Beruhigung aus ihrer Vergangenheit. Seine Bedeutung wird in historischen Berichten oft unterbewertet, aber “Thomsons Werk begründete den chronologischen Durchbruch, der das Studium der Vorgeschichte auf eine wissenschaftliche Basis stellte. Seine Arbeit war für die Entwicklung der prähistorischen Archäologie so fundamental, wie es die größeren theoretischen Entdeckungen in historischer Geographie und Biologie wärend des neunzehnten Jahrhunderts gewesen war.”

Im Vergleich zum Westen waren die Chinesen ein auffallend praktisches Volk, das relativ wenig Interesse an purer Mathematik oder Theologie hatte und keine Religionskriege europäischer Art führte. Sie machten viele nützliche praktische Erfindungen, von der Papierherstellung über Blockdruck, Magnetkompaß, Gußeisen, Porzellan, Schubkarren und Kanalschleusentore bis zur Verwendung von Kohle als Brennstoff.

Als Schreibmaterial war Bambus sperrig und Seide teuer. Mit der Erfindung des Papiers hatte China ein besseres und billigeres Schreibmaterial als alles, was sonstwo auf der Welt verwendet wurde, obwohl eine gewisse Art von Rindenpapierbüchern von den Mayas und anderen im präkolumbianischen Mittelamerika hergestellt wurde. Hart glaubt, daß die Einführung des Papiers teilweise erklärt, warum China in der Periode, die dem Mittelalter in Europa entspricht, so dynamisch war. Im Gegensatz dazu wird die berühmte Große Mauer von China etwas überbewertet. Die Autorin Julia Lovell erklärt im Buch The Great Wall: China Against the World, 1000 BC — AD 2000:

“Mauerbau war im allgemeinen eine unpopuläre Entscheidung, weil er mit Niederlage und politischem Zusammenbruch in Verbindung gebracht wurde, mit kurzlebigen Kaiserhäusern wie den brutalen Qin (221-206 v. Chr.) — dem ersten Regime, das eine mehr oder weniger durchgehende Barriere durch Nordchina errichtete – oder den Sui (581-618). Und die Große Mauer hat einfach nicht so gut als Barriere zum Schutz Chinas vor marodierenden Barbaren funktioniert. Seit Mauern erstmals entlang chinesischer Grenzen gebaut worden waren, hatten sie niemals mehr als einen zeitweiligen Vorteil gegen entschlossene Angreifer und Plünderer geboten. Als Dschingis Khan und seine Mongolenhorden China im dreizehnten Jahrhundert eroberten, erwiesen sich Grenzmauern als geringes Hindernis. Die Große Mauer bot den größten Mauerbauern von allen, der Ming-Dynastie, keinen Schutz vor ihren bedrohlichsten Feinden, den Mandschus aus dem Nordosten, die China von 1644 an als Qing-Dynastie regierten. Invasoren konnten Umwege um starke Befestigungen machen, bis sie Schwachstellen oder Lücken fanden, oder weniger mühevoll einfach chinesische Amtsträger bestechen, damit sie die Forts der Großen Mauer öffneten. Als die Mandschus 1644 beschlossen, ihren finalen Vorstoß auf Peking durchzuführen, wurden sie von einem unzufriedenen chinesischen General durch einen Paß der Großen Mauer gelassen.”

Die Große Mauer könnte man mit der Maginotlinie vergleichen, dem ausgeklügelten System von Betonbunkern, Tunnels und Maschinengewehrstellungen, das Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg entlang seiner Ostgrenze errichtet hatte. Diese teuren Befestigungsanlagen boten den Franzosen wenig effektiven Schutz, als die Deutschen sie während des 2. Weltkrieges umgingen und trotzdem in Frankreich einmarschierten. Als die Chinesen ihre Große Mauer bauten, wendeten sie eine sehr große Menge finanzieller und menschlicher Ressourcen für etwas auf, das am Ende nicht sehr wirksam war. Als die Chinesen das Papier und gedruckte Bücher aus Papier erfanden, änderten sie den Lauf der menschlichen Geschichte. Manchmal ist die visuell spektakulärste Schöpfung nicht notwendigerweise die historisch bedeutsamste.

Eine beeindruckende Leistung des chinesischen Ingenieurswesens, die tatsächlich so funktionierte wie beabsichtigt, war der Große Kanal, der später verlängert worden war und sich jetzt von Peking bis Hangzhou erstreckt, über grob 1,770 km. Der japanische buddhistische Pilger und Schriftsteller Ennin (ca. 794-864), der in Japan besser bekannt ist als Jikaku Daishi, war einer der vielen Besucher, die vom schieren Ausmaß des Großen Kanals beeindruckt war. Nichtsdestoweniger waren die Chinesen in der Architektur “relativ spät dran in der Verwendung des Bogens und der Kuppel; und obwohl sie viele attraktive Wohnhäuser und andere Gebäude errichteten, bauten sie nichts, das mit dem Parthenon in Athen, der Hagia Sophia in Konstantinopel oder den großartigen Kathedralen des mittelalterlichen Europas wetteifern könnte.”

In scharfem Kontrast zur eindrucksvollen Liste großer praktischer Erfindungen stand die relative Spärlichkeit größerer chinesischer Errungenschaften in Wissenschaft und Mathematik. Sie litten an einem allgemeinen Mangel an Interesse für Theorie in der Wissenschaft. Zum Beispiel waren die Chinesen genau beim Führen astronomischer Aufzeichnungen, aber sie schufen nie eine ausgearbeitete theoretische Struktur und folgerten niemals, daß die Erde rund ist. Daß sie das nicht taten, machte bedeutenden Fortschritt in der Astronomie schwierig. Im Jahr 1600 n. Chr. lag die chinesische Astronomie mindestens 2.000 Jahre hinter dem Westen zurück. Die Chinesen leisteten auch keine größeren Beiträge zur Physik, Chemie oder Geologie.

In Zeiten politischer Stärke expandierte China in benachbarte Territorien im unmittelbar angrenzenden Süden und Westen, besonders in Xinjiang und Zentralasien wie auch in Vietnam. Es gab einige Ausnahmen, die hauptsächlich mit der Einführung des Buddhismus zu tun hatten, als einige Gelehrte nach Indien gingen, aber im allgemeinen zeigten die Chinesen wenig Interesse an Erkundung darüber hinaus. Es gab die berühmten Schiffsexpeditionen im Indischen Ozean während der Ming-Dynastie im frühen fünfzehnten Jahrhundert, die von Männern wie dem Admiral Zheng He (1371-1433) geführt wurden und bis zur Ostküste Afrikas kamen. Und doch war der ganze Grund dafür, daß diese Expeditionen so viel Aufsehen erregten, genau der, daß sie ein seltenes Ereignis darstellten. Das Projekt fand vergleichsweise spät statt und wurde schließlich beendet. Behauptungen, daß die Chinesen Amerika vor Kolumbus 1492 erreicht hätten, sind nicht überzeugend. Falls überhaupt, dann hätten sie eurasische Massenseuchen mitgebracht, was bedeutet, daß in diesem Fall viele der amerikanischen Ureinwohnervölker an Pocken gestorben wären, bevor noch die Europäer dorthin kamen.

Die Chinesen brachten viele schöne Landschaftsmalereien hervor, großartige Kalligraphien und eine sehr umfangreiche Literatur über Philosophie, Poesie, Fiktion und Geschichte. Relativ wenige dieser Werke werden heute von Nichtchinesen gelesen, von denen eines das Tao Te Ching (“Der Klassiker des Weges und seiner Macht”) ist, welches Lao Tzu oder Laozi (Laotse) zugeschrieben wird, der als der Begründer des Taoismus gilt, einige konfuzianische Klassiker und vor allem Die Kunst des Krieges von Sun Tzu, das nach universaler Zustimmung die größte Abhandlung über die Psychologie der Kriegführung ist, welche jemals in irgendeiner Sprache geschrieben wurde.

Keine praktischen Erfindungen von vergleichbarer Bedeutung wie Papier, Buchdruck oder Schießpulver wurden jemals in der islamischen Welt gemacht. Mehr noch, buchstäblich alle der bewundernswerten Bestandteile dieser Zivilisation wurden von den Chinesen selbst geschaffen, wogegen die Moslems sich stark auf Wissen stützten, das von anderen geschaffen worden war – den alten Griechen, Byzantinern, Persern, Hindus und Chinesen. Michael H. Hart bewertet die chinesische Zivilisation als die einzige, die sich mit der europäischen messen kann:

“Die Chinesen schufen — buchstäblich ohne Hilfe von Außenseitern — eine komplexe und vollständige Zivilisation, mit einer glatt funktionierenden Regierung und vielzähligen Errungenschaften in Technologie, Bauwesen, Literatur, Kunst und Philosophie. Sie hatten eine breite Vielfalt ausgebildeter Handwerker; sie unterhielten große, mächtige Armeen, und sie schufen ein Schulsystem, ein Netzwerk von Straßen, eine ausgeklügelte (und köstliche) Küche und all die anderen Attribute einer verfeinerten Zivilisation. Im allgemeinen genossen die Chinesen mehr innere Einheit als Europa. Europa hatte gewöhnlich aus vielen unabhängigen Staaten bestanden, die einander oft bekämpften. Im Gegensatz dazu ist China gewöhnlich politisch geeint gewesen. Zwischen 600 und 1300 n. Chr. war China eindeutig wohlhabender als der Westen. Deshalb ist oft festgestellt worden, daß China (bis zum Aufstieg der modernen Wissenschaft in den letzten fünf Jahrhunderten) gewöhnlich fortschrittlicher gewesen ist als der Westen. Diese Feststellung ist jedoch unrichtig. Erstens lag China selbst in dieser Zeitperiode in Mathematik und Wissenschaft weit hinter dem Westen zurück. Zweitens war das Intervall von 600-1300 n. Chr. untypisch. Während des Großteils der aufgezeichneten Geschichte – und während des Großteils der letzten zehntausend Jahre – ist China sowohl in Technologie als auch in den Künsten klar hinter der westlichen Welt zurückgelegen.”

Aber dennoch gab es keine chinesischen Entsprechungen zu Kopernikus, Newton, Bach, Mozart, Beethoven, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Kolumbus oder Magellan. In der antiken Welt gab es auch keine zu Pythagoras, Archimedes, Euklid, Hipparchus oder Ptolemäus.

Während der ungewöhnlich dynamischen Song-Dynastie (960-1279) gaben sie die ersten Banknoten (Papiergeld) heraus und verzeichneten den ersten bekannten Gebrauch von Schießpulver und des Magnetkompasses. Laut Arnold Pacey in Technology in World Civilization, “war China im Jahr 1100 unzweifelhaft die technisch ‘fortschrittlichste’ Region der Welt, besonders in Hinblick auf die Verwendung von Koks zur Eisenverhüttung, Kanaltransport und landwirtschaftliche Geräte. Brückenkonstruktion und Textilmaschinen hatten sich auch schnell entwickelt. In all diesen Bereichen waren im China des elften Jahrhunderts Techniken in Gebrauch, die keine Parallele in Europa bis um 1700 hatten.”

Jedoch begann während der Song-Dynastie die schmerzhafte Praxis der Fußabbindens, die bis ins zwanzigste Jahrhundert andauerte und zahllose chinesische Frauen betraf, und verbreitete sich vom zehnten oder elften Jahrhundert an schnell. Konfuzianische Gelehrte fanden daran nichts auszusetzen. J. M. Roberts’ The New Penguin History of the World vernachlässigt etwas die negative Auswirkung des islamischen Dschihad, ist aber dennoch lesenswert. Wie Roberts aufzeigt, wird die Geschichte der Frauen oft von Voreingenommenheit der Dokumentation verdunkelt, aber besonders in China:

“Wir hören wenig von ihnen, selbst in der Literatur, außer in traurigen kleinen Gedichten und Liebesgeschichten. Und doch müssen sie vermutlich etwa die Hälfte der Bevölkerung ausgemacht haben, oder vielleicht etwas weniger, denn in schweren Zeiten wurden weibliche Babies von armen Familien zum Sterben ausgesetzt. Diese Tatsache charakterisiert vielleicht den Platz der Frauen in China bis in sehr junge Vergangenheit einnahmen, noch besser als die vertrautere und oberflächlich auffallendere Praxis des Fußabbindens, die groteske Deformationen verursachte und eine hochgeborene Dame fast unfähig zum Gehen machen konnte. Noch ein weiteres China, das durch die Natur der etablierten Tradition ziemlich von der historischen Betrachtung ausgeschlossen blieb, war das der Kleinbauern. Sie werden nur als Zahlen in den Volkszählungsergebnissen und bei Ausbrüchen von Revolten schattenhaft sichtbar; nach den Tonfiguren der Han-Zeit gibt es in der chinesichen Kunst wenig, das sie offenbart, und sicherlich nichts, das der ununterbrochenen (und oft idealisierten) Darstellung des gewöhnlichen Mannes auf dem Feld gleichkommt, wie sie von der mittelalterlichen europäischen Buchmalerei über die Mundartliteratur bis zur Romantik und bis zu den Bauernmotiven der frühen Impressionisten durchläuft.”

All dies bedeutet nicht, daß der Rest Asiens technisch primitiv war, aber Chinas Rolle war unverhältnismäßig groß. Was kam aus China in den Westen? Professor Derk Bodde zählt eine Anzahl von Ideen und Innovationen auf, vom Porzellan, Tee, Papier und Schießpulver bis zu Domino, Spielkarten und dem Schattenspiel. Lack ist, wie Seide, eines der Produkte, die man am längsten aus China kennt. Er wird aus dem Saft eines in China heimischen Baumes erzeugt und dazu verwendet, dekorative Muster auf hölzerne Kisten und andere Objekte zu malen. Die europäische Agrarproduktion wurde nach der Einführung landwirtschaftlicher Werkzeuge wie dem Streichblechpflug stark verbessert. Die Niederländer und andere Europäer sahen, daß der chinesische Pflug sich nicht für ihren Bodentyp eignete, aber chinesische und asiatische Prototypen regten sie zu neuen Konstruktionen und Windfegen (Maschinen zur Trennung von Spreu und Weizen) an.

Auch wenn man eine Anzahl praktischer Innovationen finden kann, die aus China in den Westen kamen, so kamen doch sehr wenige theoretische wissenschaftliche Ideen aus Ostasien. Mehr noch, man könnte mit Recht sagen, daß China inzwischen dem Westen mehr Wissenschaft und Technologie verdankt als umgekehrt. Arnold Pacey gibt zu, daß “…die bedeutendsten Entwicklungen in Asien die technischen Bücher waren, die in Japan im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert veröffentlicht wurden, eine Handvoll chinesischer wissenschaftlicher Arbeiten sowie sehr gelegentliche Fälle in Indien wie die Verwendung von Modellen beim Entwurf des Tadsch Mahal in den 1630ern und die systematische Verwendung maßstäblicher Zeichnungen durch einige Schiffbauer gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Aber solche Beispiele sind selten und vereinzelt. Das große Übergewicht neuen technologischen Potentials, das durch die gesteigerte Fähigkeit erzeugt wurde, technische Probleme in Begriffe zu fassen, fiel dem Westen zu.”

Geographische Faktoren trugen zur frühen kulturellen und politischen Vereinigung Chinas bei, was im zergliederteren Terrain Europas schwierig war. Wie Jared Diamond in Guns, Germs, and Steel feststellt, brachte die “Sinifizierung” Ostasiens die “drastische Homogenisierung einer riesigen Region” und die Neubevölkerung des tropischen Südostasiens durch Menschen chinesischen Ursprungs mit sich:

“Einige Entwicklungen breiteten sich in China von Süden nach Norden aus, besonders die Eisenverhüttung und der Reisanbau. Aber die vorherrschende Ausbreitungsrichtung war von Norden nach Süden. Dieser Trend ist am eindeutigsten beim Schriftebrauch… Alle drei der ersten Dynastien Chinas, die Xia-, Shang- und Zhou-Dynastie, entstanden im zweiten vorchristlichen Jahrtausend in Nordchina. Erhaltene Schriften aus dem eresten vorchristlichen Jahrtausend zeigen, daß ethnische Chinesen bereits damals dazu neigten (wie es viele heute noch tun), sich gegenüber den nicht-chinesischen ‘Barbaren’ kulturell überlegen zu fühlen, während Nordchinesen dazu tendierten, sogar Südchinesen als ‘Barbaren’ zu betrachten.”

Obwohl Südostasien ursprünglich von dunkelhäutigen Völkern vergleichbar einigen neuguineischen Gruppen bevölkert war, gibt es heute nur mehr wenige neuguineaartige Volksgruppen in dieser Region, darunter die Negritos, die in den Bergregionen der Philippinen leben. Der Rest ist mehr oder weniger vollständig ausradiert worden. Wie Diamond schreibt, “vollendete die historische Südexpansion der Burmesen, Laoten und Thais aus Südchina die Sinifizierung des tropischen Südostasiens. All jene heutigen Völker sind neuzeitliche Ableger ihrer südchinesischen Vettern. So überwältigend war diese chinesische Dampfwalze, daß die früheren Völker des tropischen Südostasiens nur wenig Spuren in den heutigen Bevölkerungen der Region hinterlassen haben.”

Bezüglich der indoeuropäischen Expansion unterstützt Michael H. Hart die von Gelehrten wie der Archäologin Marija Gimbutas (1921-1994, geboren in Wilnius, Litauen, und später in den USA ansässig) verfochtene Hypothese, daß das ursprüngliche Heimatland der Protoindoeuropäer in der Region der südlichen Ukraine und Rußlands nördlich des Schwarzen Meeres lag. Gimbutas identifizierte die frühen Sprecher des Protoindoeuropäischen mit den sogenannten Kurganleuten, die dort nach 4.000 v. Chr. lebten. Diese Menschen erhielten ihren Namen von den niedrigen Hügeln, den Kurganen, in denen sie oft ihre Toten bestatten. Sprecher eines frühen indoeuropäischen Zweiges, der sich später zum Griechischen entwickeln würde, kamen wahrscheinlich zwischen 2.200 – 2.000 v. Chr. von Norden nach Griechenland, wo wir Spuren in den archäologischen Belegen finden können, die auf ein gewaltsames Eindringen schließen lassen. Die alten Griechen selbst erwähnten ein früheres Volk (die Pelasgier), die vor ihnen in Griechenland gelebt hatten, obwohl die genaue Natur dieser Leute und ihrer Kultur immer noch eine umstrittene Sache ist. Wie können wir die Ausbreitung der indoeuropäischen Sprachen in so viele Regionen und Geländeformen erklären?

“Die einfachste Erklärung ist die, daß die ursprünglichen Sprecher des Protoindoeuropäischen im Durchschnitt eine beträchtlich höhere Intelligenz besaßen als die meisten der Völker, die sie besiegten (einschließlich der Ägypter, Babylonier, Assyrer, Karthager, Phönizier, Pelasgier, Tartesser, Iberer, Etrusker, Berber und drawidischsprachigen Völker), die sich alle in milderen Klimata entwickelt hatten als die Vorfahren der Indoeuropäer. Diese Hypothese hat den zusätzlichen Vorteil, daß sie auch für die neuzeitliche Expansion der Indoeuropäer zutrifft und auch ihre bemerkenswerten intellektuellen Errungenschaften erklärt. Keine andere Hypothese kommt der Erklärung all dieser Phänomene nahe.”

