Willanders – Rechts vor Links

16. August 2009

Bist du schon politisch korrekt oder lebst du noch?

Unter dem Titel Politische Korrektheit: Schmetterlingseffekt der Konditionierung erschien in eigentümlich frei ein lesenswerter Artikel zur Manipulation mittels Sprache.

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Überlegungen zur linken Sprachmanipulation – von Lion Edler

Wer die Sprache kontrolliert, der kontrolliert das Denken. Der vielleicht größte sprachpolitische Skandal der Gegenwart ist die Gleichsetzung der Begriffe „rechts“ und „rechtsextrem“ bei gleichzeitiger Legitimität des Begriffs ,,links“. Doch weitere Beispiele sprachlicher Manipulationen sind zahlreich, vor allem treten sie häufig als entscheidende Stützpfeiler von Gedankengebäuden auf, sodass die auf diese Gebäude errichteten Sprach-Etagen bei Wegbrechen des Stützpfeilers automatisch mit zusammenbrechen.

Dies gilt beispielsweise für die Manipulation des Begriffs ,,neoliberal“, der eigentlich nur noch als Synonym dafür verwendet wird, dass man den Arbeitslosen und Rentnern die Kohle wegnimmt und den Arbeitnehmern grausame ,,Existenzängste“ zumutet. Auch das Wort ,,Kapitalismus“ ist ein Schimpfwort (…), weil Kapitalismus mit Raffgier und mit Materialismus verwechselt wird. (…)

Ohnehin wird die gefährlich klingende Vorsilbe ,,Neo“ gern als Bezeichnung für das totale Böse verwendet: Neben den ,,Neonazis“ und den ,,Neofaschisten“ gibt es die fast genauso schlimm klingenden ,,Neoliberalen“ und ,,Neokonservativen“, oder noch gruseliger: ,,Neocons“. Immerhin, an guten Tagen, kontern einzelne CDU-Politiker gegen die Linkspartei mit dem Terminus ,,Neokommunisten“(…).

Schon die Ansprache bei Vorträgen und Reden (…) wird mit Wortungeheuern wie ,,liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger“ volkspädagogisiert. Bei jeder krachenden Nennung des ,,In“ soll der Mann unterbewusst tiefe Scham und Schuld empfinden, denn er weiß ja, dass diese sprachliche Regelung einzig und allein deswegen nötig ist, weil sein Geschlecht eben permanent dazu neigt, das andere zu unterdrücken. Gleichzeitig wird mit der ,,Bibel in gerechter Sprache“ versucht, auch über eine so entscheidende kulturelle Wurzel Europas, wie es das Christentum ist, Sprach- und Konditionierungshoheit zu erlangen, um diese Wurzeln somit zu zersetzen und zu okkupieren.

Stephane Courtois sieht im ,,Schwarzbuch des Kommmunismus“ ein ,,wesentliches Kennzeichen des Leninismus“ in ,,der Manipulation der Sprache, in der Abkoppelung der Wörter von der Realität“. So wurde die Mauer zum ,,antifaschistischen Schutzfall“, Regimegegner entsprechend zu ,,Faschisten“ und ,,Revisionisten“. Eine solche ,,Abkoppelung der Wörter von der Realität“ stellt auch der Begriff der ,,Islamophobie“ dar. Wer den real existierenden Islam für unvereinbar mit westlichen vorliberalen Politikvorstellungen hält, wird so in die Nähe von pathologisch Kranken gerückt. (…)

Diese leninistisch wurzelnde ,,Abkoppelung der Wörter von der Realität“ zeigt sich auch in Sprachregelungen rund um das Thema ,,Multikulti“ und ,,Einwanderung“. Sie macht aus der Hofierung einer archaischen Monokultur per Begriffsmanipulation ,,Multikulti“, aus rechtsfreien Räumen und Straßenterror ,,Einzelfälle“, aus Deutschen ,,Nichtmigranten“ und vor allem natürlich aus Ausländern und etwa Moslems ,,Bürger mit Migrationshintergrund“ – getoppt wird dies nur noch mit Hans-Christian Ströbeles Formulierung von den ,,Islamgläubigen“. Kritik an den Zuständen gilt als ,,Generalverdacht“, ,,Populismus“, ,,Hetze“ oder ,,Fremdenfeindlichkeit“. Roland Koch musste sich des Öfteren den Vorwurf des ,,Rassismus“ anhören, weil er auf die überdurchschnittliche Kriminalitätsrate von in Deutschland lebenden Ausländern hinwies. Mal abgesehen davon, dass ein solcher Vorwurf impliziert, dass diese Empörer offenbar Ausländer rassisch definieren: Der Vorwurf zeigt, dass eine ,,fremdenfeindliche“ Äußerung für viele offenbar weniger schlimm zu sein scheint als eine rassistische. Diese Haltung aber ist genau genommen selbst Rassismus, nur dass er natürlich in diesen Fällen in der Regel nur vorgespielt wird.

