Willanders – Rechts vor Links

17. Juni 2009

Obama und der Geist aus der Flasche

Wir erinnern uns: Im September 1987 empfing Bundeskanzler Kohl zum allerersten Mal den DDR-Staatsratvorsitzenden Erich Honecker mit allen Ehren in Bonn und erkannte somit de facto die DDR an. Am 2. August 1989 setzte der Springer-Verlag seine „DDR“-Gänsefüsschen ab, um „der Entwicklung in Mittel- und Osteuropa Rechnung zu tragen“, wie es in DIE WELT vom selben Tag hiess. Nur wenige Wochen später präsentierte „die Entwicklung“ in der Person des ostdeutschen Volkes Honecker die Rechnung, drei Monate nach dem Fall der Gänsefüsschen fiel die Berliner Mauer.

Ein ähnlich schlechtes Timing wählte wohl der selbsternannte Friedensstifter Obama, als er vor einigen Wochen seine „Hand der Freundschaft“ in Richtung Teheran ausstreckte. Die Gegenhand in Teheran war für einen herzlichen Händedruck allerdings nicht zu haben, sie war zu dem Zeitpunkt nämlich schon zu einer Faust geballt, bereit auf das eigene Volk einzuhämmern.

Auch wenn Ahmadinejads Kontrahent Mussawi kein Freund des Westens ist – er war 1979 an der Seite Khomeinis federführend für die islamische Revolution verantwortlich –, projizierten vor allem die jungen Iraner ihre Hoffnungen auf ihn. Der unbändige Wunsch nach Freiheit und Demokratie ist die treibende Kraft der Menschen bei den Massenprotesten auf den Strassen der iranischen Städte.

Die Iraner wollen nicht mehr, dass Andersdenkende in finsteren Kerkern vor sich hin rotten, sie wollen nicht, dass Homosexuelle an Baukränen baumeln, sie wollen auch nicht für eine Liebesbeziehung gesteinigt werden. Sie alle sehnen ein Ende des Terrors und ein Ende der Krise mit Amerika herbei. Sie haben es satt, weltweit als Paria dastehen.

Nüchtern geworden durch die nicht eingehaltenen Versprechen der islamischen Revolution von 1979 – als das Volk gegen das Shahregime aufbegehrte und am Ende in einem viel grausameren Terror aufwachte – machten sich diesmal die gebrannten Kinder keine Illusionen über die Absichten und Möglichkeiten von Mussawi. Sie stimmten für ihn nur, weil er die einzige Alternative zum jetzigen Despoten war. Und weil die schallende Ohrfeige der Wähler für die Hisbollah in Libanon Hoffnungen in der ganzen Region weckte.

Obama und seine Experten haben diesen inneriranischen Prozess nicht verstanden. Der amerikanische Präsident hat hier kein gutes Händchen bewiesen und steht jetzt da wie ein begossener Pudel. Zum jetzigen Zeitpunkt hat er sich noch zu keiner Stellungnahme durchgerungen. Man will ja schliesslich den zarten Olivenzweig nicht gleich wieder zertreten.

Auch im Libanon machte Obama einen Kardinalfehler. In Erwartung eines Wahlsieges der Hisbollah verkündete Washington schon vor der Wahl seine Bereitschaft, später mit dieser Mörderbande zusammen zu arbeiten. Während Obama dabei war, sich mit Terroristen an einen Tisch zu setzen, setzte das libanesische Volk der Hisbollah die Stühle vor die Tür. Statt die nach Frieden und Demokratie durstenden Menschen zu unterstützen, verriet der schwarze Erlöser sie und schmeichelte ihren Peinigern. Auch seinen Bückling vor dem Schlächter aus Riyad haben die Menschen nicht vergessen. Obamas Friedenshand ermutigte zweifellos auch Ahmadinejad zu der Wahlmanipulation.

Das polternde Schweigen in Washington verrät Ratlosigkeit. Was jenseits jeder Vorstellungskraft von Obama und seinen sozialistischen Freunden im Westen lag, wurde Wirklichkeit: Das Volk im Iran war nicht bereit, die Manipulation seiner Herrscher einfach hinzunehmen und zur Tagesordnung überzugehen. Nein. Das Volk steht zur Stunde zu Hunderttausenden, bald vielleicht zu Millionen auf, um für sein Recht und für seine Hoffnungen zu kämpfen. Eine wahrhaftig gräussliche Vorstellung für den Sozialisten Obama und seine Leute.

Ein US-Präsident, der sich nicht sofort auf die Seite der Freiheit und der Demokratie stellt, ist wahrlich kein Vorbild für die Menschen weltweit. Seine lauwarme Erklärung, er sei „zutiefst besorgt“ über die Ereignisse im Iran, ändert an dem Bild nichts. Seine Aufputschmittel „change“ und „yes we can“ erweisen sich als Placebo. Hochfliegende Friedenspläne befinden sich im Sturzflug auf Teheran.

Niemand weiß, wie die Krise im Iran enden wird. Es mag sein, dass die Unruhen sich zu einem landesweiten Bürgerkrieg ausweiten und das Mullahregime hinwegfegen werden. Eine Niederschlagung des stolzen iranischen Volkes durch gedungene Killerkommandos aus Syrien und dem Libanon ist auch denkbar. Wie auch immer die Krise im Iran ausgehen mag, Obama hat einen grossen Teil seines Ansehens eingebüsst.

Obamas Appeasement-Politik gegenüber sämtlichen Tyrannen dieser Welt – von Castro, über Kim bis zu Ahmadinejad – liegt nach nicht einmal einem halben Jahr in Trümmern.  Amerikas Ruf als zuverlässiger Freund und Helfer an der Seite der Kämpfer für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte hat Obama nach nicht einmal einem halben Jahr verspielt. Allerdings hat der Geist der Freiheit die Flasche längst verlassen und wird sich nicht mehr reinzwängen lassen. Was nun? Mr. President, übernehmen Sie! Sie können vorher aber auch Ihren Vorgänger fragen, er hat Erfahrung im Umgang mit islamischen Diktatoren.

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