Während die Grundannahme richtig sein könnte, finde ich persönlich sie ein wenig simplistisch, nachdem die indoeuropäischen Sprachen auch die Muttersprachen der nördlichen Völker verdrängten, die vermutlich einen mindestens so hohen Intelligenzquotienten hatten wie die Ukrainer. Man glaubt, daß das Baskische die einzige überlebende prä-indoeuropäische Sprache auf dem ganzen europäischen Kontinent ist. Das baskische Volk bewohnt die Pyrenäen in Nordspanien und im südwestlichen Frankreich. Ihre Sprache hat keine bekannten Verwandten und enthält Wörter für Axt und andere Werkzeuge, die die Wurzelbedeutung “Stein” enthalten. Sie ist vielleicht ein direkter Abkömmling der Sprachen, die während der Steinzeit in einigen Regionen Europas gesprochen wurden. Heißt das, daß die Basken einen einzigartig hohen Intelligenzquotienten haben, nachdem ihre Sprache allein überlebte?

In diesem Zeitalter der DNS-Analyse können einige frühere Befunde der vergleichenden Sprachwissenschaft mittels Genetik bestätigt werden. Im Jahr 2008 berichtete Fox News, daß eine von der Cornell University geführte Studie herausgefunden hatte, daß weiße (europäische) Amerikaner genetisch schwächer und weniger verschiedenartig sind als ihre schwarzen Landsleute. Dies folgt der ersten Regel der Political Correctness, die besagt, daß es keine bedeutenden genetischen Unterschiede zwischen Menschengruppen gibt, und wenn es welche gibt, daß Weiße immer minderwertig sein müssen. Ich bin froh, daß unsere schwachen Gene die Europäer nicht davon abgehalten haben, Individuen wie Galileo, Kopernikus, Newton, Beethoven und Pasteur hervorzubringen.

Die Studie zeigte, daß die genetische Vielfalt am größten unter Afrikanern war und am geringsten unter amerikanischen Ureinwohnern. Dies stimmt mit der Tatsache überein, daß Nord- und Südamerika die letzten größeren Landmassen waren, die von Menschen besiedelt wurden. Die Studie zeigte auch, daß Basken mit niemand anderem genetisch eng verwandt sind. Einer Kombination linguistischer und genetischer Beweise nach zu urteilen, hat das baskische Volk einen starken Anspruch darauf, die älteste separate Nation Europas zu sein.

Während der ganzen Geschichte sind in den meisten Fällen, wo Menschen aus einer Region eine andere erobert haben, “Nordländer” in südlichere Ländern einmarschiert. China ist niemals von den volkreichen Nationen südlich davon erobert, sondern wiederholt aus dem Norden angegriffen worden. In zwei Fällen – der Mongolen und der Mandschus – eroberten nördliche Invasoren ganz China. Innerhalb Chinas selbst waren es die Nordländer, die als erste ein geeintes Land schufen, indem sie das südliche China eroberten. Indien ist trotz seiner großen Bevölkerung niemals in die Länder in seinem Norden einmarschiert, sondern hat selbst wiederholt Invasionen aus dem Norden und Nordwesten erlebt. Die drei indischen Dynastien, die der Herrschaft über den gesamten Subkontinent am nächsten kamen (die Mauryas, die Guptas und die Moguln) hatten ihren Ursprung alle im Norden. Hart zufolge “ist die offensichtliche – und, wie ich glaube, die richtige – Erklärung für die militärische Übelegenheit der nördlichen Völker die höhere Intelligenz jener Völker im Vergleich mit den Bewohnern tropischerer Regionen.”

Michael H. Hart gibt zu, daß die moslemischen Eroberungen ein größeres Gegenbeispiel zu dieser allgemeinen Regel darstellen. Es stimmt, daß Moslems es niemals schafften, eine dauerhafte Kontrolle über Europa zu errichten, wie sie es nin Nordafrika und im Nahen Osten taten, aber die Auswirkung vieler Jahrhunderte islamischen Dschihads auf die Nationen Südeuropas war weit davon entfernt, marginal zu sein. Was die Mongolen betrifft – sobald sie den trockeneren und kälteren Bereich der Berge verließen, wurden sowohl die Krieger als auch die Pferde geschwächt und krank. Es gelang ihnen nicht, ihre erfolgreiche, auf Pferde gestützte Strategie an das Meer anzupassen, und sie eroberten den Großteil Indiens und Südostasiens niemals. Daß sie den Iran und Irak eroberten, aber 1260 von den ägyptischen Mameluken besiegt wurden, kann man keinen IQ-Unterschieden zuschreiben.

Manche werden sagen, daß die Masseneinwanderung vieler Menschen mit niedrigem IQ in mehrheitlich weiße westliche Länder an der Wende zum einundzwanzigsten Jahrhundert ein weiteres größeres Gegenbeispiel ist, aber diese Entwicklung stellt eine solche Anomalie in der Weltgeschichte das, daß sie als Sonderfall behandelt werden muß. Westliche Nationen sind nicht militärisch besiegt worden. Diese Einwanderer/Kolonisten hätten sich nicht in diesen Ländern ansiedeln können, wenn sie nicht den gestörten Altruismus und die politisch-ideologischen Schwächen des modernen Westens ausnützen könnten, und sie haben immer wesentliche Hilfe von hochintelligenten Gruppen innerhalb des Westens erhalten, darunter von weißen Marxisten.

Skandinavische (altnordische) Wikinger dominierten ab dem späten achten Jahrhundert viel von Nordeuropa, sowohl durch Handel als auch durch Plünderung. Zu Hause waren sie freie Bauern. Das Wikingerzeitalter endete im elften nachchristlichen Jahrhundert, als sie sich im Ausland stärkeren Staaten gegenübersahen und der Christianisierung zu Hause, worauf Skandinavien in die christliche Zivilisation Europas integriert wurde. Von Schweden aus zogen sie oft die Flüsse Osteuropas hinab zum Schwarzen Meer und nach Kiew und gründeten das, was später der russische Staat werden sollte. Norweger zogen nach Schottland, Irland und auf den Nordatlantik hinaus. Dublin war die reichste der norwegischen Kolonien in Irland.

Der Einfluß der Wikinger war auf den britischen Inseln besonders stark, sowohl in zerstörerischer als auch umgestaltender Weise. Von Dänemark aus überfielen sie die Normandie und die Bretagne und siedelten sich dort an. Die nordöstlichen und zentralen Teile Englands, wo sich die Wikinger niederließen, wurden als Danelaw bekannt, weil sich dort dänische Gesetze und Gebräuche anstatt englischer durchsetzten. Gelehrte argumentieren, daß einige Rechtsinstitutionen wie der Vorläufer des modernen Schwurgerichts ihren Ursprung im Danelaw gehabt haben könnten. Danegeld war eine englische Steuer, die eingehoben wurde, um sich von den dänischen Invasoren loszukaufen. Der dänische König Knut der Große (ca. 990-1035) beherrschte im frühen elften Jahrhundert einen großen Teil Englands.

Charles “der Einfältige” III (879-929) von Frankreich unterzeichnete im Jahr 911 einen Vertrag mit dem Wikingerführer Rollo über das, was entlang der Ärmelkanalküste Nordfrankreichs die Normandie werden sollte. Den Wikingern (“Nordmännern”) wurde dieses Territorium in der Hoffnung gegeben, daß sie zukünftige Wikingerüberfälle gegen Frankreich abwehren würden. Ihre Nachkommen gemischter französischer und norwegischer Abstammung, die Normannen, eroberten 1066 erfolgreich England.

Die Ursachen der Wikingerexpansion sind immer noch unbekannt, aber ihre Schiffe waren sicherlich ein kritischer Faktor in dieser Geschichte. Sie waren zu dieser Zeit vielleicht die schnellsten Fahrzeuge der Welt. Skandinavien und die Ostsee waren ursprünglich eine der entlegensten Regionen Europas, weit entfernt von der mittelmeerisch dominierten römischen Zivilisation. Felsritzungen aus der Zeit vor 1500 v. Chr. zeigen, daß der Bootsbau in dieser Region zumindest zu dieser Zeit schon bekannt war, aber es gibt keine Abbildungen eines Masts oder Segels. Geruderte Fahrzeuge wurden in den nordischen Ländern sehr früh abgebildet, aber die ersten Abbildungen von Segelfahrzeugen gab es erst um 600 n. Chr. auf der schwedischen Insel Gotland. Bald danach entwickelten sie bemerkenswert schnelle und manövrierfähige Segel- und Ruderschiffe, die auch auf Flüssen verwendet werden konnten und die es ihnen ermöglichten, sowohl Handel zu treiben als auch Überfälle durchzuführen und zu entkommen, ohne von den langsameren Schiffen der Einheimischen überholt zu werden.

Die großen Flüsse, die kreuz und quer durch die europäische Halbinsel verliefen, boten ein Netzwerk von Routen, die die Ozeanausläufer miteinander verbanden. Nicht alle Flüsse waren leicht schiffbar, aber mit einiger Anstrengung war es möglich, sogar große Fahrzeuge zwischen schiffbaren Wasserwegen und um Stromschnellen herum über Land zu transportieren. Die Wikinger waren nicht die ersten Europäer, die das taten; der altgriechische Geograph Strabo erwähnte es Jahrhunderte früher. Nichtsdestoweniger sind ihre einzigartig beweglichen Langschiffe zum Symbol des Wikingezeitalters geworden. Else Roesdahl erklärt im Buch The Vikings: Revised Edition:

“Eine verläßliche Beschreibung des in Skandinavien verwendeten Haupttyps und einige Einblicke in dessen Spezialisierung kann auf der Basis der vielen entdeckten Schiffe und Bruchstücke erstellt werden. Dieser Haupttyp ist mit örtlichen Abänderungen auch in England und in den slawischen Regionen südlich der Ostsee gefunden worden. Er wurde an beiden Orten wahrscheinlich infolge skandinavischen Einflusses eigeführt. Die Schiffe, die Wilhelm der Eroberer, ein Wikingernachkomme, für seine Invasion Englands im Jahr 1066 gebaut hatte, waren vom selben Typ. Die Funde sagen uns auch, daß die Schiffe innerhalb Skandinaviens entsprechend örtlicher Naturgegebenheiten variierten, und es gibt Beweise dafür, daß sie sich technisch während des Wikingerzeitalters entwickelten. Segel scheinen während der Jahrunderte eingeführt worden zu sein, die dem Wikingerzeitalter vorausgingen, obwohl Segelschiffe damals in Westeuropa seit vielen Hunderten von Jahren in Gebrauch gewesen waren. In Skandinavien erlangten Segelschiffe schnell einen Grad der Verfeinerung, der für ihre Zeit herausragend war. Ohne Segel wären die weit ausgedehnten Unternehmungen der Wikinger unmöglich gewesen. Viele der Schiffe sind jetzt mittels Dendrochronologie datiert. Die besterhaltenen und berühmtesten Wikingerschiffe sind die großartigen norwegischen Bestattungsschiffe aus Oseberg und Gokstad in Vestfold.”

Die Dendrochronologie (Altersbestimmung anhand von Baumringen) zeigt, daß das guterhaltene Osebergschiff im Jahr 834 vergraben wurde. Das Gokstadschiff wurde unter einem Begräbnishügel bei einem Bauernhof in Vestfold gefunden und 1880 ausgegraben. Es ist 24 Meter lang, 5 Meter breit und sehr seetüchtig. Beide Schiffe können im Wikingerschiffsmuseum in Oslo besichtigt werden. Tønsberg in der Provinz (Fylke) Vestfold war wahrscheinlich in den 800ern gegründet worden und ist eine der ältesten immer noch existierenden Ortschaften in Skandinavien. Das Handelszentrum Hedeby im südlichen Dänemark blühte vom achten bis zum elften Jahrhundert. Birka westlich des heutigen Stockholm in Schweden war über die Ostsee und die Flüsse Osteuropas mit dem Schwarzen Meer, dem Byzantinischen Reich und dem Abbasidenkalifat verbunden. Die Nordmänner nannten das beeindruckende Konstantinopel Miklagard (“die Große Stadt”).

Nachdem sie lange Reisen unternommen hatten, auf denen sie überall Feinde abzuwehren hatten, ist es nicht überraschend, daß die Skandinavier zu dieser Zeit sich einen Ruf als wilde, entschlossene Krieger erwarben. Wie Timothy Gregory in A History of Byzantium sagt, litt das Byzantinische Reich an einem Niedergang seiner Wehrpflichtigenarmee. Aus diesem Grund “mußte der Staat sich mehr und mehr auf ausländische Söldner verlassen, zuerst auf Waräger aus Rußland, aber dann zunehmend auf Normannen aus Sizilien und Frankreich, Angelsachsen aus England und andere. Der Berühmteste von diesen war der Waräger Duzina, der ab 1034 bestätigt ist, zusammen mit angeworbenen Wikingern aus Rußland und schließlich Angelsachsen. Diese Elitegarde, deren Mitglieder besondere Waffen und Uniformen trugen, hatte ihr Quartier in Konstantinopel, nahm aber auch an Feldzügen teil.”

Die Warägergarde, die sowohl für ihre massiven Streitäxte wie auch für ihre Trunksucht bekannt war, verteidigte Konstantinopel während des schändlichen Vierten Kreuzzugs im Jahr 1024. Einer ihrer prominenten Mitglieder war der zukünftige König Harald Hardråde (1015-1066), der “harte Herrscher,” dessen Geschichte vom isländischen Dichter und Historiker Snorri Sturluson (1178-1241) in der Heimskringla erzählt wird. Harald nahm an einer Anzahl von Schlachten gegen Moslems teil und kehrte mit großem Reichtum nach Norwegen zurück. Darin war er nicht der einzige. Viele byzantinische Goldmünzen und islamische Silbermünzen sind in Skandinavien gefunden worden. Am meisten erinnert man sich seiner wegen seiner Invasion Englands mit mehreren hundert Langschiffen. Hardråde wurde 1066 in der Schlacht von Stamford Bridge in England getötet. Der Sieger Harold Godwinson (ca. 1022-1066) wurde selbst von Wilhelm dem Eroberer (ca. 1027-1087) und seinen Normannen in der Schlacht von Hastings im selben Jahr besiegt. Diese Geschichte ist auf dem schönen Wandteppich von Bayeux verewigt worden.

Der nordische Erforscher Leif Eriksson, oder Ericson (ca. 975-ca.1020), Sohn des norwegischen Gesetzlosen Erich des Roten, der zwei norwegische Kolonien in Grönland gegründet hatte, war wahrscheinlich der erste Europäer, der in Nordamerika landete. In den 1950ern und 1960ern vom norwegischen Forscher Helge Ingstad (1899 – 2001) und seiner Frau, der Archäologin Anne Stine Ingstad (1918 – 1997) durchgeführte Forschungen identifizierten eine mittelalterliche norwegische Siedlung, die in Neufundland im östlichen Kanada gelegen hatte.

Wie der Autor Barry Cunliffe in Europe Between the Oceans feststellt, “war die skandinavische Diaspora des achten bis zehnten Jahrhunderts ein bemerkenswertes Phänomen, das in seiner Größenordnung ziemlich beispiellos war. In dem Moment, wo schwedische Wikinger den Kaspischen See überquerten, um in Bagdad Handel zu treiben, segelten Norweger auf der Suche nach geeignetem Land zum Siedeln in Amerika die Küste von Labrador hinunter. Die Skandinavier waren die ersten Europäer, die alle Meere Europas befahren hatten.”

Die einzige vormoderne ozeanische Erkundungstätigkeit, die sich mit der Expansion der Wikinger vergleichen kann, ist die polynesische Expansion von austronesischsprechenden Menschen. Man glaubt, daß der Ursprung der austronesischen Sprachfamilie in Taiwan vor der Südwestküste Chinas vor 3000 v. Chr. liegt. Sie verbreitete sich schubweise von Südostasien ausgehend über all die verstreuten Inseln des Pazifischen Ozeans. Wie Jared Diamond in Collapse schreibt, “war die prähistorische polynesische Expansion der dramatischste Ausbruch menschlicher Forschungstätigkeit über See in der menschlichen Vorgeschichte….Bis um 1200 n. Chr. hatten die Polynesier jeden bewohnbaren Flecken Land in dem enormen Wasserdreieck des Ozens erreicht, dessen Eckpunkte Hawaii, Neuseeland und die Osterinsel sind…sowohl die Entdeckungen als auch die Siedlungstätigkeit wurden sehr sorgfältig geplant.”

Diese Erschließungstätigkeit war sehr herausfordernd und muß einen gewissen Mindest-IQ erfordert haben, um Kanus zu entwickeln, die solch lange Seereisen überstehen konnten. Australische Ureinwohner lebten Zigtausende Jahre nahe am Pazifischen Ozean, aber soweit wir gegenwärtig wissen, hatten sie niemals irgendetwas Ähnliches wie jene polynesischen Reisen unternommen, nicht einmal zum nahegelegenen Neuseeland.

In einem extremen Beispiel der experimentellen Methode, bei dem er sein eigenes Leben aufs Spiel setzte, um die Möglichkeit seiner Theorien zu beweisen, überquerte der norwegische Forscher und Autor Thor Heyerdahl (1914-2002) mit seinem Balsafloß Kon-Tiki 1947 in einer Expedition den Großteil des Pazifischen Ozeans, von Südamerika bis zu den polynesischen Inseln. Er glaubte, daß diese Inseln von Südamerika aus besiedelt worden waren. Jedoch weisen sowohl linguistische als auch genetische Beweise stark darauf hin, daß die Völker, die die pazifischen Inseln bewohnen, südostasiatischer Herkunft sind. Was Heyerdahl aber mit dieser und späteren Fahrten bewies, war dies, daß transozeanische Kontakte mit etwas, das wir heute als relativ einfache Wasserfahrzeuge betrachten würden, zumindest theoretisch möglich waren.

Der beeindruckendste Aspekt der Wikingerexpansion ist der, wie die Skandinavier es schafften, nur wenige Generationen, nachdem sie erstmals mit dem Konzept von Segeln vertraut worden waren, einige der schnellsten Schiffe der Welt zu schaffen. Diese extrem schnelle innovative Reaktion ist nicht ohne Beispiel. Wie Diamond erwähnt, erreichten Feuerwaffen im Jahr 1543 Japan, als zwei portugiesische Abenteurer, bewaffnet mit Arkebusen (primitiven Gewehren) auf einem chinesischen Frachtschiff eintrafen. Die Japaner nahmen schnell eine einheimische Gewehrproduktion auf und “besaßen bis 1600 n. Chr. mehr und bessere Gewehre als jedes andere Land der Welt.” Dies traf auf den Widerstand ihrer zahlreichen und mächtigen Kriegerklasse, der Samurai, für die Schwerter als Klassensymbole galten, aber die Reaktion war nichtsdestoweniger beeindruckend. War diese extrem schnelle Innovationsrate, die in Japan in der jüngeren Zeit in der Elektronik wiederholt wurde, ein Produkt des hohen japanischen Intelligenzquotienten? Jared Diamond stellt diese Frage nicht, aber ich glaube, daß sie relevant ist.

Teil 3

Dass das Klima in irgendeiner Beziehung zu der Kultur und der Mentalität unterschiedlicher Völker stehen könnte, ist eine schon alte Idee, die auf den griechischen Geographen Strabon [gest. um 24 n. Chr] zurückgeht, die es aber auch in China gegeben hat, bei Ibn Chaldun im mittelalterlichen Nordafrika, und in Frankreich bei dem großen politischen Denker Baron de Montesquieu in Vom Geist der Gesetze (De l´esprit des lois, 1748), also lange bevor es eine zusammenhängende Theorie der Evolution oder ein Wissen über genetische Mutation gegeben hat.