In der Sozialpolitik kennzeichnet die lapidare und penetrante Oktroyierung des Begriffs ,,Armut“ eine tiefgreifende sprachliche Manipulation. Armut wird dabei von linken Sozialwissenschaftlern beispielsweise als eine finanzielle Lage definiert, bei der man weniger als etwa 50 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient. Auf diese Weise könnten selbst in einer Gesellschaft voller Millionäre theoretisch fast alle Menschen ,,arm“ sein. Behoben werden kann dies nur mit noch mehr Umverteilung, linke Ideologie wird somit zum wissenschaftlichen Konsens erhoben, geht es doch schließlich um den ,,Kampf gegen Armut“. Unterbewusst wird dadurch bei zahlreichen Bürgern zudem eine Realitätswahrnehmung entwickelt, die Deutschland als ein den Entwicklungsländern ähnliches Land erscheinen lässt. (…)

Es ist die logische Folge, wenn ein Begriff wie ,,Armut“ dermaßen kultiviert wird. Wem Armut droht, der steckt gemäß sprachlicher Korrektheit dementsprechend in ,,Existenzangst“. Der Verlust der Existenz droht aber in Deutschland nicht durch HartzIV, sondern allenfalls durch Krankheiten, Unfälle, Altersschwäche, Gewalt und Alkoholismus.

Im Zuge der sogenannten ,,Vergangenheitsbewältigung“ des nationalen Sozialismus sollte die Sprache mit zuweilen hysterischem Eifer gereinigt werden: Schon Wörter wie ,,Autobahn“, ,,entartet“, ,,Blondie“, ,,roter Holocaust“ oder ,,Umvolkung“ galten nun als geradezu verbrecherisch, da angeblich konditionierend im Sinne eines Aufstiegs von Rechtsextremisten und daraus folgendem neuen braunen Reich. ,,Differenzieren“, ,,reflektieren“, ,,Einzelfall“ und ,,Kampf gegen Rechts“ heißen nun die Leitbegriffe der BRD, die natürlich in Wahrheit wiederum auf eine umfassende Linkskonditionierung der Gesellschaft hinauslaufen, und zwar bis in die privatesten und intimsten Winkel des Lebens. Mit dem wiederum manipulierenden Begriff ,,Zivilcourage“ wird die Verpöbelung der politischen Kultur beschrieben,(…) Indessen spricht man ganz in kommunistischer Tradition nicht vom ,,Nationalsozialismus“, sondern vom ,,Faschismus“, allenfalls verkürzt von ,,Nazis“ oder der ,,Hitler-Diktatur“, um das Wort ,,Sozialismus“ aus dem Nationalsozialismus zu verbannen.

Um die Bewusstseinsströme noch stärker linksidelogisch zu lenken, hatte der Deutsche Journalisten-Verband in Zusammenarbeit mit dem linksextremen DISS-Institut 2006 eine sogenannte ,,Sprachfibel gegen Rassismus“ empfohlen, in der bereits Begriffe wie ,,Asylbewerber“ und ,,Gutmensch“ als verbannungswürdig betrachtet werden. Viele deutsche Begriffe seien immer noch vom ,,Nazideutsch“ geprägt, und es müssten bestimmte Begriffsvorstellungen ,,dekonstruiert“ werden. Der Vorstoß stieß glücklicherweise auf keine große Gegenliebe – bis jetzt. Denn es zeigt natürlich auch, wohin die Reise geht.

,,Es muss alles demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben“, soll Walter Ulbricht einmal gesagt haben. Wo trifft das eher zu als in der Sprachkontrolle? Es gilt, schon im Alltag nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich Haltung zu bewahren und sich auch gegen jegliche sprachliche Kriecherei zu stemmen, wo immer es geht. Mitmenschen darauf hinzuweisen, dass sie – zum Beispiel aus Unwissenheit – irreführende Begriffe verwenden, sollte durchaus nicht als Rechthaberei verstanden werden, sondern als notwendiger Schutz vor Konditionierung im Kleinen. Um einen politisch-sprachlichen Schmetterlingseffekt herbeizuführen, muss bereits im Alltag und persönlichen Umfeld mit den Flügeln geschlagen werden. Natürlich besteht theoretisch die Gefahr, dass eine linke Sprachpolizei durch eine rechte abgelöst wird. Sprachliche Lenkungen wird es immer geben. Aber nicht immer sind sie eben dieser bereits beschriebenen ,,Abkoppelung der Wörter von der Realität“ anheim gefallen. Inzwischen zeigen sich erfreulicherweise Anzeichen, dass das sprachliche Konditionierungssystem erste Risse bekommen könnte. Alt-68er-Publizisten schäumen bereits, dass einstige Gütesiegel wie ,,Gutmensch“ und ,,Politisch korrekt“ inzwischen zu Schimpfwörtern umgewandelt worden sind. Ähliches könnte sich gerade mit dem Begriff ,,Kampf gegen Rechts“ anbahnen. Auffallend ist hierbei, dass besonders häufig gar nicht neue Begriffe gegen alte ausgetauscht werden, sondern alte Begriffe lediglich umgedeutet oder persifliert werden. Wo organisierte Sprachlosigkeit herrscht, scheint Unmut über die Zustände nur noch durch Verächtlichmachung der herrschenden Sprache möglich zu sein, ohne dass neue produziert wird.

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