Willanders – Rechts vor Links

12. August 2009

Mohammedaner in Lauerstellung

Ein älterer Artikel, dessen Inhalt aber – leider – nichts von der Aktualität und Dringlichkeit eingebüsst hat. Frank Schirrmacher:

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Muslime in Deutschland – Vorbereitungsgesellschaft

In den Straßenkämpfen des Berlin der zwanziger Jahre wurde beobachtet, wie man eine moralische Position aufbaut. Die „Pfui-Rufe“ der Massen setzten immer dann ein, wenn die neutrale staatliche Autorität auf dem Schlachtfeld erschien und auf die Durchsetzung der Gesetze beharrte. Die moralische Empörung war mehr wert als das Freund-Feind-Denken. Sie erst zerstörte die Gesetze. So haben die Demonstranten in der arabischen Welt ihre traurige Moral requiriert: Sie zerstören, verbrennen und ermorden, weil sie „Pfui“ rufen. Der Westen hat Verständnis. Doch wer je nur eine Hasspredigt gelesen hat, weiß, dass es um viel mehr geht.

Unser Problem ist, dass den Islamisten die pure Existenz einer westlichen Kultur als Beleidigung gilt. Die arabisch-europäische Liga gemäßigter Muslime sagt das nicht geradeheraus, obwohl sie, unter großer Anteilnahme, gerade einen Holocaust-Karikaturenwettbewerb veranstaltet. Aber sie nennt eine Vision: „Wir erklären, dass wir den Gebrauch der arabischen Sprache zwischen unseren Völkern als lingua franca in ganz Europa befördern und wiederherstellen werden. Wir erklären, dass wir strukturelle Bindungen zwischen der arabischen Diaspora in Europa herstellen werden, um eine einzige Gemeinschaft in ganz Europa herzustellen. Und wir werden die Bindungen zwischen unserer Diaspora und der Arabischen Nation stärken.“ Die Frage ist, was eine Gesellschaft dem entgegenzusetzen hat, die allen Ernstes darüber diskutiert, ob ihre eigene Sprache auf Schulhöfen gesprochen werden soll.

Die demographische Dynamik der Islamisierung hat zunächst nichts mit Werten zu tun. Sie geschieht. Sie betrifft unsere Gesellschaft im nächsten Jahrzehnt, ganz gleich, wie friedfertig sich die hier lebenden Muslime zeigen. (…)

Der Schriftsteller Botho Strauß hat (…) einen entscheidenden Gedanken formuliert: (…) „bezieht der Islam seine stärkste Wirkung aus seiner sozialen Integrationskraft… Liberale Systeme mit ihrem Integrationsangebot, ihren Assimilierungsforderungen werden immer mit der innerislamischen Integration konkurrieren. Mit anderen Worten, die angebliche Parallelgesellschaft ist eigentlich eine Vorbereitungsgesellschaft. Sie lehrt uns andere, die wir von Staat, Gesellschaft, Öffentlichkeit abhängiger sind als von der eigenen Familie, den Nicht-Zerfall, die Nicht-Gleichgültigkeit, die Regulierung der Worte, die Hierarchien der sozialen Verantwortung, den Zusammenhalt in Not und Bedrängnis.“

Ehe man diese Sätze zur Karikatur macht, ehe sofort die Witterung nach Fremdenfeindlichkeit (…) aufgenommen wird und das Wort „Stammtisch“ fällt, sollte man festhalten, dass Strauß‘ Wort (…) meint, (…) den Umschlagspunkt des Bevölkerungsaufbaus, den eine Reihe von europäischen Staaten in den nächsten Jahren erleben wird. Wer ist Mehrheit, und wer ist Minderheit? Diese Frage, die Politiker aus naheliegenden Gründen nicht öffentlich zu stellen wagen, hat der Bevölkerungsforscher Herwig Birg längst beantwortet. Dabei geht es nicht um die Veränderungen der Mehrheitsverhältnisse in der Gesellschaft insgesamt, sondern um eine demographische Revolution von unten.