Wie wir gesehen haben, ist die hauptsächliche Hypothese über die Intelligenzunterschiede zwischen ethnischen Gruppen, so wie sie von Michael H. Hart in Understanding Human History propagiert wird, die, dass die in kälteren Gegenden lebenden Menschen eine höhere Intelligenz entwickeln mussten, um in ihrer rauhen natürlichen Umgebung überleben zu können. Zehntausende von Jahren lang könnte dies in der Tat der wichtigste Antrieb für die menschliche Evolution gewesen sein, nicht aber unbedingt der einzige. In den letzten Jahrtausenden, nach der Entwicklung der Landwirtschaft und der Städte, haben auch andere zusätzliche Antriebskräfte eine Rolle gespielt. Die Menschen selbst begannen nun zunehmend ihre Umwelt zu formen und können sich jetzt z. B. elektrischer Heizung in subarktischen Gebieten erfreuen. Eine der faszinierendsten Geschichten über die menschliche Evolution hatte aber anscheinend nichts mit kaltem Wetter zu tun, nämlich die Geschichte der Gemeinschaften der aschkenasischen Juden im mittelalterlichen Europa.

Nach einer von Gregory Cochran, Jason Hardy und Henry Harpending im Jahr 2005 vorgestellten Hypothese, die weitgehend von Hart unterstützt wird, ist der außerordentlich hohe durchschnittliche Intelligenzquotient heutiger aschkenasischer Juden ein Beispiel für die Darwinsche Evolution als Antwort auf von außen einwirkenden sozialen Druck, insofern als europäische Juden viele Jahrhunderte lang eine sehr schmale und ungewöhnliche ökonomische Nische als Kaufleute, Steuereintreiber und Geldverleiher innehatten, also Beschäftigungen, für die eine hohe Intelligenz einen großen praktischen Wert hatte. Der christlichen Mehrheitsbevölkerung war es verboten, Zinsen zu nehmen, während den Juden viele Berufe verschlossen waren. Nur dem gelang es in diesem kulturellen Klima, sich zu behaupten und seine Gene weiterzugeben, der einen sehr hohen IQ hatte.

Diese Situation dauerte vom frühen Mittelalter bis zur gesetzlichen Emanzipation der Juden nach der Aufklärung und bewirkte ein soziales Umfeld, das den durchschnittlichen IQ eines ganzen Volkes beträchtlich anhob.

Diese Kombination von Faktoren hatte es in der Antike nicht gegeben. In der islamischen Welt sahen sich die Juden in Handel und Verwaltung in Konkurrenz mit anderen Bevölkerungsgruppen wie z. B. Griechen und Armeniern; sie wurden dort a von den Muslimen auch diskriminiert, aber es ergab sich kein ähnlicher Anstieg des Intelligenzquotienten. Für diesen Effekt genügte „Diskriminierung“ allein nicht.

Der wissenschaftliche Beitrag der Griechen im Zeitraum von 500 v. Chr. bis 200 n. Chr. überragt den vergleichsweise geringen Beitrag der Juden im gleichen Zeitraum in beträchtlichem Maß, aber dieses Bild kehrt sich vom 19. Jahrhundert an völlig um. Jetzt haben wir jüdische Genies wie Einstein, aber keine griechischen Genies mehr, die mit Aristoteles und Archimedes vergleichbar wären. Wir haben keinen überzeugenden Beweis, dass im Altertum die Juden ein sehr hohes Intelligenzniveau gehabt hätten. Diejenigen, die dies behaupten, verweisen auf den unverhältnismäßig großen Einfluss jüdischer religiöser Texte aus dieser Ära, aber das Fehlen herausragender jüdischer Wissenschaftler jener Zeit sowie die Tatsache, dass die Juden des Mittleren Ostens heutzutage keinen ungewöhnlich hohen IQ haben, zeigen, dass die hohe Intelligenz bei den Juden aus der europäischen Diaspora ein Produkt der nach-römischen Zeit ist.

Dieses Beispiel der aschkenasischen Juden ist aus einer ganzen Reihe von Gründen interessant. Zunächst schon allein wegen der Geschwindigkeit der Entwicklung: Die Intelligenz eines ganzen Volkes erhöhte sich um vielleicht 10 IQ-Punkte in ungefähr 1000 Jahren, also um viele Male schneller als die langsamere „klimatische“ Entwicklung eines höheren IQ während der vorhergehenden Jahrtausende. Zweitens, diese Entwicklung war höchstwahrscheinlich von der sozialen und kulturellen Umwelt verursacht, nicht von der natürlichen, wie es während der Steinzeit der Fall gewesen war. Die europäischen Juden haben nicht einen höheren IQ entwickelt, weil sie in einem kälteren Klima als die anderen Europäer lebten; die Entwicklung war die unbeabsichtigte Folge von sozialen Zwängen, die sie in ein schmales Spektrum von Berufen zwang, in denen ein hoher IQ absolut nötig war; und es war ihnen möglich, dieses Merkmal weiterzugeben, weil relativ wenige Heiraten zwischen der christlichen Mehrheit und der jüdischen Minderheit stattfanden. Schließlich aber, und das ist das Wichtigste: dies Beispiel beweist gegen jeden Zweifel, dass die menschliche Evolution bis in historische Zeiten weitergegangen ist und wahrscheinlich sogar heute noch bedeutsame Resultate erzielen kann.

Wie bereits erwähnt, spricht Jared Diamond in Die Schicksale menschlicher Gesellschaften nicht über die Möglichkeit menschlicher Evolution während der letzten 50.000 Jahre, da er dies für „rassistisch“ hält. Jedoch: sein Bestseller wurde von einer Person mit hohem Intelligenzquotienten geschrieben. Die Ironie liegt nun darin, dass Jared Diamonds Theorien die Existenz von Jared Diamond nicht erklären können. Mr. Diamond ist ein Ashkenase, wie es auch Michael H. Hart ist, was nun wiederum bedeutet, dass er aus der ethnischen Gruppe mit dem höchsten durchschnittlichen IQ auf unserm Planeten stammt. Und diese ist nun auch zugleich die ethnische Gruppe mit der höchsten Zahl an Nobelpreisen – bezogen auf die Kopfzahl der Gruppe – in den Naturwissenschaften, was ein starker Hinweis darauf ist, dass der IQ tatsächlich etwas misst, das in der Diskussion über Intelligenz von Relevanz ist.

Es lassen sich mehrere Einwände gegen den IQ als Messinstrument erheben. Der bei weitem am häufigsten erhobene ist der, dass es unmoralisch ist, weil es impliziert, dass nicht alle Menschen die gleiche Intelligenz haben. Dies ist ein gänzlich wissenschaftsfeindliches Argument und sollte auch als solches zurückgewiesen werden.

Der zweite Einwand ist, dass Messungen des Intelligenzquotienten von ihrer Natur her „eurozentrisch“ und daher nicht neutral sind, weil sie ursprünglich von Europäern entwickelt wurden. Dies ist ein törichtes Argument. Fast alle modernen Messungen von allen möglichen Größen, von der elektrischen Ladung bis zum Luftdruck, wurden von Westeuropäern erfunden. Soweit ich weiß, waren Europäer die einzigen, die ein Barometer konstruiert und damit eine Methode zur Messung des atmosphärischen Druckes entwickelt haben. Man müsste also, will man dieser Logik folgen, genau wie den IQ auch die meteorologischen Begriffe „hoher Druck“ und „niedriger Druck“ zurückweisen, da diese Konzepte ausschließlich von Europäern entwickelt worden sind. Wer das tut, dem wünsche ich viel Glück bei dem Versuch, eine nicht-europäische Wettervorhersage zu schaffen.

Ein anderer möglicher Einwand ist, dass die menschliche Intelligenz zu komplex ist, um von einfachen Tests und Zahlen erfasst zu werden. Intelligenz ist eine komplexe Einheit, die sich aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt, von denen nicht alle vom IQ hinreichend gemessen werden, aber es ist bewiesen, dass wenigstens einige Aspekte der Intelligenz von solchen Tests angezeigt werden können. Juden europäischer Herkunft bilden die ethnische Gruppe auf dem Planeten mit dem höchsten Durchschnitts-IQ, sie haben aber nie ein eigenes Land gehabt. Israel ist ein vorwiegend jüdischer Staat, hat aber eine große Minderheit muslimischer Araber, und die Juden aus dem Mittleren Osten und aus Äthiopien haben keine so hohen IQs. Deswegen ist wahrscheinlich Japan das Land mit dem höchsten durchschnittlichen IQ, was sehr gut zu dem hohen technologischen Niveau Japans passt. Die Ostasiaten – Koreaner, Japaner und Chinesen – haben alle sehr hohe IQs. In den Universitäten des Westens, wo Menschen aus allen Teilen der Welt unter den gleichen Voraussetzungen miteinander konkurrieren, sind es die Juden, Ostasiaten und Europäer, die allgemein am besten abschneiden, und sie alle gehören zu Gruppen mit hohem IQ.

Wenn „Asiaten“ ein durchschnittlicher IQ von rund 105 zugesprochen wird, dann sind Ostasiaten, oder, genauer gesagt, Nordostasiaten gemeint, in erster Linie also Japaner, Koreaner und Chinesen. Ich bin bereit, diese Zahl als mehr oder weniger zutreffend anzunehmen. Dass Menschen europäischen Ursprungs bereit sind, diese IQ-Tests zu akzeptieren, obwohl sie nicht unbedingt an der Spitze der Rangfolge erscheinen, stärkt die Glaubwürdigkeit der Intelligenzmessungen. Sogar innerhalb Europas sind Unterschiede in den nationalen Durchschnitts-IQs wahrzunehmen, und sie sind nicht unbedingt insignifikant, sie sind aber nicht annähernd so groß wie die, die man in Asien antrifft. „Asien“ ist eben nur ein geographischer Begriff.

Obwohl der IQ vieles erklärt, gibt es doch eine ganze Reihe von Dingen, die von solchen Einstufungen des IQ nicht erklärt werden. Es ist bemerkenswert, dass sowohl die Wissenschaftliche als auch die Industrielle Revolution (IR) bei den Europäern stattgefunden hat, nicht bei den Ostasiaten trotz der Tatsache, dass die letzteren einen mindestens so hohen Durchschnitts-IQ haben. Dies könnte ein Anzeichen dafür sein, dass der Intelligenzquotient zwar relevante Aspekte der Intelligenz misst, aber eben nicht alle; vielleicht haben die Europäer eine höhere verbale Intelligenz. Es könnte auch sein, dass bei Weißen, also Menschen europäischer Abstammung, eine höhere Standardabweichung vorliegt als bei Ostasiaten, was bedeutet, dass es bei ihnen mehr Menschen mit sehr niedrigem, aber auch mehr mit extrem hohem IQ gibt.

In seinem Buch The Lever of Riches: Technological Creativity and Economic Progress unterscheidet der amerikanische Wirtschaftshistoriker Joel Mokyr zwischen „Mikroerfindungen“, die bereits existierende Technologien verbessern bzw. adaptieren – wodurch sie billiger und effizienter werden -, und „Makroerfindungen“, die eine neue Idee umsetzen, ohne einen Vorgänger zu haben. Beide Arten von Erfindungen sind für wirtschaftliches Wachstum nötig. Während man eine große Zahl von Menschen mit einigermaßen hoher Intelligenz braucht, um eine hochentwickelte Gesellschaft in Gang zu halten und um kleinere Verbesserungen hinzuzufügen, so gibt es Gründe anzunehmen, dass wissenschaftlicher und technischer Fortschritt von allem von Genies angetrieben wird. Um die allgemeinen Gesetze der Schwerkraft festzustellen, ist eine Person von der Intelligenz eines Isaac Newton nötig, nicht aber tausend Individuen von lediglich durchschnittlicher Intelligenz. Oder: es ist eine kleine Zahl von Genies nötig, von denen Newton eben das größte war; nicht einmal er hätte erreichen können , was er erreicht hat, ohne die vorausgegangene Arbeit von Männern wie Kopernikus, Tycho Brahe, Kepler und Galilei.

Um nun zu erklären, warum die Wissenschaftliche Revolution in Europa und nicht in Ostasien stattgefunden hat: es ist sehr wahrscheinlich, dass wenn erst einmal ein bestimmtes Minimalniveau durchschnittlicher Intelligenz erreicht ist, vielleicht ein IQ so um 100, wie es bei vielen europäischen Völkern der Fall ist, dass dann zusätzlich andere Kräfte und Faktoren ins Spiel kommen, z. B. das Recht, die Religion, das Erziehungssystem und die politischen Gegebenheiten. Ich will im folgenden einige dieser Faktoren untersuchen, wobei ich mich vor allem auf den Gegensatz zwischen China und Westeuropa konzentriere.

Michael Hart versucht nicht, auf alles eine genetische Erklärung anzuwenden. Warum zum Beispiel ist das Weströmische Reich zusammengebrochen? Es sind sehr verschiedene Deutungen von Historikern vorgetragen worden, aber ein wirklicher Konsens ist nicht zustande gekommen. Ein Faktor war der Verlust der traditionellen Religion, wobei das Erstarken des Christentums sowohl die Wirkung als auch die Ursache war. Ein anderer könnte das Verschwinden patriotischer und nationaler Gefühle gewesen sein. Die Expansion der Römer ging von der Stadt Rom und den umliegenden Gegenden aus, aber als vom dritten nachchristlichen Jahrhundert an nicht mehr nur Stadtrömer und Italier römische Bürger waren, sondern alle freien Bürger, gab es keine starke ethnische Loyalität zum Imperium mehr. Dieser Niedergang von traditioneller religiöser und ethnischer Religiosität ging mit anwachsender öffentlicher Korruption einher. Hart gelangt zu dem Schluss, dass der Grund für den Zusammenbruch des Römischen Reichs eine noch nicht entschiedene Frage ist, er favorisiert jedoch eine Kombination von Hypothesen über den sozialen Verfall und über etwaige klimatische Veränderungen, aber nicht primär eine genetische Erklärung.

Große industrielle Unternehmen mit Hunderten von Beschäftigten – Werften und Bergwerke zum Beispiel – waren auch vor der Industriellen Revolution nicht gänzlich unbekannt. Die IR hat das Fabriksystem nicht „erfunden“, es aber verbreitet, so dass es nun Fabriken in Bereichen gab, wo vorher keine gewesen waren. Die mit Wasserkraft angetriebene Spinnmaschine des Engländers Sir Richard Arkwright (1733-1792) war eine der wichtigen Neuerungen in diesem Prozess. Die britischen Baumwollspinnereien begannen bald darauf, ihre Maschinen mit Dampfkraft anzutreiben, und wurden schnell größer. Fabriken drangen auch in andere Bereiche der Textilindustrie vor.

Warum hat die Industrielle Revolution in Großbritannien angefangen? Nach Hart hat sie nur in einem Land beginnen können, in dem die durchschnittliche Intelligenz der Bevölkerung sehr hoch war, aber es war unwahrscheinlich, dass sie in einer Region begann, wo der Durchschnitts-IQ zwar hoch, die Bevölkerungsdichte aber niedrig war, wie z. B. in Skandinavien. Wiederum war die Wahrscheinlichkeit in einer Region größer, in der es Sklaverei kaum oder gar nicht gab, da ein Überfluss an billigen Arbeitskräften mit einem geringen Bedarf an Arbeit sparender Maschinerie und Technologie verbunden ist. Dies war einer der Faktoren, der bei den Römern der Antike eine solche Entwicklung verhinderte.

Ein beträchtliches intellektuelles Ferment in einer Gesellschaft macht ein Entstehen einer Industriellen Revolution wahrscheinlicher; in Spanien und Portugal verhinderte die Inquisition, dass sich dort heterodoxe Ansichten artikulierten, Russland war politisch repressiv. In einigen Gebieten Westeuropas trugen die Wirkungen der überseeischen Erkundungen zu dem intellektuellen Ferment der Ära nach der Renaissance bei. Dies war für Länder wie Deutschland und Polen vergleichsweise zum Nachteil. Das Entstehen einer Industriellen Revolution war auch wiederum in einer Region, die politisch fragmentiert war, wie Italien oder Deutschland, weniger wahrscheinlich, da die Gebiete mit freiem Handel und die Binnenmärkte kleiner waren.

Von großem Vorteil war es, reichlich lokale Eisenerzvorräte und Kohlelagerstätten zu haben, da diese Ressourcen während der IR besonders wichtig waren. Günstiger waren auch die Voraussetzungen für eine Industrielle Revolution in einem politisch stabilen Land mit gesicherten Eigentumsrechten. Obgleich eine Anzahl dieser Faktoren in mehreren Ländern anzutreffen war, war Großbritannien das einzige Land, auf das alle Voraussetzungen zutrafen. Das besagt nun nicht, dass es vorherbestimmt war, dass die IR in Großbritannien begann, aber es war dort wahrscheinlicher als irgendwo sonst.

Ich stimme mit Hart nicht in allen Punkten überein. Understanding Human History gibt Anlass zum Nachdenken und ist daher lesenswert, aber hin und wieder verlässt er sich etwas zu sehr auf den Intelligenzquotienten als eine Allzweck-Erklärung. Wie Hart selber betont, ist der Westen 2500 Jahre lang Ostasien in der Mathematik überlegen gewesen, zeitweise sogar in beträchtlichem Maße. Dieser Unterschied könnte sich jetzt verringern und in Zukunft nicht mehr so deutlich sein, aber in der Vergangenheit war er deutlich. Trotz der Tatsache, dass China einen substantiell höheren durchschnittlichen IQ als Indien hat, kann man doch behaupten, dass die höchsten Gipfel, die die indischen Mathematiker erreicht haben, doch genauso hoch sind wie die der chinesischen Mathematiker. Es ist schwierig, einen einzelnen chinesischen Mathematiker zu benennen, der in seinem Können und in seiner Bedeutung höher als Brahmagupta eingestuft werden sollte.

Als Grund, warum Japan das erste nicht-westliche Land gewesen ist, das sich erfolgreich industrialisiert hat, lässt sich durchaus die hohe Intelligenz der Japaner anführen. Die IQ-Hypothese erklärt jedoch nicht, warum Japan im 19. und 20. Jahrhundert in dieser Hinsicht besser abgeschnitten hat als das Hoch-IQ-Land China. Meine persönliche Meinung ist, dass der Grund hierfür kulturelle Flexibilität gewesen ist: weil die Japaner Chinas Nachbarn sind, hatten sie bereits eine lange Vorgeschichte kreativer technologischer Nachahmung. Für Länder mit einem starken kulturellen Überlegenheitsgefühl, wie es die Chinesen meist gehabt haben, war es schwieriger, vom Westen zu lernen.

Ich könnte hinzufügen, dass die Chinesen sich im frühen 21. Jahrhundert ganz anders verhalten als früher: die bewusste Übernahme von Technologien aus anderen Ländern, wie sie chinesische Studenten und Firmen gegenwärtig im Westen betreiben, hat in der chinesischen Geschichte kein Vorbild, was genau der Grund dafür ist, dass es Erfolg zu haben scheint. China profitiert in großem Ausmaß von den Investitionen westlicher und anderer ausländischer Kapitalisten und ist „die Werkstatt der Welt“ geworden.

Es ist interessant, darüber nachzudenken, was nicht mit dem IQ erklärt werden kann, und dieser Hinsicht hat Harts Buch einige Schwächen. Die gegenwärtige wirtschaftliche Rückständigkeit der Ukraine kann nicht gänzlich mit dem IQ erklärt werden. Sie ist schließlich der wahrscheinlichste Anwärter darauf, die Wiege der gesamten indoeuropäischen Familie zu sein, der größten und einflussreichsten Sprachfamilie in der Geschichte des Menschen, die sich über mehr als fünftausend Jahre in Wellen ausgebreitet hat und es jetzt, mit dem Aufstieg des Englischen als globaler lingua franca, immer noch tut. Die Gründe für die gegenwärtige Schwäche der Ukraine liegen in der Korruption und einer langen Geschichte politischer Repression und eines Mangels an ökonomischer Freiheit.

Das Mittelalter war der Zeuge des Aufstiegs des spezifisch europäischen, insbesondere westeuropäischen Phänomens der halbautonomen Stadt, dessen, was man aufgrund seiner Organisation als Kommune bezeichnet. „Stadtluft macht frei“ lautete das mittelalterliche Dictum. Als der Graf von Flandern versuchte, einen entlaufenen Leibeigenen, auf den er zufällig auf dem Marktplatz von Brügge stieß, wieder als sein rechtmäßiges Eigentum zu beanspruchen, jagte ihn der zum freien Bürger Gewordene aus der Stadt. Die Städte übten deshalb als Zufluchtsorte eine starke Attraktivität aus. Migration in die städtischen Zentren verbesserte das Einkommen und den Status der Migranten und ihrer Familien, jedoch nicht unbedingt ihre Gesundheit. Die Städte waren dreckig und empfänglich für Infektionskrankheiten; hier standen sie den Städten Asiens nicht nach. Nur durch stetigen Zuzug konnten die Städte ihre Einwohnerzahl halten. Die Möglichkeit für Leibeigene in Westeuropa, sich zu befreien, war direkt an „freie“ städtische Kommunen und Dörfer und an das Vorhandensein und die Nähe der offenen Stadttore gebunden.

Wo es nur wenige Städte gab und diese weniger frei waren, wie es weithin der Fall in Osteuropa war, dauerte die Leibeigenschaft an und wurde sogar schlimmer. Zwischen 1500 und 1650 verschlechterten sich die sozialen und rechtlichen Bedingungen der Bauern in der östlichen Hälfte Europas; viele bislang freie Bauern verloren ihre Freiheit. Russische, polnische und andere Lehnsherrn fügten immer mehr Land ihren Besitztümern hinzu und verlangten von ihren Leibeigenen immer mehr unbezahlte Arbeit. Hart war der Alltag der Bauern überall, aber die unübersehbar härteren sozialen Bedingungen im Osten veranlassten Reisende aus Westeuropa zu Kommentaren.

Der politische Einfluss der osteuropäischen Bauern war geringer als im Westen und nahm nach 1400 weiter stetig ab. Viele waren in Erbfron an ihre Herren gebunden und waren zu umfangreicher unbezahlter Zwangsarbeit verpflichtet. Russische Leibeigene mitsamt ihren Familien wurden regelmäßig weiterverkauft, sei es mit oder ohne Land, und die Leibeigenschaft wurde in Russland erst im Jahr 1861 abgeschafft. Der slawische christliche Osten war im zwölften Jahrhundert nicht allzu verschieden von Westeuropa, aber dies änderte sich beträchtlich nach den Eroberungen durch die Mongolen. In A History of Western Society von Mckay, Hill und Buckler (7. Aufl.) heißt es dazu:

„Russland, von fremden Invasoren erobert und unterworfen, schuf ein Herrschaftssystem, wie es im Westen völlig unbekannt war. Auf diese Weise verschärften und vertieften sich in dem langen Zeitraum zwischen 1250 und 1700 die Gegensätze zwischen Russland und dem Westen. Und als der Absolutismus im frühen achtzehnten Jahrhundert unter der rauhen Herrschaft Peters des Großen triumphierte, war dies eine ganz andere Art von absolutistischer Monarchie als die in Frankreich oder Preußen. Wie die Deutschen und die Italiener wären die Slawen des Ostens schwach und territorial fragmentiert aus dem Mittelalter hervorgegangen, hätte es nicht die mongolische Eroberung des Kiewer Fürstentums gegeben.“

Die Mongolen erreichten Westeuropa nicht. Sie drangen zeitweilig dort ein und plünderten, blieben aber nicht in den Ländern Ostmitteleuropas, sondern in Russland, der Ukraine und an den östlichen Rändern Europas. Nachdem sie diese Gebiete erobert und verwüstet hatten, übten die Mongolen mehr als zwei Jahrhunderte lang ihre Herrschaft über die östlichen Slawen aus, das so genannte mongolische Joch. Nachdem Konstantinopel, das Zweite Rom, an die Türken gefallen war, verstanden die Russen Moskau als das „Dritte Rom“, als den legitimen Erben des orthodoxen Christentums. Der Moskauer Fürst war der absolute Herrscher, der Zar – die slawische Kontraktion aus „Caesar“. Die Zaren verstanden sich selber als Khane und übten uneingeschränkte Macht aus:

„Die autokratische Zwangsherrschaft Iwans des Schrecklichen hinterließ bei ausländischen Beobachtern einen nachhaltigen Eindruck: Der deutsche Russlandreisende Sigismund Heberstein schrieb 1571: ´Alle Menschen sehen sich selbst als Cholops, d. h. als Sklaven ihres Fürsten´. Jean Bodin, der französische Denker, der so viel dazu beitrug, das moderne Konzept der Souveränität zu entwickeln, kam zu dem Schluss, dass das politische System Russlands grundlegend verschieden von den Systemen aller anderen europäischen Monarchien und nur mit dem Osmanischen Reich vergleichbar sei. Im Osmanischen Reich und in Russland ´ist der Fürst zum Herrn über die Person und über das Eigentum seines Untertanen geworden . . . und regiert sie wie ein Familienoberhaupt seine Sklaven´. Das Erbe der Mongolen lastete schwer auf Russland.“

Der französische Rechtsanwalt und politische Philosoph Jean Bodin (1530-1596) ist wegen seiner Theorie der Souveränität bekannt, er war aber auch ein Pionier auf dem Gebiet der Ökonomie, der sich mit der Inflation beschäftigte, die durch die Flut des aus Lateinamerika in Spanien ankommenden Silbers verursacht wurde. Unglücklicherweise befürwortete er aber auch die Anwendung der Folter in Fällen von vermuteter Hexerei.

Was war der Grund, dass westeuropäische Herrscher den Bürgern der Städte Rechte gewährten, die letztlich einen Teil der eigenen Macht anderen übertrugen? Ein Grund war, dass Handel und Märkte die eigenen Einkünfte vermehrten und damit auch wieder ihre eigene Macht. Freie Bauern und Städter waren die natürlichen Gegner der Land besitzenden Aristokratie und unterstützten oft die Krone in ihren Auseinanderssetzungen mit den lokalen Adligen. David S. Landes erklärt in: Wohlstand und Armut der Nationen. Warum die einen reich und die anderen arm sind (The Wealth and Poverty of Nations: Why Some Are So Rich and Some So Poor):

„Europäische Herrscher und unternehmerische Adlige, die auf diese Art wachsende Einkünfte erzielen wollten, mussten Handelspartner für sich gewinnen, indem sie Rechte, Freiheiten und Privilegien gewährten – kurz, indem sie Verträge zum gegenseitigen Vorteil abschlossen. Sie mussten sie dazu bewegen, mit ihnen zu handeln. (Das war anders in China, wo die Herrscher Tausende und Zehntausende wie menschliches Vieh verpflanzten, um bessere Erträge zu erzielen.) Diese Befreiungen von materiellen Abgaben und die Gewährung von ökonomischen Privilegien führten überdies oft zu politischen Zugeständnissen und zu politischer Eigenständigkeit. Die Initiative hierzu kam von unten, und dies war ebenfalls ein im wesentlichen europäisches Muster. Es brachte einen Sinn für Rechte und Verträge mit sich – das Recht auf Verhandlung wie auch das Recht auf Antragstellung – mit einem Gewinn an Freiheit und Sicherheit der ökonomischen Betätigung.“

In The Cambridge Illustrated History of China stellt Patricia Buckley Ebrey fest, dass selbst in der dynamischen Song-Periode „die schnelle Entwicklung des Handels und die Entstehung von Handelsstädten nicht die gleiche politische und intellektuelle Rolle in China spielte wie wenig später in Europa. Die chinesischen Städte wurden nicht zu Orten, die man mit persönlicher Freiheit identifizierte.“

Der Aufstieg einer Elite von beamteten Gelehrten, die hauptsächlich wegen ihrer literarischen Fähigkeiten in einem Prozess von Prüfungen ausgewählt wurden, war eine Besonderheit der chinesischen Zivilisation, sowohl in guter wie in schlechter Hinsicht. Die chinesische Gesellschaft beruhte verhältnismäßig stark auf dem meritokratischen Prinzip, dem Prinzip des Aufstiegs durch Leistung. Wer in China niedriger Abkunft war, aber von hoher Intelligenz, der erfreute sich dort gewöhnlich größerer sozialer Mobilität als jemand in Indien. Das indische Kastensystem ist eine außerordentlich starre Institution, in der persönliche Leistung „im Prinzip ausgeschlossen ist“. In Indien gab es keine Organisation für die Vermehrung oder Verbreitung von Wissen, und es existierte eine unüberbrückbare soziale Barriere zwischen Gelehrten und Handarbeitern. Europa hatte einen Vorteil vor allen anderen eurasischen Zivilisationen in Hinsicht auf die Entwicklung selbstbestimmter Organisationen. Der Autor Toby E. Huff führt hierzu aus:

„Ich habe die These aufgestellt, dass das zwölfte und das dreizehnte Jahrhundert eine soziale, intellektuelle und rechtliche Revolution gesehen haben, die die intellektuellen und institutionellen Fundamente für den späteren Bau der modernen Wissenschaft gelegt hat. Das Herz dieser Entwicklung war das Rechtskonstrukt der Korporation, einer Ansammlung von Individuen, die als eine einzelne ´ganze Körperschaft´ anerkannt und der eine rechtliche Autonomie zugesprochen wurde. Als juristische Körperschaften konnten solche Einheiten nicht nur verklagt werden, sondern auch klagen, sie konnten Besitz kaufen und verkaufen, sie konnten ihre Organisation und Verwaltung selbst regeln, entsprechend ihrer Regeln in Streitfällen selbst entscheiden und gemäß dem Prinzip der Wahl durch allgemeine Zustimmung, sowie dem Aphorismus des Römischen Rechts, dass das, was jeden betrifft, auch von jedem erörtert und gebilligt werden soll, handeln. Zu diesen Einheiten mit dem Status rechtlicher Körperschaften gehörten Städte, Wohltätigkeitsorganisationen, Zünfte und Standesorganisationen (besonders der Ärzte), und natürlich Universitäten. Nichts, das dieser Art rechtlicher Autonomie vergleichbar wäre, entwickelte sich in China oder unter dem Islam.“

Joseph Schacht stellt in An Introduction to Islamic Law fest. „Das Konzept der Korporation existiert nicht im islamischen Recht.“ Und: „Es gibt auch keine Koalitionsfreiheit (Vereinigungsfreiheit).“ Dieser Mangel hatte erhebliche Implikationen für die islamische Zivilisation, vor allem im Bereich der wirtschaftlichen Entwicklung, wie Timor Kuran deutlich gemacht hat.

Das Spätmittelalter ist bekannt als die Zeit der Entstehung des Frühkapitalismus, Huff weist aber jede vereinfachende Darstellung einer Verbindung von Geld und Wissenschaft zurück. Er argumentiert, dass das christliche Europa eine intellektuelle Neugier zeigte, die nicht einfach auf eine Angelegenheit wirtschaftlicher Interessen reduziert werden kann:

„Es gab wirklich eine ´kommerzielle Revolution´, die vom 12. Jahrhundert an durch Europa fegte, aber das reicht kaum als Erklärung für das große Interesse in den Universitäten jener Zeit an Aristoteles oder für den Entschluss der Ärzte, Sektionen durchzuführen und die medizinische Ausbildung in das Curriculum der Universitäten aufzunehmen. In ähnlicher Weise gab es einen Anstieg an kommerziellen Aktivitäten im 16. Jahrhundert, aber dies erklärt ebenfalls kaum die Motivation des Klerikers Kopernikus, oder von Galilei, Kepler und Tycho Brahe, gegen die Interessen der Kirche eine neue Astronomie zu entwickeln.“

Es ist wahr, dass es keine automatische Beziehung zwischen Wohlstand und Wissenschaft gibt; China war Jahrhunderte lang die größte Ökonomie der Welt, es hat aber nie etwas hervorgebracht, das der europäischen Wissenschaftlichen Revolution ähnlich gewesen wäre. Einer der extremsten Fälle wäre in diesem Zusammenhang das Saudiarabien des 20. Jahrhunderts, das unzählbare Milliarden an seinen Ölvorräten verdient hat, aber buchstäblich nichts von Wert in den Künsten und Wissenschaften beigesteuert hat. Das bedeutet nun nicht notwendigerweise, dass keine Verbindung zwischen Wohlstand und Leistung besteht. Sehr wahrscheinlich gibt es eine solche. Die Bankiersfamilie der Medici in Florenz, deren Aufstieg nach dem 13. Jahrhundert stattfand, förderte über Generationen große künstlerische und wissenschaftliche Leistungen in der Toskana, von Künstlern wie Donatello bis zu dem Astronomen und Physiker Galilei. In Gardner’s Art Through the Ages (10. Aufl.) wird festgestellt:

„Besonders bezeichnend für die Kunst waren die wachsende Professionalisierung des Künstlers und der Übergang des Mäzenatentums von der Kirche auf die bedeutenden Fürsten und fürstlichen Familien, sowohl im Verbund mit wohlhabenden Städten als auch unabhängig von ihnen. Wir haben dies in den italienischen Stadtstaaten gesehen. Was dies ermöglichte, war der Erwerb und die Anhäufung von Kapital. Trotz der Kalamitäten dieses Zeitalters, entwickelte sich ein neues ökonomisches System – die Frühphase des europäischen Kapitalismus.“

Die Florentiner „entwickelten eine Kultur, die von einem enormen Wohlstand angeregt und unterstützt wurde, eine Situation sehr ähnlich wie die im Perikleischen Athen, nur mit dem Unterschied, dass in Athen es der Stadtstaat war -und nicht einzelne Privatpersonen -, der die Großbauten, Gemälde und Statuen des Klassischen Zeitalters in Auftrag gab. In Florenz waren es einige wenige illustre Familien, die über den Wohlstand verfügten und zu den führenden Mäzenen der italienischen Renaissance wurden.“ Die Medici waren für ganz Europa die Banker, und „einer der prominentesten Mäzene der Renaissance in Rom, Papst Leo X., der Förderer Raphaels und Michelangelos, war selbst ein Medici, der Sohn Lorenzos des Prächtigen. Nirgendwo sonst im Laufe der Geschichte war eine Familie so eng mit einer großen kulturellen Revolution verbunden. Man kann mit Sicherheit behaupten, dass die Medici die Renaissance finanzierten und austatteten.“

Das Buch The Ancient Economy: Evidence and Models, herausgegeben von J. G. Manning und Ian Morris, ist ein gemeinschaftliches Unternehmen verschiedener Gelehrter zur Erforschung der Wirtschaft im antiken Ägypten und Nahen Osten und in der griechisch-römischen Welt. Es besteht ein Konsens unter den Wissenschaftlern, dass die antike Welt nicht „kapitalistisch“ im modernen Sinn war. Wirtschaftliches Wachstum in jenen Gesellschaften kann nicht mit den Beispielen nachhaltigen Wirtschaftswachstums verglichen werden, die wir aus der Neuzeit in den westlichen Ländern kennen. Es gibt indes eine ausgedehnte Debatte, ob es damals überhaupt Wachstum gegeben hat. Archäologische Funde lassen annehmen, dass in Griechenland von 800 bis 300 v. Chr. eine Verbesserung des Lebensstandards zeitgleich mit einem stärkeren Anwachsen der Bevölkerung stattgefunden hat.

Die Sklaverei in der griechischen und besonders in der römischen Gesellschaft hat definitiv den Anreiz, arbeitssparende Technologien zu entwickeln, vermindert, obgleich Sklavenarbeit nicht immer reichlich zur Verfügung stand und billig war. Bei den Griechen und Römern der Antike fehlte eine Tradition, mit beharrlicher Anstrengung eine technische Lösung für ein Problem zu finden, und oft wirkte sich ein Vorurteil gegen körperliche Arbeit nachteilig aus. In der griechisch-römischen Welt herrschte die Vorstellung, dass Wohlstand vorzugsweise vom Land kommen sollte. Handel galt so gerade als sozial akzeptabel, wohingegen gewerbliche Arbeit verachtet wurde. Wassermühlen breiteten sich langsam während des Imperiums aus, ihr Potential wurde aber nicht in vollem Ausmaß genutzt. Nachhaltiges Wachstum in Relation zur Bevölkerungszahl erfordert nachhaltigen technischen Fortschritt. Das römische Wirtschaftswachstum war gering, weil es auch der technische Fortschritt war – es gab ihn zwar, aber er war gering.

Der schottische Philosoph Adam Smith, Professor an der Universität von Glasgow, veröffentlichte 1776 sein berühmtes Werk Der Wohlstand der Nationen, in dem er ein Plädoyer für die Freiheit des Unternehmertums hielt. Die Regierung sollte sich so wenig wie möglich in die Wirtschaft einmischen und sich auf drei hauptsächliche Pflichten beschränken: die Verteidigung gegen ausländische Invasoren sicherstellen, die öffentliche Ordnung durch Polizeischutz und Justiz aufrechterhalten, und bestimmte öffentliche Arbeiten und Institutionen finanzieren, die von Privatleuten betrieben keinen angemessenen Gewinn erzielen können. Smith erklärte das Verfolgen des eigenen Interesses in einem konkurrenzorientierten Markt für die Quelle eines natürlichen harmonischen Gleichgewichts. Die „unsichtbare Hand“ des freien Wettbewerbs werde allmählich zu wachsendem Wohlstand für alle führen.