Wie die unsere Debatten bestimmt, ließ sich in den letzten fünfzehn Jahren studieren: Erst debattierte die Gesellschaft den Familiennachzug, dann die Probleme bei der Integration in den Kindergärten, es folgte eine Auseinandersetzung um die Probleme in Grundschulen, dann (…) um das Staatsbürgerrecht mit besonderem Hinweis auf die Erbschaftsproblematik. Wir sind jetzt, Stand 2006, bei den Hauptschulen und den fünfzehnjährigen Schülern angelangt, die im Pausenhof Deutsch sprechen sollen – jeder, der die Augen nicht verschließt, weiß, dass die nächste Phase der Debatte bevorsteht: der Augenblick, wo diese Generationen die Schulen verlassen und, da schlecht von uns ausgebildet, mit einem abweisenden Arbeitsmarkt konfrontiert werden. Dieser Augenblick ist schätzungweise noch maximal fünf Jahre entfernt.

Aber es geht nicht nur um ein Integrationsproblem einer vorwiegend muslimischen Mehrheit. Es geht mittlerweile um ein Desintegrationproblem der nicht zugewanderten jungen Minderheit. „Es ist nicht übertrieben“, so Birg mit Blick auf die Jahre 2010 bis 2015, „dass die nicht zugewanderte, inländische Bevölkerung bei den unter Vierzigjährigen vielerorts zu einer Minderheit unter anderen Minderheiten wird.“ „Vorbereitungsgesellschaft“ heißt (…), dass sich in der (…) Gruppe der Zwanzig- bis Vierzigjährigen ein Austausch vollzieht. Dieser Austausch, der in vielen Metropolen von uns verantwortungslos schlecht ausgebildete Zuwanderer zu Mehrheiten macht, wird einen weiteren gesellschaftlichen und sozialen Druck auf die heute zehnjährigen Kinder ausüben. Die Familie, die in Not und Bedrängnis zusammenhält, werden sie innerhalb der Metropolen dann mehrheitlich als muslimisch geprägte Familien wahrnehmen.

(…) Es gibt niemanden im Westen, einschließlich der Muslime in Deutschland, der glaubt, die Unruhen in den muslimischen Ländern seien spontane Massenproteste. (…) Man weiß vielmehr, dass es sich, wie die „New York Times“ recherchierte, um ein zusammengeschustertes, mit drei Fälschungen gespicktes dreiundvierzigseitiges Dossier in zwei Pappdeckeln handelte, das den arabischen Innenministern bei einer Rundreise der dänischen Muslime ausgehändigt wurde.

Wir beschlossen“, so der (…) Sprecher der dänischen Aktivisten, (…) „um gehört zu werden, mußte es von einflußreichen Persönlichkeiten innerhalb der muslimischen Welt ausgehen.“ Diesen Satz muß man sich merken. In diesem Augenblick – und das erst ist das schlechthin Neue der Lage – haben sich die Mehrheitsverhältnisse in Dänemark und bald auch in Europa für einige historische Tage grundsätzlich verändert. 17000 Unterschriften haben die dänischen Muslime in Dänemark gesammelt. Jetzt hatten sie plötzlich potentiell die Mehrheit der arabischen Welt hinter sich.

(…) Günter Grass (…) redete sogar von dem Kampf zweier „Unkulturen“ und dekretierte das Ende der Pressefreiheit: „(…) Wir haben das Recht verloren, unter dem Recht auf freie Meinungsäußerung Schutz zu suchen.“ (…)

Wir sollten (…) nicht versuchen, uns in die Wut der anderen hineinzuversetzen. David Brooks hat gezeigt, wohin das führt, als er in der „New York Times“ die antisemitischen Holocaust-Karikaturen ansah, die die „arabisch europäische Liga gemäßiger Muslime“ im Internet veröffentlicht: „Ihr wolltet, dass wir wissen, wie ihr euch fühlt. Ihr in der arabisch-europäischen Liga veröffentlicht eine sodomistische Karikatur von Hitler im Bett mit Anne Frank, so dass wir im Westen verstehen, warum ihr euch von den dänischen Cartoons so getroffen fühlt (…) Nun, ich habe diese Karikaturen gesehen (…) Aber ich weiß immer noch nicht, wie ihr euch fühlt. Ich möchte immer noch keine Botschaften niederbrennen oder Menschen enthaupten (…) Ich kann eure Wut noch immer nicht nachempfinden.“

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