Nach dem Wissenschaftler Richard Saller existieren verschiedene Hauptursachen für Wachstum: wie auch von Smith schon betont sind es Handel, der Spezialisierung zur Folge hat die gesteigerte Investition von Kapital, Investitionen in das Humankapital und die Bildung, sowie ein verbesserter Rahmen für ökonomische Aktivitäten. Sicherlich gab es Handel in der Antike, aber es gibt nur wenige Anzeichen für ein nach unserem Verständnis modernes kapitalistisches Konzept des kalkulierten Investments in bessere Technologien, um damit künftig die Produktivität zu steigern:

„Plinius der Ältere (Naturgeschichte 14.49-51) berichtet von dem für damals untypischen Beispiel des Remmius Palaemon, der in der Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts einen heruntergekommenen Weinberg außerhalb Roms kaufte, mit Hilfe traditioneller Technik viel Arbeit investierte und den jährlichen Ertrag so sehr steigerte, dass er einige Jahre später mit einer einzigen Jahresernte zwei Drittel des Kaufpreises für den Weinberg erzielte. Man könnte das so auf sich beruhen lassen und diese Geschichte lediglich als ein Beispiel eines Kapitalinvestments ansehen, aber das Ende der Geschichte ist bezeichnend: Plinius sagt nicht, dass Palaemons Beispiel andere Römer zu ähnlichen Kapitalinvestments inspiriert habe, sondern dass Seneca gekommen sei, um den Weinberg zum Vierfachen des ursprünglichen Preises zu kaufen, weil er von dem Verlangen (amore) erfüllt gewesen sei, diesen landwirtschaftlichen Modellbetrieb zu besitzen, nicht aber, um durch ähnliche Investitionen anderswo einen eigenen Profit zu erzielen.“

Die norditalienischen Kaufleute des vierzehnten Jahrhunderts waren „neue Kapitalisten“, die eine kommerzielle Revolution schufen. Während des Römischen Reichs zeigten die Bewohner Italiens kein Interesse am kapitalistischen Strukturen oder an theoretischer Naturwissenschaft. Die Italiener im Zeitalter der Renaissance waren auf beiden Gebieten Pioniere. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Veränderungen der Gene bzw. des IQ dies erklären. Die Erklärung ist eine Veränderung in der Einstellung der Menschen.

Manche sehen einen Zusammenhang zwischen der „industriellen Mini-Revolution“ des europäischen Mittelalters mit ihrem Einsatz von Windmühlen, Wasserkraft und anderen Maschinen, die menschliche oder tierische Muskelkraft ersetzten, und der industriellen Revolution, die einige Jahrhunderte später stattfand. Es stimmt, dass Europa im Mittelalter eine führende Rolle in der Entwicklung Arbeitskraft sparender Maschinen hatte. In diesem Fall kann man die spätere Entwicklung als eine Fortführung sehen, der Gebrauch fossiler Brennstoffe wie Kohle und Öl für den Antrieb von Maschinen und Motoren von Autos, Schiffen und Flugzeugen nach dem neunzehnten Jahrhundert hat aber die ganze Welt verändert. Wie Joel Mokyr sagt: „Die Industrielle Revolution stellt einen grundlegenden Wandel dar, der in der ganzen Geschichte der Menschheit ohne Beispiel ist.“

Nach Avner Greif (in: The Ancient Economy) hat das moderne Wirtschaftswachstum seine Wurzeln im Mittelalter und spiegelt einen wirtschaftlichen, sozialen, gesetzlichen und politischen Prozess wieder, durch den die westeuropäischen Nationen die ersten modernen Ökonomien geschaffen haben. Das Wasserrad wurde von den Römern nicht in dem Maße gebraucht wie im Europa des Mittelalters, es stellt aber als „die erste Maschine“ die nicht Mensch oder Tier, sondern eine unbelebte Naturkraft zu einem produktiven Nutzen zu Lande nutzbar macht, einen bedeutenden konzeptionellen Durchbruch dar“. Es kommt noch hinzu, dass die Römer den Europäern eine länderübergreifende, Gemeinsamkeit schaffende Gelehrtensprache zurückließen, das Latein, sowie das Römische Recht:

„Das römische Erbe im Westen schließt auch die römische Rechtstradition ein. Viele Ökonomen stimmen darin überein, dass eine besondere Rechtstradition nötig ist, um ein Wirtschaftswachstum im modernen Sinn zu schaffen und zu erhalten – eine Rechtstradition, in der Regeln verändert werden können, um den sich verändernden wirtschaftlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, und die individuelle Eigentumsrechte und Freiheiten sicherstellt. Solch eine Tradition existiert in der westlichen Welt, und sie ist das Erbe der Römer. Sie haben die europäische Rechtstradition konzipiert und verschiedenen Herausforderungen zum Trotz hat sie den Test der Zeit bestanden. Man kann sich nur fragen, ob das moderne Wirtschaftswachstum in Europa möglich gewesen wäre, wenn es eine der anderen Rechtstraditionen gehabt hätte, die anderswo entstanden sind, wie z. B. das göttliche Recht, das die muslimische Welt beherrscht.“

Greif, der ein Wirtschaftsprofessor an der Stanford University in den Vereinigten Staaten ist, führt seine Sichtweise in Institutions and the Path to the Modern Economy: Lessons from Medieval Trade näher aus:

„Die Quellen des modernen europäischen Wirtschaftswachstums unterscheiden sich von jenen seines mittelalterlichen Vorgängers. Das mittelalterliche Wachstum beruhte auf dem von Adam Smith beschriebenen, das sich Spezialisierung und Handel zunutze macht. Das Wachstum der Moderne beruht auf Wissenschaft und Technologie, welche die Produktionsabläufe verändern und vorher nutzlose Ressourcen in nutzbare verwandeln. Veränderungen in den kulturellen Annahmen hinsichtlich der Natur, der Rolle und des Potentials nützlichen Wissens – also der Wissenschaft und der Technologie – in den hundert Jahren vor 1750 trugen direkt zu diesem Wandel bei (Mokyr 2002). Interessant ist jedoch, dass individuelles Bemühen von Einzelnen sowie autonome, nicht auf verwandtschaftlichen Beziehungen basierende Körperschaften (ähnlich den mittelalterlichen Universitäten, wie z. B. der Lunar Society und den Royal Societies) für die Verbreitung dieser Annahmen wesentlich waren, indem sie die Ressourcen für ihre Verwertung mobilisierten und sie damit zu einer Einflussgröße für weitere Entwicklungen machten. Die Ziele dieser Körperschaften waren von denen eines Großteils ihrer mittelalterlichen Vorgänger verschieden, aber ihre institutionellen Strukturen waren überraschend ähnlich.“

Die wissenschaftlichen Gesellschaften des siebzehnten Jahrhunderts unterschieden sich von den Universitäten des Mittelalters dadurch, dass sie stärker auf die experimentelle Naturwissenschaft und weniger auf die Aristotelische Philosophie ausgerichtet waren. Dies war der wahre Beginn der organisierten modernen Naturwissenschaft, aber ihr Fundament war das Netzwerk der europäischen Universitäten. Für Avner Greif zentriert sich die Struktur westlicher Gesellschaften um Organisationen und Institutionen, die aus einer definierten Zielvorstellung heraus als autonome Organisationen geschaffen wurden, wie z. B. Zünfte und Universitäten, und die nicht auf verwandtschaftlichen Beziehungen beruhen wie die Stammes- und Klanstrukturen im Orient:

„Diese Organisationen – hauptsächlich in der Gestalt von Körperschaften – waren für Europas politische und wirtschaftliche Verfasstheit in der spätmittelalterlichen wie auch in der modernen Wachstumsperiode essentiell. … Autonome, interessebasierte, verwandtschaftsunabhängige ökonomische und politische Körperschaften wurden deshalb etabliert. Seitdem bildet diese besondere gesellschaftliche Organisationsform den Hintergrund für die Praxis und die Resultate der spezifisch europäischen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen und ist der gemeinschaftliche Nenner für scheinbar so verschiedene historische Phänomene wie die spätmittelalterliche ökonomische Wachstumsphase, den Aufstieg der europäischen Wissenschaft und Technologie (Mokyr 2002) und für die Entstehung des modernen europäischen Staates, der die höchste Manifestation einer autonomen, nicht verwandtschaftsbasierten, sich eher aus Individuen als aus gesellschaftlichen Einheiten zusammensetzenden Körperschaft ist (Greif 2004b). Wenn Institutionen essentiell für wirtschaftliche, soziale und politische Resultate sind und deren Entwicklung ein geschichtlicher Prozess ist, dann ist anzunehmen, dass die Wurzeln für den schließlich stattgefundenen Erfolg des Westens in den politischen und ökonomischen Institutionen seiner Vergangenheit liegt.“

Während er einerseits den europäischen Individualismus preist, spekuliert er andererseits auch darüber, ob übertriebener Individualismus und Materialismus zu dem Niedergang des Westens während der letzten Generationen beigetragen hat.

In der nach-römischen Ära hatten Jahrhunderte der Zersplitterung die europäischen Staaten geschwächt. Für ökonomisch Tätige war dies eine Gelegenheit zur Selbstorganisation, sie hätten sich aber auch in einer alternativen Stammesgesellschaft oder einem theokratischen Staat organisieren können, wie es in islamischen Gesellschaften der Fall war. Die Kirche hatte verwandtschaftsbasierte soziale Strukturen geschwächt und zu individualistischen kulturellen Annahmen beigetragen, aber sie war nicht stark genug, aus sich heraus eine politische Dominanz über den europäischen Kontinent zu errichten. Auch bauten die Europäer auf Annahmen und Normen auf, die sie von den Rechtstraditionen der Römer und der Germanen geerbt hatten; das Konzept der Körperschaften hat auch Wurzeln in der Römerzeit.

Die Sichtweise des Feudalismus, dass politische Autorität auf dem Vertrag zweier Seiten basiert und nicht allein territorial begründet ist, trug ebenfalls zur Schaffung autonomer Körperschaften bei. „Die kulturellen Annahmen und Normen über Individualismus und Korporatismus und über die implizite Legitimität von Menschen geschaffener Gesetze, die denen, die ihnen unterworfen sind, eine einflussreiche Stimme geben, wurden für die gesellschaftliche Organisation wesentlich.“ Gibt es eine direkte Verbindung zwischen dem, was im Spätmittelalter vor sich ging und dem modernen Europa? Es gab während des Zeitalters des Absolutismus in vielen Ländern einen Niedergang der vormaligen mittelalterlichen Autonomie, aber Greif fragt sich, ob man dies nicht als eine Ausnahme in der langen Geschichte Europas sehen sollte. Spätmittelalterliche Neuerungen zeigen sich in gegenwärtigen Praktiken wie z. B. der Handel in Aktien, beschränkte Haftung, Rechnungsprüfung, der Lehrlings- und Gesellenstatus im Handwerk und in der doppelten Buchhaltung. In Institutions and the Path to the Modern Economy:

„Das europäische Handelsrecht, das Versicherungswesen, das Patentwesen, staatliche Kreditaufnahme, Kapitalgesellschaften und Zentralbanken entwickelten sich im Kontext der spätmittelalterlichen Institutionen. In der politischen Sphäre trug die Entwicklung der korporativen Form gesellschaftlicher Organisation zu der Entwicklung bei, die zu dem modernen europäischen Staat führte. Körperschaften trugen dazu bei, die Risiken zu vermindern, die große verwandtschaftsbasierte soziale Strukturen für den Staat generell darstellen und besonders für die Entwicklung der institutionellen Fundamente des modernen, effektiven europäischen Staates, der letztlich eben auch eine Körperschaft ist. Zu diesen Grundlagen gehören das Konzept der juristischen Person, die Trennung zwischen persönlichem Eigentum und Körperschaftseigentum, der Glaube, dass Körperschaften den Interessen ihrer Mitglieder dienen sollten, und die Verfahren kollektiver Entscheidungsfindung. … Hinzu kommt, dass die europäischen Staaten in der vormodernen Periode sich in einer organischen, von unten nach oben verlaufenden Entwicklung formierten.“

Bruce G. Trigger bietet in seinem Buch Understanding Early Civilizations eine vergleichende Studie der frühen Zivilisationen von Mesopotamien bis Mittelamerika. Im prä-imperialen China der Shang-Dynastie und der Zhou-Dynastie [1570 – 221 v. Chr.] waren Einzelpersonen gewöhnlich dem Gutdünken und der Bestrafung ihrer unmittelbaren Herren unterworfen und hatten kaum eine effektive Möglichkeit, eine Aufhebung der Strafe zu erreichen. Waren Menschen von ungleichem Stand involviert, wurde durchgehend der Mächtigere als der angesehen, der im Recht ist; deswegen konnte es gerichtliche Prozesse nur zwischen Gleichen geben. Es gab auch keine Möglichkeit, Vertragsbruch bei Handelsgeschäften einzuklagen:

„In den meisten frühen Zivilisationen wurde das Recht als eine Macht verstanden, Ordnung im sozialen Bereich in einer akzeptierten, wenn auch ungleichen Weise durchzusetzen. Weil jedoch die Gesetze von den jeweils höher Gestellten gemacht wurden, wurden Urteil und Strafmaß von ihnen bestimmt, so dass das ganze Rechtssystem ein wirkungsvolles Instrument war, die jeweils niedriger Gestellten einzuschüchtern. Das chinesische Recht scheint sich von dem anderer früher Zivilisationen sowohl in der Theorie wie in der Praxis nur in der Hinsicht unterschieden zu haben, dass ein Rechtsstreit nur zwischen Gleichgestellten möglich war. Es wurden keine Versuche unternommen, das Rechtssystem in Richtung auf das Ideal eines Mittels, das Gerechtigkeit für alle schafft, weiterzuentwickeln. Dieser frühe chinesische Mangel an Idealismus in Hinsicht auf das Recht scheint langfristige Konsequenzen für die Entwicklung der chinesischen Zivilisation gehabt zu haben, in der sich nie ein starker Sinn sowohl für Privateigentum als auch für individuelle Rechte entwickelt hat.“

Es hat im alten China eine Denkschule, den Legalismus, gegeben, aber diese war ironischerweise eine der totalitärsten Ideologien, die China je hervorgebracht hat, und hat nicht zu einem Rechtsstaat im westlichen Sinne geführt. Von älteren Ideen inspiriert, begann eine zusammenhängende Theorie des Legalismus vom vierten Jahrhundert v. Chr. mit dem Buch des Herrn Shang in Erscheinung zu treten, in dem der Respekt vor Traditionen verspottet wurde. „Unnütze“ Tätigkeiten, die die Menschen von den grundlegenden Aufgaben der Landwirtschaft und des Krieges abhalten, sollten eliminiert werden, wie z. B. Handel und die Pflege der Gelehrsamkeit, die die Menschen ermutigt, sich auf ihre eigenen intellektuellen Überzeugungen zu verlassen.

Das Qin-Königreich [bis 207. v. Chr.] übernahm ein legalistisches Programm und formte Familien zu Verbänden von gegenseitig verantwortlichen Individuen um, in denen ein jeder für alle Gesetzesübertretungen verantwortlich war, die irgendein anderes Mitglied der Gruppe begangen hatte. Die Verwirklichung des Legalismus setzte einen aufgeklärten Herrscher voraus, der aber, ähnlich wie der wahrhaft tugendhafte Herrscher bei dem Konfuzius-Schüler Menzius [Mengzi], für sehr selten gehalten wurde. Der durchsetzungsfähige Qin Shi Huang, der die Staaten des Zeitalters der Streitenden Reiche vereint hatte und 221 v. Chr. der erste Kaiser von ganz China wurde, muss diesem Bild eines aufgeklärten legalistischen Herrschers nahe gekommen sein. Dementsprechend sind die vielen aufgezeichneten Brutalitäten während seiner Herrschaft „nicht das Abbild der Willkür eines launischen Despoten, sondern stehen in engem Zusammenhang mit den legalistischen Vorstellungen bezüglich der Unnachgiebigkeit des Strafrechts und der Notwendigkeit, die Gesellschaft von ´dysfunktionalen´ Einstellungen und Verhaltensweisen zu reinigen.

Einige westliche Beobachter haben den Legalismus mit den Theorien des italienischen Renaissance-Autors Niccolò Machiavelli verglichen. Zwar sind Machiavellis Ideen seit ihrer Veröffentlichung kontrovers beurteilt worden, es ist aber ein aus einer äußerst feindseligen Einstellung zu seinem Werk resultierendes Missverständnis zu glauben, dass er die Absicht hatte, ein totalitäres Regime zu schaffen. Machiavelli hat einfach nur eine nüchterne Beschreibung der verschiedenen, manchmal brutalen Methoden gegeben, die Herrscher anwenden, um die Macht zu gewinnen und zu erhalten. So schreibt Benjamin I. Schwartz in The World of Thought in Ancient China:

„Der Legalismus ist oft mit dem Machiavellismus verglichen worden und es ist wahr, dass beide die Tendenz zeigen, die Machtfrage von allen Überlegungen hinsichtlich der persönlichen Moral zu trennen. Eine Durchsicht von Machiavellis Der Fürst und von Discorsi zeigen, dass er sich nicht mit universellen abstrakten Modellen und Systemen der Kontrolle menschlichen Verhaltens beschäftigt, sondern mit Machtstrategien, die auf die unendlich verschiedenen Umstände der politischen Geschichte anwendbar sind. Als Erbe des Aristoteles ist er bereit, die Möglichkeit von verschiedenen soziopolitischen Organisationsformen zu akzeptieren, und sein idealer Inhaber der Macht nutzt verschiedene Strategien, die die Verschiedenheit der ´politischen Konstitutionen´ in Rechnung stellen.“

Es ist traurig, dass Menschen mit anderen Kulturen manchmal die schlechten Ideen des Westens wie z. B. den Kommunismus bereitwilliger übernommen haben als die guten, von denen wir viele haben. Das soll nicht heißen, dass die Europäer allein den Totalitarismus „erfunden“ haben. Die Inkas in Südamerika haben etwas praktiziert, was dem Kommunismus ähnelt. Auch der Konfuzianismus hat potentiell problematische Aspekte, aber man kann ihn nicht wirklich als totalitär bezeichnen. Totalitarismus im eigentlichen Sinn des Wortes hat in der Ideologie des Legalismus einen in China beheimateten Vorläufer. Es hat schon seinen Grund, weshalb der kommunistische Diktator Mao Zedong (1893-1976) sich persönlich mit dem Ersten Kaiser und nicht mit Konfuzius identifizierte. Der Autor Zhengyuan Fu zieht in Autocratic Tradition and Chinese Politics eine Verbindungslinie vom Ersten Kaiser zu Mao und sagt, das dauerhafteste Merkmal der politischen Tradition Chinas über die letzten 2000 Jahre sei die Autokratie gewesen.

Die Han-Dynastie, die nach der kurzen, aber brutalen Qin-Dynastie die Macht übernahm, machte den Konfuzianismus zur herrschenden Ideologie, was alle chinesischen Dynastien danach aufrecht erhalten haben. Die Han-Kaiser übernahmen und modifizierten die vom Ersten Kaiser geschaffene zentralisierte Bürokratie. Aber auch der Konfuzianismus trug wenig dazu bei, das Recht zu einem wichtigeren Faktor in der Gesellschaft zu machen. Patricia Buckley Ebrey schreibt in The Cambridge Illustrated History of China:

„Es ist der universelle Herrscher, der die politische Ordnung verkörpert und die Macht besitzt, die Gesellschaft unter ihm zum Guten oder zum Schlechten zu verändern. Dem Recht hingegen wurde von keinem chinesischen Denker eine vergleichbare Macht zugedacht. Ob aus konfuzianischer, legalistischer oder sogar taoistischer Perspektive gesehen, Gesetze wurden als reines Mittel zum Zweck gesehen, nicht als etwas Nobles oder Unverletzliches, nicht als etwas, das über den Herrscher hinausgeht.“

Chinesische Staatsbeamte waren Konfuzianer, die mit der Herrschaft der Tugend, nicht mit der Herrschaft der Gesetze befasst waren. Konfuzius hatte sein Denken nicht von systematischen Prinzipien abgeleitet, noch weniger von irgendwelchen Ideen über die Rechte des Individuums. Die konfuzianische Ethik betonte die Notwendigkeit, den förmlichen Gehorsam und den Respekt für jegliche Autorität aufrecht zu erhalten. Das Wort von Autoritätspersonen in Frage zu stellen wurde als unverzeihliches Zeichen der Respektlosigkeit angesehen. Verstöße gegen die Autoritäten und gegen die soziale Ordnung wurden mit besonderer Strenge geahndet. Der Ungehorsam eines Kindes gegenüber seinem Vater war ein schreckliches Verbrechen, während ein Vater, der seinen Sohn wegen Ungehorsam tötete, nur leicht bestraft wurde. Der Autor Harry G. Gelber schreibt in The Dragon and the Foreign Devils: China and the World, 1100 BC to the Present:

„In China ruhte die Gerechtigkeit nicht auf kodifiziertem Recht, sondern auf den sozialen Normen und allgemeinen Prinzipien der konfuzianischen Moral. Diese wurden von den Gerichten, die überdies grundsätzlich die Interessen des Staates berücksichtigten, auf jeden konkreten Fall angewendet. Die Bewahrung der sozialen Ordnung war es vor allem, die in den Gesetzen des Kaiserreiches den Ausschlag gab, und, wie auch noch überwiegend im modernen China, war das Recht ein Werkzeug der Staatsverwaltung, ohne auf eine ´höherstehendes´ Naturrecht bezogen oder Teil eines Systems ähnlich dem römischen communis lex oder dem angelsächsischen common law [ungeschriebenes, von einzelnen Richterentscheidungen weiterentwickeltes Gewohnheitsrecht, Anm. d. Ü.] zu sein. Das brachte natürlich viel Unsicherheit, nicht nur für den Angeklagten, sondern auch für den Richter selbst mit sich. Es gab kein Handelsrecht im modernen westlichen Sinne, obwohl die Beachtung schriftlicher Verträge und sogar mündlicher Absprachen von Verwaltungsbeamten durchgesetzt werden konnte. … Ebenso wenig gab es das Konzept der juristischen Person (Firmen, Genossenschaften). Auch eine Entsprechung zu den westlichen Vorstellungen von der Bindung der abschließenden Parteien an schriftliche und unterzeichnete Verträge war unbekannt. … Und schließlich, auf der Basis des chinesischen Systems der kollektiven Verantwortung konnte jemand, der persönlich unschuldig war, ohne weiteres als Repräsentant einer Gruppe, als Sündenbock, hingerichtet werden. Da die Familiensolidarität ein solch beherrschendes Element der chinesischen Gesellschaft war, wurde häufig Schuld aufgrund bloßer Zugehörigkeit angenommen und die Bestrafung von Verwandten wurde regelmäßig praktiziert.“

Teil 4

Der deutsche Soziologe Max Weber (1864-1920) identifizierte den Kapitalismus in seiner einflußreichen Studie Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus mit dem protestantischen Zweig des Christentums. Ich halte es in der Tat für zutreffend zu sagen, daß sich die protestantischen Nationen bei der Annahme von Wissenschaft und Kapitalismus als besonders dynamisch erwiesen haben; der Protestantismus ermutigte gewöhnliche Leute zum Lesen der Bibel in der Volkssprache, was die Alphabetisierung beschleunigte. Dennoch gibt es keinen Zweifel, daß die Grundlagen des Kapitalismus im katholischen Europa geschaffen wurden, in den mittelalterlichen Stadtstaaten Norditaliens.

Der westliche Wohlstand begann mit dem städtischen Wachstum und dem Handel im zwölften Jahrhundert und beschleunigte sich während der Renaissance zum siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert hin mit der Entwicklung einer relativ autonomen Klasse professioneller Kaufleute. Friedrich von Hayek (1899-1992), ein österreichischer und später britischer Ökonom und Philosoph, identifizierte einen neuen Individualismus, der vom Christentum und der Philosophie der klassischen Antike hervorgebracht und während der Renaissance entwickelt worden war. Er erklärt dies in seinem Klassiker Der Weg zur Knechtschaft:

“Von den Handelsstädten Norditaliens verbreitete sich die neue Lebenssicht mit dem Handel nach Westen und Norden, durch Frankreich und den Südwesten Deutschlands zu den Niederlanden und den britischen Inseln und schlug überall feste Wurzeln, wo es keine despotische politische Macht gab, um sie zu ersticken…. Während dieser ganzen neuzeitlichen Periode europäischer Geschichte war die allgemeine Richtung der gesellschaftlichen Entwicklung die, daß sie den einzelnen von den Banden befreite, die ihn an die gebräuchlichen oder vorgeschriebenen Wege beim Nachgehen seiner alltäglichen Aktivitäten gebunden hatten…. Das vielleicht größte Ergebnis dieser Entfesselung individueller Energien war das wundersame Wachstum der Wissenschaft, das dem Marsch individueller Freiheit von Italien nach England und darüberhinaus folgte…. Erst seit die Gewerbefreiheit den Weg zum freien Gebrauch des neuen Wissens geöffnet hatte, erst seit alles ausprobiert werden konnte – falls man jemanden finden konnte, der dies auf eigenes Risiko unterstützte – und, sollte man hinzufügen, genausooft von außerhalb der mit der Kultivierung des Lernens beauftragten Behörden wie innerhalb davon, hat die Wissenschaft die großartigen Fortschritte gemacht, die in den letzten hundertfünfzig Jahren das Gesicht der Welt verändert haben.”

Das westliche Wachstum hat Wurzeln im Mittelalter. Nathan Rosenberg und L.E. Birdzell Jr. gehen dem in How The West Grew Rich: The Economic Transformation Of The Industrial World nach:

“Anfänglich entsprang die Erlangung der Autonomie durch den Westen einer Entspannung oder Schwächung politischer und religiöser Kontrollen, was anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens die Gelegenheit gab, mit Veränderungen zu experimentieren. Wachstum ist natürlich eine Form von Veränderung, und Wachstum ist unmöglich, wenn Veränderung nicht zulässig ist. Jede erfolgreiche Veränderung erfordert ein großes Maß an Freiheit zum Experimentieren. Eine Gewährung dieser Art von Freiheit kostet die Herrscher einer Gesellschaft ihr Gefühl der Kontrolle, als würden sie die Macht zur Bestimmung der Zukunft der Gesellschaft an andere abtreten. Die große Mehrheit der Gesellschaften in der Vergangenheit und Gegenwart haben es nicht zugelassen. Genausowenig sind sie der Armut entkommen.”

Der Welthandel ist bis ungefähr 1840 in bescheidenem Maß gewachsen und hat dann abgehoben. 1913 war der Wert des Welthandels etwa fünfundzwanzigmal so hoch, wie er um 1800 gewesen war, obwohl die Preise für Fertigwaren und Rohstoffe in vielen Fällen niedriger waren. Zum ersten Mal war eine wahre Weltwirtschaft geschaffen worden, mit Mittelpunkt in Europa. Großbritannien spielte eine besonders prominente Rolle beim Einsatz des Handels, um die Welt und das ausgedehnte britische Empire wirtschaftlich miteinander zu verbinden. Dies wurde in großem Maße durch die Entwicklung neuer Verkehrs- und Nachrichtenmittel erleichtert. Eisenbahnen breiteten sich über ganz Europa und Nordamerika bis nach Südamerika, Asien und Afrika aus und verringerten zusammen mit Dampfschiffen die Transportkosten drastisch. Internationaler Handel wurde auch durch den Bau des Suez- und des Panamakanals erleichtert. Die industrielle Revolution stellte einen Punkt beispielloser europäischer Macht dar.

Bis 1880 kontrollierten europäische Nationen erst 10 % des afrikanischen Kontinents. Dann kam der “Wettlauf um Afrika”, wo der Besitz von Kolonien zu einer Art Statussymbol wurde. Der europäische Imperialismus erreichte zu dieser Zeit in Asien ebenfalls seinen Höhepunkt, als die Niederländer ihre Herrschaft über Java auf den Großteil dessen ausdehnten, was heute Indonesien ist, die Briten vertieften ihre Kontrolle über Besitzungen wie Indien, die Franzosen errichteten ihre Herrschaft über einen weiten Bereich von Indochina wie auch Westafrika, und die Vereinigten Staaten erwarben 1898 nach dem spanisch-amerikanischen Krieg die Philippinen. Insgesamt waren die wirtschaftlichen Gewinne aus diesen Kolonien in vielen Fällen überraschend begrenzt. Sie wurden oft mehr aus politischen als aus wirtschaftlichen Gründen erworben. Die technologische Überlegenheit ließ viele Europäer zur aufrichtigen Überzeugung gelangen, daß sie andere Völker “zivilisieren” könnten, eine Idee, die in Rudyard Kiplings Gedicht White Man’s Burden verkörpert ist.

Laut den Autoren Rosenberg und Birdzell “pflanzte der Kolonialismus die Saat für die frühe Entwicklung der heutigen Volkswirtschaften Nord- und Südamerikas — eine beeindruckende Errungenschaft. Aber die spanischen, portugiesischen, englischen, französischen und niederländischen Kolonialerfahrungen und ihre Konsequenzen waren vielfältig, selbst in den Amerikas. Spanien und Portugal wurden größere Kolonialmächte, ohne jemals fortschrittliche kapitalistische Volkswirtschaften zu werden…. Ihre wertvollsten Kolonien lagen in Lateinamerika, und die Mutterländer verloren diese an Unabhängigkeitsbewegungen, während sie selbst in einem vorkapitalistischen Entwicklungsstadium waren. Die bei weitem auffälligste Errungenschaft des britischen Kolonialismus war die, daß er die Saat für mehrere fortgeschrittene westliche Volkswirtschaften legte, zum beträchtlichen Nutzen der Kolonien: die Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Neuseeland, Hongkong und Singapur. Die wirtschaftlichen Leistungen dieser Kolonien nutzten auch Britannien, denn kontrollierter und ausbeuterischer Handel mit einer wirtschaftlich rückständigen Kolonie ist für ein fortschrittliches Land viel weniger profitabel als der Handel mit anderen fortschrittlichen Ländern. Frankreich errichtete und verlor ein großes Kolonialreich, an das man sich wegen des gewaltsamen Zusammenbruchs seiner Herrschaft über Indochina und des beinahe gleichermaßen gewaltsamen Endes seiner Herrschaft über das erinnert, was wahrscheinlich seine wirtschaftlich erfolgreichste Kolonie war – Algerien. Rückblickend gibt es wenig Grund zu denken, daß seine Kolonialunternehmungen positiv zu Frankreichs Wirtschaftswachstum beigetragen haben.”

Es gibt keinen allgemeinen Zusammenhang zwischen der Größe und zeitlichen Entwicklung des Wirtschaftswachstums westlicher Länder und ihrer Kolonialreiche. Deutschland übertraf im späten neunzehnten Jahrhundert Frankreich und zeitweise sogar Britannien in der Industrieproduktion, besaß aber im Vergleich zu letzterem nur wenige und unbedeutende Kolonien. Spanien besaß im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert das größte Imperium der Welt und litt doch an Inflation und militärischer Überdehnung. Italien war in derselben Zeitperiode politisch zersplittert und von Angriffen moslemischer Piraten geplagt, und doch gab es während der wissenschaftlichen Revolution kein spanisches Äquivalent zu Galileo. Kopernikus wurde in Polen geboren, das niemals eine Kolonialgeschichte hatte; Tycho Brahe stammte aus dem winzigen Dänemark und Kepler aus dem zerteilten Deutschland. England war zur Zeit Newtons noch keine große Kolonialmacht im Vergleich zu den Türken und ihrem osmanischen Reich. Die größte astronomische Revolution in der Geschichte kann einfach nicht “kolonialer Ausplünderung” zugeschrieben werden, wie sehr man es auch versuchen mag.

Die imperialistschen Länder Spanien und Portugal erreichten kein langfristiges Wachstum, im Gegensatz zur nichtimperialistischen Schweiz oder zu Schweden. Spanien und Portugal setzten in ihren Kolonien verbreitet Sklaverei ein, blieben aber bei der Entwicklung moderner Wachstumswirtschaften zurück. Von den geschätzten 10-12 Millionen Afrikanern, die zwischen 1450 und 1900 zwangsweise über den Atlantik transportiert wurden, landeten mehrere Millionen im portugiesisch beherrschten Brasilien. Michael Hart spekuliert darüber, ob die Vermischung mit Völkern niedriger Intelligenz (afrikanischen Sklaven) den nationalen IQ Portugals während der Kolonialzeit verringert hat.

Gefördert von Prinz Heinrich dem Seefahrer (1394-1460) unternahmen die Portugiesen in der Mitte des 15. Jahrhunderts systematische Entdeckungsreisen entlang der Westküste Afrikas, die ihren Höhepunkt fanden, als der Seefahrer Bartolomeu Diaz (ca. 1450-1500) 1488 um die südlichste Spitze des Kontinents segelte und damit den Seeweg nach Asien eröffnete. Der Seefahrer Vasco da Gama (ca. 1460-1524) und seine Mannschaft erreichten Indien um das Kap der Guten Hoffnung herum (1497-99) und kehrten erfolgreich nach Lissabon zurück, beladen mit Gewürzen und Mustern indischer Stoffe. Dies löste mehrere bewaffnete Zusammenstöße mit Moslems aus, die traditionellerweise viel von diesem lukrativen Handel kontrolliert hatten.

Lynn White, der herausragende amerikanische Professor für mittelalterliche Geschichte, stellt fest, daß “bis zum Ende des 15. Jahrhunderts die technologische Überlegenheit Europas eine solche war, daß seine kleinen, untereinander verfeindeten Nationen sich über den ganzen Rest der Welt ergießen konnten, erobernd, plündernd und kolonisierend. Das Symbol dieser technischen Überlegenheit ist die Tatsache, daß Portugal, einer der schwächsten Staaten des Okzidents, die Herrin Ostindiens werden und ein Jahrhundert lang bleiben konnte.” Dies war eine radikal neue Entwicklung des Mittelalters, denn “vor dem 11. Jahrhundert gab es im lateinischen Westen kaum Wissenschaft, nicht einmal in römischer Zeit.”

Technologische Entwicklungen erleichterten dieses Zeitalter der Entdeckungen. Europäer sind vielleicht die ersten gewesen, die Schießpulver für den Bau großer Kanonen nutzten, und während andere Zivilisationen in Eurasien diese Erfindung ebenfalls nutzten, waren Europäer besonders geschickt beim Kombinieren von Kanonen mit Schiffen. Die Portugiesen und andere waren Pioniere bei der Entwicklung neuer Typen hochmanövrierfähiger Segelschiffe wie der Karavelle, und die Entdeckungen führten zu verbesserten Karten und Navigationstechniken. Das Verlangen, heidnische Völker zu christianisieren, war nach jahrhundertelangem Ringen gegen Moslems immer noch sehr frisch bei führenden Individuen wie Königin Isabella von Spanien. Förderung durch die Regierung war wichtig für die Spanier und Portugiesen und im siebzehnten Jahrhundert für die holländische Ostindienkompanie. Es gab auch die grundsätzliche europäische Neugier auf die Welt, wenngleich asiatische Gewürze und die Suche nach materiellem Reichtum gewöhnlich die direktesten Gründe für diese Reisen waren. Von Vasco da Gama gibt es den berühmten Ausspruch, daß die Portugiesen “nach Christen und Gewürzen” suchten.”

Laut der Gelehrten Lynda Shaffer hätten die Chinesen mit ihrer großen und hochentwickelten Marine “die mühsame Reise um die Spitze Afrikas machen und in portugiesische Häfen segeln können; jedoch hatten sie keinen Grund, das zu tun. Obwohl die westeuropäische Wirtschaft florierte, bot sie nichts, das China nicht näher der Heimat und zu viel geringeren Kosten erwerben konnte.” Im Gegensatz dazu versuchten die Portugiesen, die Spanier und andere Europäer, die Gewürzinseln in Indonesien zu erreichen. “Es war dieser Gewürzmarkt, der Kolumbus westwärts von Spanien weglockte und Vasco da Gama um Afrika und über den Indischen Ozean zog.” Nach Shaffers Ansicht hatten Technologien wie Schießpulver und Kompaß in China eine andere Auswirkung als in Europa, und es ist “unfair zu fragen, warum die Chinesen nicht zufällig auf die westliche Hemisphäre gestoßen sind, als sie ostwärts über den Pazifik segelten, um die Wollmärkte Spaniens zu finden.”

Darin liegt einiges an Wahrheit. Das Zeitalter der Entdeckungen durch Portugal und Spanien begann anfänglich mit dem Wunsch, die zweitwichtigste Handelsregion der Welt, Europa und den Mittelmeerraum, mit der wichtigsten Handelsregion der Welt zu verbinden, dem Indischen Ozean, und dabei die moslemischen Mittelsmänner zu umgehen. Deshalb hatte Christoph Kolumbus irrtümlich geglaubt, in Indien angelangt zu sein, als er Amerika erreichte. Europäer waren anfänglich mehr daran interessiert, asiatische Güter zu kaufen, als umgekehrt, aber das erklärt immer noch nicht, warum die Chinesen und andere Asiaten kein Äquivalent zur wissenschaftlichen und industriellen Revolution schufen. Manchmal wird Dschingis Khan (ca. 1162-1227) und den Mongolen die Schuld dafür gegeben.

Die Eroberung durch die Mongolen hatte sicherlich die Wirkung einer gewaltsamen Unterbrechung, und die Spur der Verwüstung, die sie hinter sich ließ, entvölkerte Regionen von China und Korea über Iran und Irak bis Osteuropa. Sie beendete die dynamische Song-Dynastie, aber selbst davor gab es wenig Anzeichen dafür, daß eine Entwicklung in Richtung moderner Maschinen oder mathematischer Physik in China bevorstand. Eine Serie von Taifunen, genannt Kamikaze oder “Göttlicher Wind”, rettete die Japaner 1274 und 1281 vor den Mongolenflotten, aber auch sie entwickelten keine voll ausgebildete Industrie, bis sie im späten neunzehnten Jahrhundert ein westliches Modell übernahmen. Mehr noch, auch wenn Westeuropa vor den Mongolen verschont blieb, sollten wir uns daran erinnern, daß die Europäer Jahrhunderte politischen Zerfalls und Bevölkerungsrückgangs erlebt hatten, länger als in irgendeiner Periode der chinesischen Geschichte über mehrere tausend Jahre. Europa war auch einem länger währenden Angriff durch den Islam ausgesetzt.

Einige Moslems haben behauptet, daß wissenschaftliche Fortschritte in der islamischen Welt durch die mongolischen Eroberungen zum Stillstand gebracht worden seien. Dies ist aus einer Anzahl von Gründen unrichtig. Erstens, weil die Eroberungen Syrien, Ägypten, Nordafrika und die arabische Halbinsel nicht betrafen und diese Regionen trotzdem nicht mehr Fortschritte machten als der islamische Osten. Zweitens hatte die Wissenschaft in der islamischen Welt in vielen Disziplinen bereits davor stagniert. In der Astronomie erreichten die moslemischen Errungenschaften ihren Höhepunkt nach den Eroberungen, im Iran mit mongolischer Ermutigung. Hülägü Khan gab seinen Segen zum Bau des Maragha-Observatoriums, nachdem seine Truppen Bagdad geplündert und dem Abbasidenkalifat ein Ende gesetzt hatten. Sein Bruder Kublai Khan erbaute ein Observatorium in China.

In Europa wurden nach der Erfindung von Brillen und mechanischen Uhren neue wissenschaftliche Instrumente zum Studium und zur Vermessung der Welt eingeführt, von Teleskopen und Mikroskopen bis zu Thermometern, und ihre Präzision wurde stetig verbessert. Nach 1600 erlangten Napiers Logarithmen Bedeutung, und neue Mathematik wie Differentialrechnung und analytische Geometrie trugen immens zur Analyse bei. Ein fundamentaler institutionaler Pfeiler westlicher Wissenschaft war die Routinisierung der Entdeckungen, oder die Erfindung des Erfindens. David S. Landes erklärt:

“Es gab da eine weit verstreute Population von Intellektuellen, die in verschiedenen Ländern arbeiteten und verschiedene Umgangssprachen benutzten – und doch eine Gemeinschaft waren. Was an einem Ort geschah, wurde schnell überall sonst bekannt, teilweise dank einer gemeinsamen Sprache der Gelehrsamkeit, des Lateins; teilweise dank einer frühen Entwicklung von Kurier- und Postdiensten; vor allem weil Menschen in alle Richtungen zogen. Im siebzehnten Jahrhundert wurden diese Verbindungen institutionalisiert, zuerst in Person solcher selbsternannter menschlicher Vermittlungsstellen wie Marin Mersenne (1588-1648), dann in Form gelehrter Gesellschaften mit ihren korrespondierenden Sekretären, häufigen Treffen und periodischen Journalen. Die frühesten Gesellschaften erschienen in Italien – die Accadémia dei Lincei (Akademie der Luchse) in Rom 1603, die kurzlebige Accadémia del Cimento in Florenz 1653. Auf lange Sicht wichtiger waren jedoch die nördlichen Akademien: die Royal Society in London 1660, die Academia Parisiensis 1635 und ihre Nachfolgerin Académie des Sciences 1666. Selbst davor brachten informelle, aber regelmäßige Begegnungen in Kaffeehäusern und Salons Menschen und Fragen zusammen. Wie Mersenne es 1634 ausdrückte, ‘haben die Wissenschaften einander unverbrüchliche Freundschaft geschworen.’ Kooperation also, aber enorm gesteigert durch scharfe Rivalität im Rennen um Prestige und Ehre.”

Vom siebzehnten Jahrhundert an schufen Europäer viele wissenschaftliche Gesellschaften und Journale. Keine ähnlichen Arrangements und Einrichtungen zur Verbreitung von Gelehrsamkeit waren außerhalb Europas zu finden. China fehlte es an instututioneller Kontinuität für die Lehre, und dem Nahen Osten und Indien ging es nicht viel besser. Die islamophile Rede des US-Präsidenten Barack Hussein Obama an der Kairoer Universität in Ägypten im Juni 2009 enthielt eine bemerkenswert hohe Konzentration von Halbwahrheiten, Verzerrungen oder platter Lügen. Nehmen Sie dieses Zitat:

“Als Student der Geschichte weiß ich auch um das, was die Zivilisation dem Islam verdankt. Es war der Islam — an Orten wie der Al-Azhar-Universität — der das Licht des Lernens durch so viele Jahrhunderte getragen und den Weg für Europas Renaissance und Aufklärung bereitet hat. Es war die Innovation in moslemischen Gemeinschaften, welche die Ordnung der Algebra entwickelt hat, unseren Magnetkompaß und die Navigationsinstrumente, unsere Beherrschung der Feder und des Buchdrucks, unser Verständnis dessen, wie sich Krankheiten verbreiten und wie sie geheilt werden können. Die islamische Kultur hat uns majestätische Gewölbe und aufragende Türme gegeben, zeitlose Poesie und geschätzte Musik, elegante Kalligraphie und Orte des friedlichen Nachdenkens. Und die ganze Geschichte hindurch hat der Islam durch Worte und Taten die Möglichkeiten religiöser Toleranz und der Rassengleichheit demonstriert.”

Gibt es auch nur eine einzige wahre Aussage in diesem ganzen Absatz? Moslems haben in der Tat einige schöne Kalligraphien geschaffen, und ein paar ihrer Gelehrte leisteten Beiträge zur Algebra, aber davon abgesehen ist es fast totaler Unsinn. Der Magnetkompaß wurde von den Chinesen erfunden und möglicherweise unabhängig davon von den Europäern und anderen. Der Buchdruck wurde auch von den Chinesen erfunden und von den Moslems tausend Jahre oder länger wegen islamisch-religiösem Widerstand stur und beharrlich abgelehnt. Sie mochten die chinesische Erfindung des Schießpulvers um einiges mehr.

Keine direkte Verbindung ist jemals zwischen Gutenbergs Druckerpresse und dem Buchdruck in Ostasien nachgewiesen worden, obwohl es vorstellbar ist, daß die Grundidee des Druckens nach Europa importiert worden war. Im Gegensatz dazu wissen wir mit 100%iger Sicherheit, daß die Moslems mit der ostasiatischen Drucktechnik vertraut waren, sie aber aggressiv ablehnten. Der Gelehrte Thomas Allsen hat in seinem Buch Culture and Conquest in Mongol Eurasia beschrieben, wie die Behörden im Iran unter mongolischer Herrschaft im Jahr 1294 versuchten, nach chinesischer Art gedruckte Banknoten einzuführen, aber damit aufgrund des Volkswiderstands scheiterten:

“Gewiß hatte die moslemische Welt eine aktive und anhaltende Gegnerschaft gegen von Europa im fünfzehnten Jahhundert und später ausgehende Drucktechniken mit beweglichen Lettern gezeigt. Diese Gegnerschaft, die auf gesellschaftlichen, religiösen und politischen Erwägungen beruhte, dauerte bis weit ins achtzehnte Jahrhundert. Erst dann wurden Druckerpressen europäischen Ursprungs im osmanischen Reich eingeführt, und erst im nächsten Jahrhundert fand das Drucken weite Verbreitung in der arabischen Welt und im Iran. Dieses lange Zögern, dieses Desinteresse an europäischer Typographie und die Nichtnutzung der einheimischen Drucktraditionen Ägyptens sprechen sicherlich für eine Art fundamentaler struktureller oder ideologischer Antipathie gegen diese spezielle Technologie.”

Es ist wahrscheinlich, daß der Buchdruck den Bewohnern des Nahen Ostens aufgrund des Handels Jahrhunderte zuvor schon bekannt war, jedoch übernahmen sie diese großartige Erfindung aus islamisch-religiösem Widerstand erst tausend Jahre oder mehr nachdem sie in China gemacht worden war. Minderheiten wie die Juden oder Griechen und armenische Christen waren die ersten, die im osmanischen Reich Druckerpressen verwendeten. Das erste in persischer Sprache gedruckte Buch war wahrscheinlich ein jüdisch-persischer Pentateuch.

Moslems hatten Zugang zur optischen Theorie der Griechen. Alhazens Buch der Optik, eines der besten jemals in arabischer Sprache geschriebenen wissenschaftlichen Werke, wurde in der arabischsprachigen Welt weitgehend ignoriert, aber in Europa mit Interesse studiert. Es wurde in Kairo geschrieben, aber nicht an der Al-Azhar-Universität studiert, nahe der Alhazen jahrelang lebte. Al-Azhar war ein Zentrum religiöser Bildung und des Scharia-Rechts, nicht der säkularen Lehre und Wissenschaft. Im Gegensatz dazu wurde griechische Naturphilosophie und säkulare Lehre an mittelalterlichen europäischen Universitäten zusätzlich zu religiösen Themen gelehrt, weshalb die Optik von mehr europäischen Gelehrten studiert wurde. Mir sind wenige, wenn überhaupt irgendwelche, Institutionen außerhalb Europas vor der Kolonialzeit untergekommen, die ich “Universitäten” im westlichen Sinne nennen würde. Unter den besseren Kandidaten gäbe es das Große Kloster von Nalanda in Indien, das eine buddhistische Institution war. Es wurde nicht von Moslems erbaut, sondern von ihnen zerstört, wie so viele Kulturschätze in Indien und Zentralasien.

Das chinesische Bildungssystem führte ein gewisses Maß an Meritokratie ein, das die Bürokratie davor bewahrte, völlig erblich zu werden. Jedoch wurde es starr kontrolliert und konzentrierte sich überwiegend auf Literatur und Morallehre. Männer verschwendeten Jahre ihres Lebens darauf, die Prüfungen der höheren Ebenen zu bestehen, wobei sie oft wieder und wieder scheiterten. Toby E. Huff ist dem in The Rise of Early Modern Science: Islam, China and the West, second edition nachgegangen:

“Aus Sicht dieser Studie war die moderne wissenschaftliche Revolution sowohl eine institutionelle aus auch intellektuelle Revolution, die das System des Naturverständnisses neu organisierte und eine neue Vorstellung vom Menschen und seinen kognitiven Fähigkeiten bestätigte. Die Formen der Vernunft und Rationalität, die aus der Begegnung von griechischer Philosophie, römischem Recht und christlicher Theologie erschmolzen worden waren, legten das Fundament für den Glauben an die essentielle Rationalität von Mensch und Natur. Noch wichtiger war, daß diese neue metaphysische Synthese eine institutionelle Heimat in den kulturellen und rechtlichen Strukturen der mittelalterlichen Gesellschaft fand – das heißt, in den Universitäten. Zusammen legten sie das Fundament zur Bestätigung der Existenz neutraler intellektueller Räume, innerhalb derer die Geister ihrer intellektuellen Inspiration nachgehen konnten, während sie sondierende Fragen stellten. Nachdem sie diese Fundamente gelegt hatten, waren große Teile der westlichen Welt in den Jahren nach der Renaissance in der Lage, sowohl in der wissenschaftlichen wie auch wirtschaftlichen und politischen Entwicklung voranzuschreiten.”

Die mittelalterliche europäische Universität stellte eine echte Innovation dar, und Huff stellt ihre Entwicklung und die Entscheidung, nicht nur Theologie, sondern auch Naturwissenschaften in ihren Lehrplan aufzunehmen, ins Zentrum der späteren wissenschaftlichen Errungenschaften des Westens:

“Wir sollten auch nicht die Größe des Schrittes unterschätzen, der gemacht wurde, als man (teilweise in Nachfolge der antiken Tradition) beschloß, das Studium der Philosophie und aller Aspekte der natürlichen Welt zu einer offiziellen und öffentlichen Unternehmung zu machen. Wenn dies als banale Errungenschaft erscheint, dann liegt das an unserem Eurozentrismus, der vergißt, daß das Studium der Naturwissenschaften und Philosophie in den islamischen Hochschulen des Nahen Ostens gemieden wurde und daß alle derartigen Nachforschungen in sorgfältig abgeschirmter privater Umgebung unternommen wurden. Gleichermaßen gab es in China keine autonomen, von der offiziellen Bürokratie unabhängigen Lehranstalten; diejenigen, die es gab, waren völlig von der Gnade des zentralisierten Staates abhängig. Genausowenig hatten Philosophen die Freiheit, für sich das Lehrgebiet zu bestimmen, wie es im Westen der Fall war.”

Die Chinesen sahen Nichtchinesen traditionellerweise als Barbaren an, aber eine der Hauptschwierigkeiten Chinas war die, daß Wissenschaftler wenig Raum für unabhängiges Denken fanden in einem autokratischen System mit einer zentralisierten Bürokratie, die sich auf konfuzianische Literaturklassiker und Kalligraphie konzentrierte. “Die Verfolgung wissenschaftlicher Themen war daher an den Rand der chinesischen Gesellschaft verbannt.” Dies bedeutet nicht, daß man keine verheißungsvollen Anfänge in Pharmakologie, Alchimie oder Medizin finden kann, “aber am Ende zählen Institutionen, wie viele Ökonomen uns erinnert haben. Ohne sie kann die fruchtbare Saat intellektueller Brillanz nicht zu kräftigen Pflanzen heranwachsen.”

In The Great Divergence: China, Europe, and the Making of the Modern World Economy, behauptet Kenneth Pomeranz, daß mehrere asiatische Länder, besonders China und Japan, bis um 1800 mindestens so fortgeschritten waren wie Europa. Europa hatte sich bis dahin nicht kritisch von Asien abgesetzt, und die industrielle Revolution begann teilweise aufgrund eines geographischen Zufalls in Großbritannien, weil es leichten Zugang zu Kohle hatte, und teilweise wegen seiner überseeischen Kolonien und Märkte. Seiner Ansicht nach hatte es eher wenig mit überlegener Wissenschaft oder Technologie zu tun.

Diese Behauptung ist rundweg falsch. In den theoretischen Wissenschaften waren die Europäer den Ostasiaten während des ganzen Spätmittelalters und der frühen Neuzeit voraus, und die Kluft vergrößerte sich schnell. Diese Fortschritte beeinflußten allmählich auch die angewandte Technologie. Die Chinesen hatten jahrhundertelang vom Magnetismus gewußt, und doch entdeckten sie niemals den Zusammenhang zwischen ihm und der Elektrizität, wie das Beispiel der Telegraphie zeigt. Hatten die Europäer einen “leichten Zugang” zum Elektromagnetismus? Neuzeitliche europäische Studien über die Geschwindigkeit und die Eigenschaften des Lichts waren weit fortgeschrittener als die asiatischen. Lag dies daran, daß Europäer “leichten Zugang” zum Licht hatten? Hatte man kein Licht in Asien?

Die mittelalterlichen Europäer waren auch gut in Bergbautechnologie, und dieses Wissen wurde in die Neue Welt gebracht. Das spanische Imperium verband die Amerikas mittels regelmäßiger Konvois über den Pazifischen Ozean mit den Philippinen und Asien. Die Spanier brachten so viel Silber aus Mexiko nach China, daß der mexikanische Dollar in einigen chinesischen Küstenprovinzen eine anerkannte Währung war. Nach 1400 stellte China seine Wirtschaft währungsmäßig um, und Silber wurde zum Deckungsmittel.

Kenneth Pomeranz stellt fest, daß “die dadurch geschaffene enorme Nachfrage nach Silber dieses in China viel wertvoller machte (im Verhältnis zu Gold und den meisten anderen Gütern) als irgendwo sonst auf der Welt, und China selbst hatte wenig Silberminen. Als Folge davon importierte China bereits im Jahrhundert bevor westliche Schiffe Asien erreichten, riesige Mengen an Silber (großteils aus Japan, und in einigem Ausmaß aus Indien und Südostasien). Als die Westler dann ankamen, mit Silber aus den reichsten jemals entdeckten Minen (Lateinamerika produzierte zwischen 1500 und 1800 ungefähr 85 % des Silbers der Welt), erzielten sie große und sehr verläßliche Arbitrageprofite.”

In Genghis Khan and the Making of the Modern World, einem weitgehend – und meiner Ansicht nach exzessiv – pro-mongolischen Buch, behauptet der Autor Jack Weatherford, daß die mongolischen Eroberungen die Renaissance in Europa ausgelöst hätten, indem sie den Kontinent für Ideen aus Asien geöffnet hätten:

“Weil viel des Mongolenreiches eher auf neuartigen Ideen und Wegen zur Organisation des öffentlichen Lebens beruhte als auf bloßer Technologie, regten diese Ideen in Europa zu neuen Gedanken und Experimenten an. Die gemeinsamen Prinzipien des Mongolenreiches – wie Papiergeld, Primat des Staates über die Kirche, Religionsfreiheit, diplomatische Immunität und internationales Recht – waren Ideen, die neue Bedeutung gewannen…. Unter den weitverbreiteten Einflüssen durch Papier und Buchdruck, Schießpulver und Feuerwaffen und die Verbreitung des Navigationskompasses und anderer maritimer Ausrüstung erlebten die Europäer eine Renaissance, buchstäblich eine Wiedergeburt, aber es war nicht die antike Welt Griechenlands und Roms, die da wiedergeboren wurde: es war das Mongolenreich, das von den Europäern aufgenommen, übertragen und an ihre eigenen Bedürfnisse und Kultur angepaßt wurde.”

Also sehen wir gleichzeitig Behauptungen, daß die Renaissance das war, was die großen Fortschritte in der westlichen Wissenschaft verursacht hat, und daß sie von Moslems im zwölften Jahrhundert oder von Mongolen im dreizehnten ausgelöst worden war. Gleichzeitig gab es angeblich bis zur Wende zum neunzehnten Jahrhundert nichts Besonderes an Europa. Ein intelligenter Leser wird schnell sehen, daß nicht alle diese verschiedenen Behauptungen gleichzeitig wahr sein können, und doch werden sie alle zur gleichen Zeit geäußert.

Worum es hier geht, ist nicht, was faktisch richtig ist, sondern es geht darum, jedes Gefühl von Stolz zu unterdrücken, das Menschen europäischen Ursprungs auf ihre historischen Errungenschaften haben könnten. Es ist ein bißchen ironisch, daß die europäische Kultur ständig als rassistisch, unterdrückerisch und böse verspottet wird und doch alle anderen eifrig bestrebt zu sein scheinen, die Ehre ihrer Erschaffung für sich zu beanspruchen. Wenn wir rassistische Unterdrücker sind, die die Erde vergewaltigen und die globale Erwärmung verursachen, warum sind dann die Moslems und andere so scharf darauf, sich die Schaffung unserer Kultur zuzuschreiben? Sollten sie sich nicht stattdessen dafür schämen?

Westliche Multikulturalisten behaupten, daß alle Kulturen gleich seien, und doch hat nur eine davon die moderne organisierte Wissenschaft geschaffen. Dies ist der große Elefant mitten im Zimmer. Multikulturalisten versuchen das mit der Behauptung wegzuerklären, daß:

A) die Wissenschaft unabhängig in vielen Regionen entwickelt wurde und zur modernen Wissenschaft verschmolz;

B) alle Kulturen und Völker gleich sind. Wenn eine davon erfolgreicher erscheint als andere, dann muß das daran liegen, daß sie die anderen ausbeutet und unterdrückt. Da die europäische Zivilisation in einzigartiger Weise einflußreich gewesen ist, kann das nur daran liegen, daß sie einzigartig böse ist. Konsequenterweise ist es eine gute Tat um der Erde und der Menschheit willen, sie zu zermalmen. Eine alternative Art des Umgangs mit dieser Schwierigkeit zur Erklärung dessen umzugehen, daß die moderne Wissenschaft in Europa entstand, liegt darin, das Problem überhaupt zu ignorieren und stattdessen über Zebras und australische Pflanzen zu reden. Dies ist Jared Diamonds bevorzugte Lösung.

Die Wahrheit ist, daß die wissenschaftliche Revolution die größte Errungenschaft des menschlichen Geistes in der gesamten Geschichte war, und daß sie von Europäern vollbracht wurde, und von niemand sonst. Wir können darüber debattieren, warum das so war, was für eine faszinierende Diskussion sorgen kann, aber das Endergebnis ist nicht debattierbar.

Pomeranz gibt zu, daß es in China keine wahren wissenschaftlichen Gesellschaften gegeben hat, stellt aber fest, daß “es in China, anders als in Europa, wo diese formalen wissenschaftlichen Gesellschaften für den Schutz der Wissenschaft vor einer feindseligen etablierten Kirche unerläßlich waren, keine solche mächtige und feindselige Körperschaft gegeben hat.”

Dies ist irreführend. Wenn die christliche Kirche immer gegen die Wissenschaft gewesen wäre, dann ist es unwahrscheinlich, daß die wissenschaftliche Revolution im christlichen Europa stattgefunden hätte. Wenn Mr. Pomeranz Toby Huffs exzellente Arbeit studiert hätte, dann würde er wissen, daß die Situation in China viel schlimmer war. Der Hongwu-Kaiser oder Taizu, der von 1368 bis 1398 regierte, war der Begründer der Ming-Dynastie. Er kam aus einer armen Familie und schuf eine neue Dynastie in der größten Volkswirtschaft der Welt. Er war offenbar ein energischer Charakter, aber sein Fall illustriert in der Tat die dem chinesischen Modell zugrundeliegenden Probleme. Der Kaiser dachte, daß die Studenten an der kaiserlichen Akademie zu aufsässig seien, und ernannte seinen Neffen zum Leiter des Instituts. Später gab er eine Reihe von Ankündigungen heraus:

“In der dritten dieser Bekanntmachungen (ca. 1386) gab es eine Liste ‘schlechter’ Inhaber akademischer Grade in der Hauptstadt, das heißt, chin-shih oder ‘Doktorate,’ zusammen mit den Namen einiger Studenten. ‘Er ordnete die Todesstrafe für achtungsechzig chin-shih-Inhaber und zwei Studenten an, und Strafdienst für siebzig Abschlußinhaber und zwölf Studenten.’ Der Autor dieses Berichts in der Cambridge History of China fügt hinzu, daß diese Listen ‘Männer vom Lernen entmutigt haben muß.’ An das Edikt angehängt war ein weiterer Verweis: Der Kaiser ‘würde jeden begabten Mann zum Tode verurteilen, der sich weigerte, der Regierung zu dienen, wenn er dazu aufgerufen würde.’ Wie er es ausdrückte, “sind bis zu den Rändern des Landes alle die Untertanen des Königs…. Gelehrte im Reich, die dem Herrscher nicht dienen, haben sich von den Lehren [des Konfuzius] entfernt. Es ist nicht übertrieben, sie hinzurichten und den Besitz ihrer Familien zu beschlagnahmen.’ Der Prozeß gegen Galileo und seine Bestrafung (Hausarrest in seiner Villa mit Blick über Florenz) ist nichts im Vergleich dazu.”

Kopernikus’ Buch von 1543 über den Heliozentrismus verursachte keinen unmittelbaren Aufruhr; erst 1616 während der katholischen Gegenreformation wurde es offiziell für irrig erklärt. Wie James Evans sagt, “hat Owen Gingerich nahezu alle erhaltenen Exemplare der Ausgaben von De revolutionibus von 1543 und 1566 untersucht, was sich auf mehr als 500 Bücher beläuft. Die Mehrheit der Exemplare in Italien wurden gemäß dem Erlaß zensuriert. Aber der Erlaß hatte anderswo fast keine Auswirkungen. Nicht einmal im katholischen Spanien wurden Exemplare zensuriert. Die Verdammung von De revolutionibus hatte sehr wenig Auswirkungen auf die Akzeptanz der heliozentrischen Hypothese. Selbst das berühmte Verfahren gegen Galileo wegen der fortgesetzten Befürwortung des Heliozentrismus nach der Verdammung bewirkte nur die Popularisierung der neuen Kosmologie.”

Einer der Gründe dafür, daß der Westen ein außergewöhnlich hohes Niveau nachhaltiger Innovation genossen hat, liegt darin, daß wir oft ein größeres Maß politischer Freiheit und Redefreiheit genossen haben als viele andere Kulturen. Zumindest war das früher so. In einigen kritischen Bereichen ist dies nicht mehr der Fall. Was wir jetzt erleben, ist ein Experiment beispielloser Größe in der Weltgeschichte: Nie zuvor hat man einer massive Zahl von Völkern mit niedrigem IQ sich in Ländern niederzulassen erlaubt, wo die eingeborenen Bewohner einen bedeutend höheren Durchschnitts-IQ haben als sie selbst.

Die Europäische Union fördert gegenwärtig die Masseneinwanderung von Völkern anderer Kulturen in westeuropäische Länder. Sie setzt auch eine zentralisierte, autoritäre bürokratische Struktur durch, die dem vorsowjetischen Europa fremd war. Während der ganzen europäischen Geschichte ist keine einzelne Autorität jemals in der Lage gewesen, Ideen auf dem ganzen Kontinent erfolgreich zu zensurieren, was – offen gesagt – eine von Europas größten Stärken gewesen ist. Die EU und die multikulturellen Eliten der einzelnen Länder zerstören nun absichtlich das, was traditionellerweise Europas vorrangigste vergleichsweise Vorteile gewesen sind: hoher durchschnittlicher Intelligenzquotient kombiniert mit der Freiheit, Fragen zu stellen.

Michael Hart befaßt sich in Understanding Human History damit, ob es unmoralisch ist, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, daß es Intelligenzunterschiede zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen geben könnte, und ob es einen zum “Nazi” macht, wenn man das glaubt. Er meint, daß die potentielle Existenz solcher Unterschiede überhaupt keine moralische Frage ist, sondern bloß eine faktische:

“Solche Unterschiede (falls sie existieren) sind bloße Fakten der Natur; als solche mögen sie unglücklich sein, können aber nicht unmoralisch sein. Einfach ausgedrückt, falls es solche Unterschiede tatsächlich gibt, dann ist es nicht unmoralisch zu glauben, daß sie existieren oder ehrlich seinen Glauben daran auszudrücken oder die Unterschiede zu studieren. Und selbst wenn die Unterschiede nicht existieren, ist ein Glaube, daß es sie gibt (wenn ehrlich empfunden) nicht unmoralisch, noch ist eine ehrliche Befassung mit der Frage unmoralisch. Der Versuch, Sachfragen in moralische Fragen umzuwandeln, ist die Essenz des Dogmatismus und lange eine Behinderung des wissenschaftlichen Fortschritts gewesen. Ein wohlbekanntes Beispiel dreht sich um die Verurteilung Galileos durch die Inquisition im Jahr 1633. Die Mitglieder des Gerichts, das ihn verurteilte, verwandelten eine Sachfrage (‘Kreist die Erde um die Sonne?’) in eine moralische Frage (‘Steht ein solcher Glaube im Widerspruch zur Schrift, und ist daher ketzerisch?’)”

In der ganzen westlichen Welt gibt es mächtige Zensur in allem, was mit Multikulturalismus und Masseneinwanderung nichteuropäischer Völker zu tun hat. In Europa verkörpern die EU-Behörden eine der dahinterstehenden Hauptkräfte, in Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden, den Medien und Akademikerkreisen in verschiedenen Ländern. Zusammen fördern sie Masseneinwanderung und ideologischen “Antirassismus” mittels gesellschaftlicher und rechtlicher Einschüchterung wie auch durch Propagandafeldzüge, die darauf abzielen, jeden zum Schweigen zu bringen, der Einwände gegen obenerwähnte Politik erheben könnte. Dies ist mit Leichtigkeit der schwerwiegendste Fall von Zensur in der Geschichte dieser Zivilisation. Ein Großteil Europas hat seit der Altsteinzeit eine bemerkenswerte genetische Kontinuität genossen. Eingeborene Europäer sollen jetzt durch Völker mit einem völlig anderen genetischen Profil verdrängt werden, aber wir dürfen über die langfristigen Konsequenzen dessen nicht debattieren.

Wenn man Leute fragt, was den schwersten Fall antiwissenschaftlicher Zensur in der westlichen Geschichte darstellt, werden sie üblicherweise den Fall Galileo gegen die Inquisition bezüglich der heliozentrischen Astronomie nennen. Das war in der Tat ein schlimmer Moment, aber die versuchte Zensur der heliozentrischen Kosmologie des Kopernikus hatte wenig langfristige Wirkung. Mehr noch, diese versuchte Zensur änderte nichts an der physischen Realität. Die Erde kreist immer noch um die Sonne.

Als Wissenschaftler nach dem Jahr 2000 das menschliche Genom entschlüsselten, beeilten sie sich, es als Beweis für die bemerkenswerte Ähnlichkeit der Menschheit untereinander darzustellen. Die DNS zweier beliebiger Individuen, hoben sie hervor, ist zu mindestens 99 % identisch. Aber neuere Untersuchungen erforschen den verbleibenden Bruchteil, um die beobachteten Unterschiede zu erklären. Immerhin könnten Sie, die Sie diese Worte lesen, leicht zu 99,5 % oder mehr mit Newton und Einstein identisch sein, aber dieses letzte bißchen macht einen ziemlich großen Unterschied aus.

2007 fragte The New York Times, eine Mitte-links stehende Zeitung, die sehr über realen oder eingebildeten “Rassismus” besorgt ist, im Artikel “In DNA Era, New Worries About Prejudice” (“Neue Sorgen über Vorurteile im Zeitalter der DNS”), “ob die Gesellschaft darauf vorbereitet ist, mit den Konsequenzen der Wissenschaft umzugehen, die schließlich merkliche genetische Unterschiede zwischen Rassen offenbaren könnte, welche sozial bedeutsame Eigenheiten beeinflussen.” Multikulturalisten haben zögernd zugegeben, daß Rasse kein “gesellschaftliches Konstrukt” ist, wenn es um Medizin geht; einige ethnische Gruppen sind anfälliger gegenüber bestimmten Krankheiten als andere.

Es ist wahrscheinlich, daß wir im einundzwanzigsten Jahrhundert eine genetische Revolution erleben werden, die unsere Sicht der Biologie so tiefgreifend verändern wird, wie die kopernikanische Theorie unsere Sicht der Astronomie verändert hat. Vielleicht werden wir nicht nur erkennen, welche Gene für bestimmte Krankheiten verantwortlich sind, sondern auch Gencluster, die zu ungewöhnlich hoher Intelligenz beitragen. Vielleicht wird in ein paar Generationen die Behauptung, daß Menschen genetisch mehr oder weniger identisch sind und daß die Betonung von Unterschieden in den natürlichen Fähigkeiten zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen “Rassismus” ist, genauso altmodisch und irrational erscheinen, wie uns geht, wenn wir ältere Behauptungen lesen, daß die Sonne um die Erde kreist. Der große Unterschied ist, daß die westliche Welt, nachdem der Antikopernikanismus diskreditiert war, immer noch ziemlich dieselbe war wie zuvor. Falls oder wenn einmal der Antirassismus wissenschaftlich diskreditiert worden ist und es schlüssig festgestellt worden ist, daß Menschen wirklich unterschiedliche Niveaus von Intelligenz und Fähigkeiten haben, dann könnte in der Zwischenzeit eine ganze Zivilisation, die kreativste und einflußreichste in der menschlichen Geschichte, durch organisierte Massendummheit unwiederbringlich zerstört worden sein.

Forschungen von Professor John Alford von der Rice University haben im Jahr 2008 ergeben, daß eineiige Zwillinge in politischen Dingen wahrscheinlicher einer Meinung waren als zweieiige Zwillinge. Er meint, daß Politikwissenschaftler die Genetik zu leichtfertig abtun, und er glaubt, daß die Genetik zusammen mit sozialen Einflüssen studiert werden sollte. Alfords Forschungen — und es gibt andere Studien mit ähnlichen Ergebnissen — weisen darauf hin, daß Menschen, die eine ähnliche genetische Beschaffenheit haben, auch ähnlich denken.

Nehmen wir dieses Prinzip und wenden es auf ganze Gesellschaften an: Was, wenn Kultur eine genetische Komponente hat, vielleicht sogar eine starke? Ich glaube nicht an genetischen Determinismus, da es einige Ereignisse in der Geschichte gibt, die nicht erfolgreich durch IQ oder Gene erklärt werden können, aber es gibt auch viele, wo man das kann. Selbst wenn Gene nicht alles bestimmen, so heißt das nicht notwendigerweise, daß sie gar nicht zählen, und doch legt die herrschende Ideologie im Westen heute fest, daß alles “sozial konstruiert” ist und daß alle Unterschiede zwischen Menschengruppen von Vorurteilen und “Rassismus” verursacht werden, womit üblicherweise nur weißer Rassismus gemeint ist.

Der Fall des Staates Israel ist interessant. Ich habe Berichte gehört, daß es schwierig ist, äthiopische Juden in die israelische Gesellschaft zu integrieren. Dies könnte daran liegen, daß sie ein teilweise afrikanisches genetisches Profil haben, was sie zu verschieden von nahöstlichen oder besonders von europäischen Juden macht. Wenn man als selbstverständlich annimmt, daß keine Gesellschaft erfolgreich eine beträchtliche Zahl von Menschen mit einem radikal anderen genetischen Profil absorbieren kann, dann erklärt das, warum Afrikaner nicht in die Vereinigten Staaten integriert worden sind, nachdem sie mehrere Jahrhunderte länger dort gelebt haben als viele europäische Einwanderer, die nahtlos assimiliert worden sind. Wir könnten auch den Fall der Zigeuner erwähnen, die ursprünglich aus Indien kamen und den Großteil eines Jahrtausends (seit dem späten Mittelalter) in Ost- und Mitteleuropa gelebt haben, aber dort immer noch nicht integriert sind.

Eines unserer größeren Probleme von heute ist das, was ich binäres Denken nennen würde. Im binären System gibt es nur Eins und Null, ein und aus. Man kann nichts dazwischen sein, so wie man auch nicht ein bißchen schwanger sein kann. Wenn es um IQ und genetische Intelligenz geht, dann ist der Grundimpuls der meisten westlichen Akademiker der, das ganze Thema zum Tabu zu machen und alle, die daran rühren, als “Rassisten” zu denunzieren. Dies ist antiwissenschaftlich und sollte deshalb zurückgewiesen werden.

Im anderen Extrem findet man jene, die fast alles der genetischen Intelligenz zuschreiben, was simplistisch ist. Es waren keine genetischen Veränderungen, die die mittelalterlichen Italiener den modernen Kapitalismus schaffen ließen, nachdem die Italiener in römischer Zeit niemals etwas dergleichen getan hatten, und es ist unwahrscheinlich, daß Veränderungen im IQ der Hauptgrund dafür sind, daß die Skandinavier im Wikingerzeitalter als Krieger gefürchtet und respektiert waren, heute aber als verweiblichte Sissies gelten. Westeuropa im frühen zwanzigsten Jahrhundert war die mächtigste Zivilisation auf Erden und beherrschte immer noch einen Großteil des Planeten. Ein Jahrhundert später ist dieselbe Region schwach und beherrscht nicht einmal ihre eigenen Vorstädte mit Erfolg. Ich bezweifle ernsthaft, daß sich der durchschnittliche europäische Intelligenzquotient in der Zwischenzeit drastisch verringert hat. Was geschah, ist daß der europäische Geist gebrochen wurde, besonders durch zwei verheerende Kriege und durch die dysfunktionalen und gefährlichen utopischen Ideologien, die dabei freigesetzt wurden.

Hoher IQ macht einen nicht automatisch zu einer moralischeren Person. Josef Goebbels, Propagandaminister in Nazideutschland, hatte eindeutig eine sehr hohe Intelligenz, und doch befähigte ihn dies nur dazu, Böses noch wirksamer zu bewerkstelligen. Ich frage mich manchmal, ob die Europäer nach Einführung destruktiver Ideologien süchtig geworden sind. In diesem Fall würde hoher IQ uns nicht viel helfen.

Menschen mit einem IQ von 100 werden immer ein weit größeres Potential für große Errungenschaften haben als Menschen mit einem IQ von 80. In welchem Ausmaß dieses Potential verwirklicht oder unterdrückt wird, hängt in großem Ausmaß von kulturellen Faktoren ab. Man kann leicht die Fähigkeit hochintelligenter Völker zur Nutzung ihres Potentials zerstören, aber man kann kein zusätzliches Potential für Völker mit niedrigem IQ erschaffen. Nordkorea kann durch Kommunismus zu einem ärmeren Land als Südkorea gemacht werden, aber Westafrikaner können niemals zu Pionieren der Weltraumforschung werden. Gleichermaßen haben Frankreich und Deutschland viele der größten Mathematiker der aufgezeichneten Geschichte hervorgebracht. Algerien und die Türkei haben buchstäblich keinen hervorgebracht. Ich bezweifle ernsthaft, daß Frankreich weiterhin große Mathematiker hervorbringen wird, wenn es von Algeriern bevölkert ist, und Deutschland, wenn es von Türken bevölkert ist.

Ja, ich weiß, daß es viele weiße Marxisten und andere gibt, die der westlichen Zivilisation feindlich gesinnt sind, und daß es viele Nichtweiße gibt, die diese Zivilisation aufrichtig bewundern und sie bewahren wollen. Kultur folgt nicht immer den Genen, aber andererseits ist es fraglich, ob das eine völlig vom anderen getrennt werden kann. Was, wenn Kultur zumindest teilweise das Produkt einer spezifischen Menschengruppe mit einem verwandten genetischen Profil ist? Was, wenn kulturelles Erbe nicht völlig vom genetischen Erbe getrennt werden kann und man zur Bewahrung des ersteren in irgendeiner bedeutsamen Weise auch das letztere bewahren muß? Falls das so ist, dann war die westliche Kultur historischerweise das Produkt europäischer Völker und kann nur durch diese aufrechterhalten werden. In diesem Fall wird man sich möglicherweise an US-Präsident Barack Hussein Obama als eine Übergangsfigur erinnern in der Evolution der USA von einem westlichen zu einem nichtwestlichen Land mit nichteuropäischer Mehrheit.

Während Jared Diamonds Buch Guns, Germs, and Steel einige lesenswerte Teile enthält, ist dessen allgemeine Schlußfolgerung fast sicher falsch. Man braucht sich nur den Zustand Kaliforniens anzusehen, um es zu widerlegen. Kalifornien war bis zu den 1960ern und 70ern die Wirtschaftslokomotive der USA und in Erweiterung auch der Welt. Bis 2009 ist es nahe am Bankrott. Der Grund dafür ist nicht, daß sich die Geographie Kaliforniens oder seine Pflanzen und Tiere in irgendeinem bedeutenden Ausmaß geändert hätten. Was sich geändert hat, ist die demographische Zusammensetzung Kaliforniens. Solange es vorwiegend von Weißen bewohnt wurde, war es eine dynamische Region. Sobald es von Mexikanern und anderen Drittweltvölkern mit niedrigem IQ bewohnt wurde, wurde es zunehmend einer Region der Dritten Welt ähnlich. Diamond ist gegenwärtig Professor an der University of California, Los Angeles (UCLA), was bedeutet, daß er klar erkennen kann, daß seine Theorien mangelhaft sind, indem er einfach aus dem Fenster schaut.

Jared Diamond ist ein armseliger und unehrlicher Wissenschaftler, wenn er nicht ernsthaft alternative Hypothesen in Betracht zieht, welche die beobachtete Realität manchmal besser erklärt als seine eigene. Warum also ist er so populär und einflußreich geworden? Weil er den westlichen multikulturellen Eliten genau das gab, was sie hören wollten: Menschen sind gleich, was zählt, ist die Geographie. Dies ist ein ideologisches grünes Licht für Masseneinwanderung von Menschen aus gescheiterten Ländern und Kulturen in den Westen. Wenn man dieser Logik bis zum Extrem folgt, dann sollte man die Bevölkerungen von, sagen wir, Japan und Kenia austauschen können. Kenianer würden dann Zugriff auf all jene großartigen japanischen Pflanzen haben und daher viel schlauer werden und die nächsten Baureihen hochtechnologischer Autos für Toyota und Mitsubishi entwickeln, oder fortschrittliche Fernsehgeräte für Sony. Ich persönlich falle nicht auf diese Idee herein, Die Erfahrungen, die westlichen Städten durch nichtwestliche Einwanderung bisher vermittelt wurde, legt anderes nahe.

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